Meisterregisseur aus Österreich: Michael Haneke ist 75 | Filme | DW | 22.03.2017
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Filme

Meisterregisseur aus Österreich: Michael Haneke ist 75

Goldene Palmen und ein Oscar, Golden Globes, Europäische und Deutsche Filmpreise. Kaum ein Regisseur dürfte mehr Auszeichnungen für seine Filme erhalten haben. Michael Haneke ist jetzt schon eine Regielegende.

Die große Karriere war nicht abzusehen. Dass einer, der als Fernseh-Dramaturg bei einer deutschen Fernsehanstalt angefangen und dort ein paar TV-Filme inszeniert hat, irgendwann einmal zu den ganz wenigen Regisseuren gehören sollte, die zwei Goldene Palmen in Cannes gewinnen, hätte wohl niemand vorauszusagen gewagt. Und dann kam auch noch ein Oscar. Und Golden Globes. Und Europäische Filmpreise fast im Dutzend.

Michael Haneke kann sich vor Ehrungen in den letzten Jahren kaum retten. Erst als Kinoregisseur habe er aber zu seinem ganz eigenen Stil gefunden, hat Haneke einmal selbst seine "zweite Karriere" charakterisiert. Seit 1989 inszeniert er für die große Leinwand.

Mit elf Filmen im Kino-Olymp

Galerie - Isabelle Huppert 60. Geburtstag (Getty Images)

Haneke mit Isabelle Huppert 2012 in Cannes

Elf Filme hat er seither gedreht. Wer seinen Erstlingsfilm "Der siebente Kontinent" damals gesehen hat, der dürfte den Film kaum vergessen haben. Mit einer schonungslosen Intensität, die kaum erträglich ist, hat der Österreicher sein Debüt auf die Leinwand gemeißelt: Eine Familie, die wissentlich in den Selbstmord geht - das geht beim Sehen an die Nieren eines jeden Zuschauers.

Auch die folgenden Filme waren von einer unterkühlten Intensität, messerscharf in der Analyse, fast mitleidslos den eigenen Protagonisten gegenüber. Michael Haneke erzählt seine Geschichten auf der Leinwand wie auf dem Seziertisch eines Pathologen. "Es ist die Wahrheit, schaut her", scheint er seinen Zuschauern zuzurufen, "Das Leben ist nun einmal so, wie ich es zeige". Ablenkung und Weltenflucht, das ist nicht die Sache des Michael Haneke, glatte Oberflächen nicht sein Ding.

Auch in den USA hat der Österreicher schon gearbeitet

Umso erstaunlicher, dass Haneke für die Neuverfilmung seines Films "Funny Games" 2007 nach Hollywood ging und das Remake selbst inszenierte. Doch der Meister ließ sich vorher zusichern, dass er auch in den USA den "Final Cut" haben würde. Einem Haneke redet keiner rein - das war für den Regisseur auch in den Vereinigten Staaten erste Voraussetzung für die dortige Arbeit. Und doch gehörte "Funny Games U.S." dann nicht zu seinen stärksten Arbeiten.

Regisseur Michael Haneke in Beverly Hills (Reuters)

Der Regisseur 2013 in Los Angeles nach der Oscarübergabe für "Liebe"

Doch Haneke konnte das sicher verschmerzen, einen Oscar haben die Amerikaner ihm später immerhin noch verliehen. Für die berückende Geschichte um zwei alte Menschen, die ein Leben lang zusammen waren und die nun ahnen, dass irgendwann Schluss ist mit dem Leben, erhielt er 2013 die goldene Statuette: "Liebe" mit Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva war der bisher letzte Film des österreichischen Regisseurs mit deutschen Wurzeln.

Triumph mit Gesellschaftsanalyse

Drei Jahre zuvor feierte seine filmische Analyse der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in dem Film "Das weiße Band" große Erfolge bei Festivals, Preisverleihungen und in den Kinos.

Haneke gehört heute zum kleinen, feinen Kreis derjenigen Regisseure, die zweimal in Cannes triumphieren konnten, und zwei Goldene Palmen zu Hause stehen haben. Sicher wird er stolz sein auf diese weltweite Anerkennung, die all die Auszeichnungen symbolisieren, doch darf man vermuten, dass es diesem Regisseur nicht um goldene oder silberne Figuren für den Vitrinenschrank geht.

Bildergalerie Europäischer Filmpreis 2012 (picture-alliance/dpa)

Mit seinen "Liebe"-Darstellern Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant

Haneke ist ein Intellektueller mit analytischem und scharfem Geist, der sich wahrscheinlich mehr über die Begeisterung eines anspruchsvollen Publikums in den Kinosälen freuen wird als über ein Defilee auf dem roten Teppich.

Haneke thematisiert Flüchtlingstragödie

Sein neuester Film "Happy End", der hoffentlich nicht einen Abschied vom Regiestuhl andeutet, kommt im Übrigen im Oktober in Deutschland (12.10.) und Frankreich (18.10.) fernab jeglicher Festivalaktivitäten in die Lichtspielhäuser. Mit dabei sind die bewährten Haneke-Schauspieler Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant sowie erstmals Mathieu Kassovitz. Erzählt wird die Geschichte eines Paares, das im nordfranzösischen Calais wohnt und sich mit der dortigen Flüchtlingstragödie auseinandersetzen muss.

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