Messe Boot 2018: Immer größer, immer teurer | Wirtschaft | DW | 19.01.2018
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Wassersport

Messe Boot 2018: Immer größer, immer teurer

Das scheint der Trend auf der Messe "Boot 2018" in Düsseldorf zu sein. Doch der Schein trügt: Auch bei kleineren Booten boomt das Geschäft - und am Ende könnten Käufer gebrauchter Modelle am meisten profitieren.

Das Spektakel der Bootsmesse in Düsseldorf beginnt in jedem Jahr schon Wochen, bevor die eigenen Angaben nach "größte Wassersportmesse der Welt" ihre Pforten öffnet. Und zwar, wenn die größten Ausstellungsstücke "ausgewassert" werden, sie also aus dem Wasser gehoben und auf einen Lastwagen verladen werden, der das Boot in die Messehallen bringt. Das gibt immer spektakuläre Bilder, die sich Pressefotografen und Kameraleute nicht entgehen lassen.

In diesem Jahr ist ein Boot aus England der Star: die "Princess 35M" (Artikelbild). Das edle Teil misst 35,15 Meter, ist das größte und mit 170 Tonnen Gewicht auch das schwerste Boot, das in diesem Jahr ausgestellt wird. Das Wichtigste vorweg: Das Luxusboot kostet 7,9 Millionen Euro. Aber dafür bekommt man auch ein "Sonnendeck mit Whirlpool und marmorierte Badezimmer mit goldenen Wasserhähnen", wie ein lokales Boulevard-Blatt mit Sinn fürs klassische Luxusyacht-Klischee schon vor Ausstellungsbeginn recherchiert hatte.

Die Branche hat viel Wasser unterm Kiel

Die Wassersportmesse wendet sich beileibe nicht nur an Freizeitkapitäne: Vom Stehpaddler bis zum Taucher findet jeder, der seine Freizeit auf oder unter Wasser verbringen will, hier ein Angebot. Doch die Segel- und Motorboote stehen im Mittelpunkt. Mit ihnen werden die größten Umsätze gemacht, sie liefern die saftigsten Geschichten und die schönsten Bilder.

Düsseldorf - Bootmesse 2017 (Messe Düsseldorf/ctillmann)

Die "Boot 2017": Einen ähnlich starken Besucherandrang erwarten die Veranstalter auch in diesem Jahr.

2018 nähert sich die Zahl der Aussteller der 2000er Marke, sie kommen laut Messeangaben aus 68 Ländern in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt. Die Veranstalter rechnen mit einem ähnlichen Publikumsinteresse wie in den Vorjahren; es werden rund 250.000 Besucher erwartet.

Auch in diesem Jahr stehen die Zeichen auf Wachstum. Bereits in den vergangenen zwölf Monaten hatten die im Bundesverband Wassersportwirtschaft organisierten Betriebe ihren Umsatz auf mehr als zwei Milliarden Euro steigern können. Für 2017 rechnet Verbands-Geschäftsführer Jürgen Tracht mit einem Umsatzplus von rund vier Prozent.

Maritime Klassengesellschaft

Dafür sind nicht nur die Luxusboote der Marke "Princess 35M" verantwortlich - der Markt floriert in allen Segmenten. Bei Freizeitbooten kann man grob zwischen drei Klassen unterscheiden: Da sind einmal die Kleinkreuzer. Das sind oft trailerbare Boote, die der Freizeitskipper, wenn er ein entsprechend leistungsfähiges Auto mit Anhängerkupplung hat, von einem Revier ins andere transportieren kann. Diese Boote sind in der Regel zwischen fünf und acht Meter lang und bieten erstaunlich viel Raum und Komfort unter Deck.

Zwischen diesen und den fotogenen Großbooten gibt es die Mittelklasse des Segelsports: Yachten von um die zehn Meter Länge. In diesem Marktsegment ist in den letzten Jahren ein Wandel erkennbar, denn auch hier geht der Trend in Richtung "immer größer und teurer". Waren diese Boote bis vor etwa zehn Jahren noch häufig kürzer als 30 Fuß (etwa zehn Meter), sind sie nun eher länger - und auch teurer.

