Mesale Tolus Mann darf Türkei verlassen | Aktuell Europa | DW | 16.10.2018
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Türkei

Mesale Tolus Mann darf Türkei verlassen

Ein Istanbuler Gericht hob die Ausreisesperre gegen Suat Corlu auf. Seine Frau, die 33-jährige Journalistin und Übersetzerin, zeigte sich erleichtert: "Wir haben jetzt unsere Freiheit erlangt" - aber nur vorläufig.

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Journalistin Mesale Tolu im DW-Interview

Der Prozess wegen Terrorvorwürfen gegen die deutsche Journalistin Mesale Tolu und ihren Ehemann Suat Corlu ist auf den 10. Januar vertagt worden. Die Ausreisesperre gegen Corlu wurde aufgehoben. Dem Paar werden Verbindungen zur linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) vorgeworfen, die in der Türkei als Terrororganisation gilt. 

Tolu zeigte sich in einer ersten Reaktion erleichtert: "Das bedeutet für meine Familie, dass sie endlich wieder zusammenkommen kann." Ihr dreijähriger Sohn könne nun endlich seinen Vater sehen.

Gemeinsam mit ihrem Mann war die 33-Jährige im Gerichtssaal in Istanbul erschienen. Corlu, der türkischer Staatsbürger ist, durfte das Land - anders als seine Ehefrau und der dreijährige Sohn - bisher nicht verlassen. Tolu war eigens nach Istanbul zurückgekehrt, um am Prozess teilzunehmen.

 "Selbst für Freispruch einsetzen"

Noch vor dem Richterentscheid hatte sie erklärt: "Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mich selbst für meinen Freispruch einsetzen will. Die Leute, die heute hier sind, leben ja auch mit diesem Risiko. Ich will auch an der Seite meines Manns sein und für die Aufhebung seiner Ausreisesperre vor Gericht stehen." Neben Tolu und Corlu sind in dem Verfahren 21 weitere Menschen angeklagt.

Tolu geht allerdings davon aus, dass sie verurteilt wird. "Ich denke, es wird auf eine Haftstrafe hinauslaufen", sagte sie vor der Verhandlung im rbb-Inforadio. Der deutsche Generalkonsul Michael Reiffenstuel und die Grünen-Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp nahmen als Beobachter an dem Prozess teil. "Formal gesehen ist es ein rechtsstaatliches Verfahren, aber wir kennen ja die Verhältnisse in der Justiz, und da habe ich persönlich große Bedenken", sagte Stumpp. Mit ihrer Präsenz wolle sie Unterstützung für die Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei zeigen.

Seit August wieder in Deutschland

Tolu hatte in Istanbul für die linke Nachrichtenagentur Etha gearbeitet. Für die angebliche Mitgliedschaft in der MLKP drohen ihr bis zu 20 Jahre Haft. Wegen der Anschuldigungen saß sie mehr als sieben Monate in Untersuchungshaft. Im Dezember 2017 kam Tolu zwar frei, sie war aber bis Ende August mit einem Ausreiseverbot belegt. Insgesamt wurde sie in der Türkei etwa 16 Monate festgehalten.

Ihr Fall hatte die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland belastet, ebenso wie die Inhaftierungen des Journalisten Deniz Yücel und des Menschenrechtlers Peter Steudtner. Nach offiziellen Angaben sitzen immer noch fünf Deutsche aus politischen Gründen in der Türkei in Haft.

Ba/stu (dpa, afp)

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