Michigan: Eltern des Todesschützen angeklagt | Aktuell Amerika | DW | 03.12.2021
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Waffengewalt in den USA

Michigan: Eltern des Todesschützen angeklagt

Nach der Schusswaffenattacke mit vier Toten an einer Schule im US-Bundesstaat Michigan sind auch die Eltern des 15-jährigen Angreifers mit angeklagt worden. Der Vater hatte die Waffe gemeinsam mit seinem Sohn gekauft.

USA I Amoklauf an Highschool in Michigan

Blumen und Trauerbekundungen für die Opfer des Amoklaufs in Michigan

Wenn ein Schüler in einer US-Schule um sich schießt, kommt es fast nie zu einer Anklage gegen die Eltern. In diesem Fall sollen die Eltern laut Staatsanwaltschaft aber grob fahrlässig gehandelt haben. Sie sollen mehrere kritische Warnungen ignoriert haben. Der Aufenthaltsort der Eltern ist laut Polizei derzeit nicht bekannt. Sie gelten als flüchtig.

Die Justiz wirft James und Jennifer C. Totschlag in vier Fällen vor, wie die Staatsanwältin des Landkreises Oakland County, Karen McDonald, mitteilte. Der Vater hatte die Tatwaffe, eine halbautomatische Pistole, vier Tage vor der Tat gemeinsam mit seinem Sohn gekauft. Die Mutter des Teenagers soll die Waffe auf Online-Plattformen als "Weihnachtsgeschenk" für ihren Sohn bezeichnet haben, wie die Staatsanwältin weiter sagte.

USA I Amoklauf an Highschool in Michigan | Karen McDonald

Staatsanwältin Karen McDonald will mit der Anklage eine Botschaft an alle Waffenbesitzer senden

Die Eltern hätten nach einem Vorfall kurz vor der Tat, bei dem sie wegen Zeichnungen ihres Sohnes mit Gewaltfantasien zur Schule zitiert worden waren, nicht überprüft, ob der Teenager die Waffe bei sich hat, erklärte die Staatsanwältin. Sie hätten sich geweigert, ihren Sohn mit nach Hause zu nehmen, daher sei er zurück ins Klassenzimmer gegangen. Zudem hätten die Eltern auch seinen Rucksack nicht auf die Waffe hin durchsucht.

Als dann bekannt wurde, dass jemand an der Schule auf Menschen schoss, schrieb die Mutter ihrem Sohn eine Nachricht mit den Worten "tue es nicht". Der Vater fuhr daraufhin nach Hause und rief kurze Zeit später bei der Polizei an und gab an, dass seine Waffe fehlte, wie McDonald schilderte.

"Ungeheuerliche" Fakten

"Mit diesen Anklagepunkten sollen jene zur Verantwortung gezogen werden, die zu dieser Tragödie beigetragen haben, und es soll eine Botschaft an Waffenbesitzer ausgesandt werden, dass sie eine Verantwortung haben", betonte die Staatsanwältin. Eine Anklage gegen die Eltern eines Täters bei einem solchen Gewaltakt in Schulen sei sehr selten, aber in diesem Fall seien die Fakten "ungeheuerlich", sagte sie. Die Waffe sei im Schlafzimmer der Eltern in einer unverschlossenen Schublade gelagert worden, sagte McDonald. "Waffenhalter haben eine Verantwortung", mahnte sie.

Der 15-Jährige hatte an seiner High School in der nördlich von Detroit gelegenen Kleinstadt Oxford am Dienstag das Feuer eröffnet. Er tötete dabei vier Mitschüler im Alter zwischen 14 und 17 Jahren und verletzte sieben weitere Menschen. Er ließ sich nach der Tat widerstandslos festnehmen und wurde in der Folge unter anderem wegen vierfachen Mordes und Terrorismus angeklagt. Die Anklage geht von einer vorsätzlichen Tat aus.

Dem Teenager soll nach dem Erwachsenenstrafrecht der Prozess gemacht werden. Ihm droht lebenslange Haft.

US-Präsident Joe Biden hat Maßnahmen zur Eindämmung von Waffengewalt in Aussicht gestellt, bislang aber ohne konkrete Ergebnisse.

qu/mak (dpa, afp, rtr, ap)

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