Michael Schumacher: Formel-1-Legende und Familienmensch | Kultur | DW | 22.09.2021
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Dokumentarfilm

Michael Schumacher: Formel-1-Legende und Familienmensch

Ein Rennfahrer, erfolgreich wie kein anderer, eine knallharte Präzisionsmaschine, ein liebevoller Vater und Ehemann: Netflix zeigt die Doku "Schumacher".

Fast still und heimlich ist auf Netflix in der vergangenen Woche eine Filmdokumentation gestartet. Sie erzählt die Geschichte eines nun schon legendären Rennfahrers: Michael Schumacher. Der deutsche Formel-1-Pilot hat sieben Weltmeistertitel eingefahren und über viele Jahre die Formel 1 dominiert - vor allem mit seinem Rennstall Ferrari. 2012 bestritt er sein letztes Formel-1-Rennen. Ende 2013 stürzte er bei einem Skiunfall schwer und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, von dem er sich bis heute nicht erholt hat.

Die Familie und enge Bekannte legen seitdem schützend ihre Hände über ihn. Trotzdem ist ein Dokumentarfilm entstanden, der ihn, den legendären Rennfahrer, nochmal allen in Erinnerung ruft, die ihn fast schon vergessen haben. Der Film erklärt nichts, er rechtfertigt nichts, er drückt nicht auf die Tränendrüse - er beschreibt. "Schumacher" erzählt die Geschichte eines Jungen aus dem Rheinland, der mal ein großer Rennfahrer werden wollte - und es wurde.

Michael Schumacher fährt im Kart ein Rennen auf der Kartbahn

Michael Schumacher 1988 auf der Kartbahn

Das Naturtalent beweist sich

Mit vier Jahren sitzt er zum ersten Mal in einem Kettcar, das vom Vater, der gerne tüftelt, mit einem Motor ausgestattet wird. Das fasziniert den kleinen Michael. Er wächst quasi auf der Kartbahn auf, die seine Eltern gepachtet haben. Er fährt Rennen und ist ein grandioser Kämpfer, hat einen unverwechselbaren Fahrstil und bleibt Talentscouts nicht verborgen. Dass er jemals am Formel 1-Zirkus teilnehmen würde, hätte der junge Michael Schumacher nie gedacht - denn das geht normalerweise nur mit sehr viel Geld. Dafür sorgen schließlich Sponsoren, die an das Talent des jungen Fahrers glauben und ihn in immer höhere Rennklassen bringen.

Michael Schumacher Arm in Arm mit dem Jordan-Teamchef Eddie Jordan

Michael Schumacher 1991 in Spa mit dem Jordan-Teamchef Eddie Jordan

1991 schließlich fährt er sein erstes Formal 1-Rennen im belgischen Spa. Beim Qualifying wird er Siebter, im eigentlichen Rennen aber scheidet er aus. Trotzdem hat er seine Tauglichkeit in der Königsklasse bewiesen und gezeigt, dass er keine Angst vor den großen Rennfahrern wie Ayrton Senna und Nelson Piquet hat. Das Auftreten des selbstbewussten jungen Naturtalents fasziniert alle, und auch die alteingesessenen Stars reiben sich verwundert die Augen.

Ein Junge, der gegen harte Männer fährt

Benetton nimmt Schumacher unter Vertrag. Er gewinnt 1992 sein erstes F1-Rennen, 1994 den ersten WM-Titel. Noch nie war ein Fahrer so jung, so respektlos, so kämpferisch. Ayrton Senna, der bisher als absolute Legende galt, ist in dieser Saison bei einem Rennen tödlich verunglückt - und nun ist Schumacher die Nummer 1.

Zwei Formel-1-Rennwagen stoßen auf der Rennstrecke zusammen

Schumachers Fahrstil war sensationell aber auch gefährlich, wie hier bei einer Kollision mit Jaques Villeneuve

Der Dokumentarfilm zeigt neben dem fast kometenhaften Aufstieg des Michael Schumacher auch umstrittene Momente - sein kompromissloser Fahrstil war auch für seine Gegner nicht ungefährlich. Auch Rückschläge werden nicht ausgelassen - und Schumachers langer harter Kampf bei Ferrari, der fünf Jahre dauern sollte, bis er dem italienischen Rennstall endlich die Weltmeisterschaft brachte - und das fünf Jahre in Folge.

Viele seiner Wegbegleiter hat das Filmteam interviewt - darunter seine Rivalen Mika Häkkinen, David Coulthard und Damon Hill. Auch die früheren Mächtigen des Formel-1-Zirkus kommen zu Wort: Bernie Ecclestone, Flavio Briatore, Ross Brawn und viele mehr.

Michael Schumacher mit seiner Frau Corinna

Michael Schumacher mit seiner Frau Corinna 2010

Familie Schumacher hält zusammen

Die persönlichsten Geschichten aber erzählen die Familienmitglieder. Seine Frau Corinna, sein Vater Rolf, sein Bruder Ralf, sein Sohn Mick und die Tochter Gina. Hier sprechen die Menschen, die versuchen, seit dem tragischen Unfall damit zurecht zu kommen, dass Michael Schumacher wahrscheinlich nie wieder auf die Beine kommen wird. Er sei da, sagt seine Frau, aber anders als früher. "Er zeigt mir auch heute noch jeden Tag, wie stark er ist", so Corinna Schumacher. Sohn Mick, der seit diesem Jahr selber in der Formel 1 startet, gäbe alles für den Moment, in dem er mit seinem Vater über Motorsport quatschen könnte.

Mick Schumacher steht lächelnd vor einem großen Porträt seines Vaters Michael Schumacher

Mick Schumacher tritt in die Fußstapfen seines Vaters

Mehr verrät der Film nicht. Die Familie möchte in Ruhe gelassen werden, früher habe Michael alle beschützt, und jetzt beschütze seine Familie ihn, heißt es. Private Filmaufnahmen und Fotos sind zu sehen, aber alles endet mit dem Skiunfall im französischen Méribel.

Der Mensch hinter dem Lenkrad

Die Dokumentation zeigt natürlich einen Formel-1-Helden, den größten Rennfahrer aller Zeiten. Viele große und fast schon ikonische Szenen aus Schumachers Karriere sind zu sehen, Siege und Niederlagen, in der Regenhölle von Barcelona, im strahlenden Sonnenschein von Monza.

Formel 1 1994 Michael Schumacher Benetton-Ford Weltmeister

Jüngster F1-Weltmeister 1994 mit Benetton

Immer wieder jedoch steht der Mensch Michael Schumacher im Vordergrund. Die knallharte Präzisionsmaschine hinterm Lenkrad weicht dem emotionsgeladenen Typen, der bei einer Pressekonferenz in Tränen ausbricht, der seine Frau offensichtlich liebt, dessen Kinder ihm das Wertvollste sind.

Am Ende ist es ein Film, der nichts Neues erzählt, bei dem ganz genau darauf geachtet wird, nicht zu weit in die behütete Privatsphäre einzudringen. Ein Film, der sich mit schönen und spektakulären Bildern vor einer Rennfahrerlegende verbeugt - und ein Film, der Respekt zeigt für einen Mann, der seit fast acht Jahren aus der Öffentlichkeit verschwunden ist, weil er durch ein tragisches Unglück aus dem aktiven Leben gekegelt worden ist. Etwas weniger dramatische und bittersüße Musik hätte dem Film allerdings gut getan.

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