Migrationsbericht: Weniger Asylanträge, mehr Studierende | Deutschlehrer-Info | DW | 16.01.2020
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Migrationsbericht: Weniger Asylanträge, mehr Studierende

Der aktuelle Migrationsbericht zeigt: Die Zahl der Menschen, die in Deutschland Asyl beantragen, sinkt. Dagegen steigt die Zahl der ausländischen Studierenden – obwohl sie oft lange auf ein Visum warten müssen.

Weniger Geflüchtete, mehr Studierende und Arbeitende: Die Migration nach Deutschland ändert sich. „Die humanitäre Zuwanderung ist in den letzten drei Jahren zurückgegangen, aber es kommen mehr Menschen nach Deutschland, um zu studieren und zu arbeiten“, heißt es im Migrationsbericht für das Jahr 2018, den die Bundesregierung am Mittwoch, dem 8. Januar veröffentlichte. Gleichzeitig teilte das Innenministerium mit, dass im vergangenen Jahr 2019 die Zahl der Asylerstanträge erneut gesunken ist, und zwar auf 142.509. Das sind ungefähr 20.000 weniger als 2018. 

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, Deutschland habe den starken Zuzug von Geflüchteten ab 2015 „gut bewältigt“. Seit den Jahren 2015/16 habe sich die Einwanderung nach Deutschland gewandelt. „Die Zuwanderung von Schutzsuchenden ist zurückgegangen, und es kommen mehr Menschen, um hier zu studieren und zu arbeiten“, erklärte Seibert. Die Zahl der Personen, die einen Asylantrag stellten, sei 2018 erstmals wieder unter das Niveau von 2014 gefallen.

Neue Methodik, abweichende Ergebnisse

Das Innenministerium selbst zählt in der aktuellen Asylstatistik nur 111.094 Erstanträge. Die Differenz entsteht durch eine neu eingeführte Methodik: Statt wie bisher alle Asylerstanträge zu zählen, klammern die Statistiker nun in Deutschland geborene Kinder Schutzsuchender aus, für die Asyl beantragt wird. Bei Menschen – Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen –, die nach Deutschland eingereist sind und Asyl beantragt haben, spricht das Ministerium nun von „förmlichen grenzüberschreitenden Asyl-Erstanträgen“. Die Hauptherkunftsländer dieser Menschen waren im vergangenen Jahr Syrien (26.435), der Irak (10.894) und die Türkei (10.275).

Für Studierende attraktiv

Neben der Asylstatistik wurde auch der Migrationsbericht vorgestellt. Aus dem geht hervor, dass im Jahr 2018 mit fast 1,6 Millionen etwa gleich viele Menschen nach Deutschland zogen wie im Vorjahr. Zugleich verließen fast 1,2 Millionen Menschen die Bundesrepublik. Insgesamt lebten 2018 81,6 Millionen Menschen in Deutschland, von denen 13,5 Millionen Migrationserfahrungen haben. 

Eine Frau schreibt mathematische Formeln auf eine Tafel (picture-alliance/dpa/G. Fischer)

An einem Studienkolleg in Berlin

Eine Steigerung verzeichnet Deutschland bei den Zuzügen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Studierenden aus der ganzen Welt. Aus dem Migrationsbericht geht unter anderem hervor, dass an deutschen Hochschulen im Wintersemester 2018/1019 knapp 400.000 ausländische Studierende eingeschrieben waren. Davon sind etwa drei Viertel so genannte „Bildungsausländer“. Gemeint sind Studierende, die sich im Ausland oder an Studienkollegs für deutsche Hochschulen qualifiziert haben, also nicht in Deutschland Abitur gemacht haben. Studienkollegs bereiten ausländische Interessenten für ein Studium an deutschen Universitäten vor. Knapp 110.000 Bildungsausländer begannen 2018 ein Studium in Deutschland, 5000 mehr als im Jahr zuvor. Die größte Gruppe ausländischer Studienanfänger bildeten Chinesen, gefolgt von Indern und Syrern.

Lange Wartezeiten

Allerdings müssen Ausländer, die in Deutschland studieren wollen, einem Zeitungsbericht zufolge oft monatelang auf einen Termin für einen Visumsantrag warten. An 24 Botschaften und anderen Auslandsvertretungen habe die Wartezeit im November 2018 mehr als acht Wochen betragen, meldete die „Neue Osnabrücker Zeitung“ unter Berufung auf eine Antwort des Bundesforschungsministeriums auf eine Grünen-Anfrage. In sieben Vertretungen hätten die angehenden Studierende sogar ein Jahr oder länger warten müssen. Davon seien Länder wie Indien, Marokko und Kamerun betroffen.

Vor einem Jahr hätten ausländische Studierende nur in Teheran ein Jahr oder länger warten müssen, um ein Visum beantragen zu können, hieß es weiter. Mit Ausnahme der Vertretungen in Tadschikistan, Usbekistan und Ägypten hätten sich an allen Botschaften und Konsulaten mit langen Fristen die Wartezeiten gegenüber 2018 noch verlängert.

ip/sst (afp, dpa, epd, kna) 

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