Düsseldorf - Bootmesse 2017 (Messe Düsseldorf/ctillmann)

Nicht nur für Freizeit-Skipper: Die "Boot" bietet für jeden etwas, der auf oder unter Wasser Sport treibt.

Die Mittelklasse ist nicht dem Untergang geweiht

Diese Zehn-Meter-Klasse ist eine Einsteiger-Klasse. Wobei die Angabe "zehn Meter" nur als Anhaltspunkt zu verstehen ist, die tatsächliche Länge dieser Boote liegt im Bereich von neun bis etwa elf Metern. Eine sowohl technisch wie sportlich beherrschbare Größe für den, der sich entweder mehr nicht leisten kann oder der vielleicht nur ausprobieren möchte, ob der Segelsport wirklich etwas für ihn ist.

Jan Kuffel, leitender Redakteur des technischen Segelmagazins "Palstek", beobachtet den Markt seit Jahren und meint, das Angebot sei inzwischen "breiter gefächert". Auch die Großserienproduzenten seien nun in den Bereich der maritimen Oberklasse vorgestoßen. Der kostengünstige Serienbau habe dazu geführt, dass die Preise hier eher gesunken seien: "Niemand muss heute für ein 60-Fuß-Schiff eine Million bezahlen, die gibt es heute schon für die Hälfte."

Auf der anderen Seite gäbe es aber durchaus noch Werften, die sich dem Trend zum "immer größer" verweigerten, so Kuffel. Im Bereich der Mittelklasse sieht er noch Entwicklungen und Neuerungen, die auch auf der Boot 2018 zu sehen seien. Allerdings werde sich dieser Markt verändern: Weg vom Neuboot- hin zum Gebrauchtbootkauf. Bei den hohen Preisen für ein neues Schiff "wären Einsteiger ja verrückt, wenn sie sich ein werftneues Boot kauften. Die gibt es heute gebraucht viel günstiger".

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Boom: Bootsmesse in London

Kapriolen am Gebrauchtbootmarkt

Wenn Gebrauchtboote billiger werden, freut das Käufer, Verkäufer kann das aber fast zur Verzweiflung treiben. Hans-Peter Oepen aus dem rheinischen Pulheim hat nach Jahrzehnten den Segelsport aus Altersgründen aufgegeben. Er wollte sein 30-Fuß-Boot aus belgischem Großserienbau verkaufen und hatte erwartet, etwa 15.000 bis 18.000 Euro dafür zu bekommen.

Doch als er jetzt nach mehr als zwei Jahren vergeblichen Bemühens endlich einen Käufer gefunden hatte, wies er alle Glückwünsche, dass er das Boot losgeworden war, verbittert zurück. Gerade einmal 8000 Euro will der Käufer zahlen. Oepen hatte das Boot 2003 ebenfalls gebraucht gekauft und 38.000 Euro bezahlt.

Nun fühlt er sich "als Verkäufer geradezu erpresst". Für "alles mögliche" habe der Käufer, als er gemerkt hatte, dass Oepen das Boot unbedingt verkaufen wollte, noch um einen Preisnachlass gefeilscht. Der Ärger ist verständlich, wenn man sein Boot kennt: Das dreißig Jahre alte Schätzchen sieht nicht nur gut aus, es ist liebevoll gepflegt und gut in Schuss.

Über solche Preiskapriolen auf dem Gebrauchtbootmarkt staunt auch Jan Kuffel. Er höre seit einiger Zeit immer wieder "von Leuten, die ein Acht-Meter-Boot für 5000 Euro 'geschossen' haben. Das ist verrückt, wo doch allein ein Satz Segel für das Boot schon genauso viel kostet." Allerdings sieht er auch Positives in dieser Entwicklung: Segeleinsteiger könnten günstig wie lange nicht an ein eigenes Boot kommen. Kuffel jedenfalls erkennt "eine Dynamik, dass wieder mehr Leute auf eigenem Kiel aufs Wasser kommen".

 

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