Militante Kurdengruppe bekennt sich zu Ankara-Anschlag | Aktuell Europa | DW | 19.02.2016
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Aktuell Europa

Militante Kurdengruppe bekennt sich zu Ankara-Anschlag

Die militante türkische Organisation "Freiheitsfalken Kurdistans" (TAK) hat sich zum Terroranschlag in Ankara bekannt, bei dem am Mittwoch 28 Menschen getötet worden waren. Das teilte sie auf ihrer Homepage mit.

"Wir haben im Herzen des faschistischen türkischen Staates in Ankara zugeschlagen", erklärte die Gruppe auf ihrer Homepage. Mit der Bombenexplosion habe man Vergeltung für das Vorgehen der türkischen Sicherheitskräfte in der Stadt Cizre geübt, die im kurdisch geprägten Südosten der Türkei liegt. In Cizre hatten sich Armee und Polizei wochenlange verbissene Häuserkämpfe mit Kämpfern der Untergrundorganisation PKK geliefert. Dabei wurden auch schwere Waffen eingesetzt und ganze Straßenzüge zerstört. Es soll bis zu 145 Todesopfer gegeben haben.

Warnung an Türkei-Touristen

Die TAK kündigte weitere Anschläge auch in Touristengebieten an und warnte Urlauber davor, in die Türkei zu reisen. Die "Freiheitsfalken" sollen 2004 aus der PKK hervorgegangen sein. Sie verübte Anschläge in Städten. Ende vergangenen Jahres hatte sich die TAK zu einem Mörserangriff auf den Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen bekannt. Nach anderen Berichten soll es sich bei ihr um ein von der PKK unabhängig agierende Rebellengruppe handeln.

Zweifelhafte Tätertheorie

Damit widerspricht die TAK der türkischen Regierung, die die syrischen Kurdenmilizen der YPG für den Anschlag verantwortlich machte. Zwei Tage nach dem Anschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara (Artikelbild) hat sich die Zahl der Festgenommenen auf 17 erhöht. Die Ermittlungen seien "fast" abgeschlossen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Präsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte, für ihn gebe es an der Täterschaft syrischer Kurden "keinen Zweifel".

Drei weitere Verdächtige seien festgenommen worden, erklärte die Staatsanwaltschaft in Ankara. "Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Anschlag und den YPG", sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Die YPG wiesen diese Anschuldigung zurück. Bei der YPG handelt es sich um den bewaffneten syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die von der Türkei als Terrororganisation bekämpft wird.

Erdogan geht auf USA zu

Erdogan kündigte an, er werde US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat darauf hinweisen, wie gefährlich es sei, kurdische Organisationen mit Waffen auszustatten. Dann würden "unsere Freunde" besser als bislang verstehen, wie stark die Verbindungen zwischen den Kurdenorganisationen in Syrien und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Türkei seien.

Nach Darstellung der türkischen Behörden soll der Haupttäter des Anschlags ein 23-jähriges YPG-Mitglied aus Syrien sein. Türkischen Medienberichten zufolge war der junge Mann als Flüchtling in die Türkei gekommen und wurde durch seine bei der Einreise genommenen Fingerabdrücke identifiziert. Er wurde bei der Explosion getötet.

Die Türkei wurde in den vergangenen Monaten von mehreren Anschlägen erschüttert. Seit dem bislang blutigsten Anschlag, bei dem im Oktober bei einer prokurdischen Friedensdemonstration in Ankara 103 Menschen getötet wurden, gilt die höchste Terrorwarnstufe. Die türkischen Behörden machten die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" für die Tat verantwortlich. Vor einem Monat sprengte sich ein mutmaßlicher IS-Anhänger in Istanbul in die Luft und tötete elf deutsche Touristen. Die türkischen Sicherheitskräfte nahmen in den vergangenen Wochen zahlreiche mutmaßliche IS-Kämpfer fest, die weitere Anschläge in Ankara und der Metropole Istanbul geplant haben sollen.

kle/uh (dpa, ape, rtr)