Mevlüt Cavusoglu: Syrien-Offensive der Türkei könnte ausgeweitet werden | Aktuell Europa | DW | 24.01.2018
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Türkischer Kampf gegen Kurden

Mevlüt Cavusoglu: Syrien-Offensive der Türkei könnte ausgeweitet werden

260 Tote: Das ist die offizielle Bilanz des türkischen Einmarschs in Nordsyrien. Der Außenminister kündigt weitere Angriffe an. Tausende Menschen sind auf der Flucht. Das Telefon im Präsidentenpalast bleibt nicht still.

Syrien Türkische Offensive in Nordsyrien nahe Afrin (Foto: Reuters/K. Ashawi)

Kämpfer der Freien Syrischen Armee unterstützen die türkischen Streitkräfte

Geht es nach den Worten des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu, könnte die Offensive gegen kurdische Milizen im Norden Syriens ausgeweitet werden. Im Visier seien die Stadt Manbidsch und Gebiete östlich des Euphrat. Nach Darstellung von Cavusoglu  greifen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) die Türkei von dort aus an. "Die Bedrohung kommt auch aus Manbidsch", sagte Cavusoglu in einem Interview mit dem französischen Fernsehsender France 24. "Derzeit ist Afrin das Ziel, aber in der Zukunft könnten wir eine Operation in Manbidsch und auch östlich des Euphrats beginnen", sagte der Außenminister weiter.

Der Einsatz des türkischen Militärs in Syrien ist international umstritten und für die USA brisant. Die YPG ist Verbündeter der US-geführten Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und wurde von den USA mit Waffen ausgerüstet - gegen den Widerstand Ankaras. Auf die Frage, ob die Offensive Widerspruch der USA hervorrufen könne, sagte Cavusoglu: "Ich muss mit niemandem übereinstimmen. Unsere Verpflichtung ist es, jede Bedrohung der Türkei zu beseitigen."

Frankreich Außenminister-Treffen gegen Straffreiheit für Einsatz von Chemiewaffen | Rex Tillerson, USA (Reuters/P. Wojazer)

Bei dem Treffen gegen Straffreiheit für Einsatz von Chemiewaffen: US-Außenminister Rex Tillerson in Paris

Standleitung nach Ankara

Wie ein Vertreter der US-Regierung in Washington mitteilte, werde US-Präsident Donald Trump an diesem Mittwoch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefonieren. Demnach werde Trump Erdogan vermutlich über das Unbehagen der US-Regierung über die türkische Offensive informieren. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu bestätigte Außenminister Cavusoglu, Trump habe um das Telefonat gebeten. Cavusoglu war am Dienstagabend am Rande einer Konferenz in Paris mit US-Außenminister Rex Tillerson zusammengekommen. US-Verteidigungsminister Jim Mattis rief die Türkei unterdessen zur "Zurückhaltung" auf. Die Gewalt in Afrin störe eine bislang "relativ stabile Gegend in Syrien", sagte Mattis.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich in einem Telefonat mit Erdogan besorgt über den Militäreinsatz . Macron habe an die Notwendigkeit erinnert, gegen den IS und "alle anwesenden Dschihadisten-Kräfte" zu kämpfen, teilte der Pariser Élyséepalast mit. Zudem müssten "die notwendigen humanitären Bedingungen für die Zivilbevölkerung" sichergestellt und schließlich die Bedingungen für eine dauerhafte politische Lösung im Bürgerkriegsland Syrien begünstigt werden, hieß es in der Mitteilung aus Paris weiter.

5000 Menschen auf der Flucht

Die am Samstag gestartete Militäroffensive namens "Operation Olivenzweig" richtet sich gegen die kurdische Miliz YPG, die die Region Afrin unter ihrer Kontrolle hat. Ankara betrachtet sie als syrischen Zweig der PKK und daher als Terrororganisation. Wie der türkische Generalstab mitteilte wurden seit Beginn der Offensive gegen die Kurdenmiliz mindestens 260 "Angehörige von Terrororganisationen" "neutralisiert". Auch mehrere türkische Soldaten kamen nach Armeeangaben ums Leben. Eine Bestätigung der YPG lag nicht vor. Nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind bei der Offensive bislang 23 Zivilisten getötet worden. 

Die Armee betonte, die Operation richte sich ausschließlich gegen Terroristen. Man unternehme alle Anstrengungen, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind seit dem Wochenende 5000 Menschen geflüchtet. Die schwächsten der Betroffenen hätten allerdings zurückbleiben müssen, hieß es in einem veröffentlichten UN-Bericht, der sich auf Quellen vor Ort stützt. Demnach steht die Organisation bereit, in der Region Afrin 50.000 Menschen zu versorgen. Sollte es Fluchtbewegungen in Gebiete geben, die von der syrischen Regierung kontrolliert würden, gebe es Vorräte für weitere 30.000 Menschen.

Die türkische Regierung will mit der Militäroffensive in Afrin gegen die YPG und die von ihr dominierten Syrischen Demokratischen Streitkräfte vorgehen.

sam/stu (AFP, dpa, rtr)