Metallarbeiter streiken für 28-Stunden-Woche | Aktuell Deutschland | DW | 08.01.2018
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Metallindustrie

Metallarbeiter streiken für 28-Stunden-Woche

Im Tarifkonflikt der deutschen Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall eine erste große Warnstreikwelle gestartet. Die Arbeitgeber lehnen vor allem die Forderung nach befristeten Arbeitszeitverkürzungen ab.

Arbeiter vor den Toren der Firma Kirchhoff Witte im sauerländischen Iserlohn(picture-alliance/dpa/G. Kirchner)

Arbeiter vor den Toren der Firma Kirchhoff Witte im sauerländischen Iserlohn

Die Tarifparteien der deutschen Metall- und Elektroindustrie stehen sich bislang unversöhnlich gegenüber. Das ist der Moment, in dem die Gewerkschaft zu Warnstreiks aufruft: Den Auftakt machte in der Nacht ein Werk des Automobil-Zulieferers Kirchoff in Nordrhein-Westfalen - dessen Chef leitet in NRW die Verhandlungen der Arbeitgeber. Auch Mitarbeiter von Firmen im fränkischen Aschaffenburg und im westfälischen Iserlohn legten die Arbeit für kurze Zeit nieder. Am Vormittag ließen mehr als 3.000 Beschäftigte des Autobauers Porsche nach Angaben der Gewerkschaft in Stuttgart für rund eine Stunde die Arbeit ruhen. Damit wurde Porsche schon zum zweiten Mal Ziel von Warnstreiks. 

Außer in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen gab es außerdem in Hessen, Berlin, Brandenburg und Niedersachsen kleine und größere Warnstreiks. Zudem rief die Gewerkschaft Beschäftigte in Sachsen und Thüringen zu kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen auf.

Die IG Metall will die Warnstreiks in der Woche noch ausweiten. Ab Dienstag sind etwa auch in Bayern größere Ausstände geplant. Die Gewerkschaft droht neben stundenweisen Arbeitsniederlegungen zudem erstmals auch ganztägige Warnstreiks an. Diese würden die Unternehmen angesichts der eng getakteten Lieferketten und der brummenden Konjunktur empfindlich treffen.

"Wenn sich am Donnerstag am Verhandlungstisch nichts tut, dann werden die Arbeitgeber schnell spüren, wie sauer ihre Belegschaften sind", wurde Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück zitiert. Nicht die Arbeitgeber hätten die hohen Gewinne erwirtschaftet, sondern die Beschäftigten. 

Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Geld und für alle 3,9 Millionen Beschäftigten die Option, ihre Arbeitszeit befristet auf 28 Wochenstunden absenken zu können. Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder sowie pflegende Familienangehörige sollen zusätzlich einen Teillohnausgleich erhalten, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren. 

Besonders die letzte Forderung wird von den Arbeitgebern scharf abgelehnt und als illegal bezeichnet, weil daraus Ungleichbehandlungen gegenüber Mitarbeitern entstünden, die jetzt schon ohne Ausgleich in Teilzeit arbeiten. Sie haben bislang Lohnzuwächse von zwei Prozent plus einer Einmalzahlung angeboten und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten nach oben verlangt. 

Verhandlungen am Donnerstag

Die ersten Streiks finden nun noch vor dem Beginn der dritten Verhandlungsrunde statt. Möglich werden sie, weil Ende vergangenen Jahres die Friedenspflicht in der Branche mit ihren etwa 3,9 Millionen Beschäftigten ausgelaufen war.

Die nächsten Verhandlungen am kommenden Donnerstag finden im Tarifbezirk Baden-Württemberg statt. Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa sagte der "Leipziger Volkszeitung": "Unsere Forderungen sind wirtschaftlich sinnvoll, bezahlbar und die richtigen Antworten auf eine moderne Arbeitswelt." Die Wirtschaft brumme, die Auftragsbücher seien voll, die Prognosen für 2018 seien gut.

Die Arbeitgeber warnten die Gewerkschaft vor überzogenen Protesten und forderten eine Lösung am Verhandlungstisch. "Wir sind nach wie vor zu vernünftigen Gesprächen bereit", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie NRW, Luitwin Mallmann.

stu/ar/as (afp, dpa)
 

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