Mein Großvater, der Mörder | Top-Thema – Podcast | DW | 04.10.2013
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Top-Thema – Podcast

Mein Großvater, der Mörder

Jennifer Teege ist ein Adoptivkind mit dunkler Hautfarbe. Lange Zeit wusste sie wenig über ihre Familie. Erst mit 38 Jahren entdeckte sie zufällig, dass ihr Großvater Kommandant eines Konzentrationslagers war.‎

Die Geschichte der über vierzigjährigen, dunkelhäutigen Frau ist schwer zu glauben. Jennifer Teege hat herausgefunden, dass ihr Großvater ein berüchtigter NS-Verbrecher war. Amon Göth war der Kommandant des Konzentrationslagers Plaszów bei Krakau. Dieser Mann, ihr Großvater, ist heute noch weltweit bekannt durch den Film „Schindlers Liste“.

Im Film gibt es eine besonders schreckliche Szene: Vom Balkon seiner Villa in Plaszów erschießt Amon Göth Häftlinge – ohne besonderen Grund. Göth galt schon damals als sadistischer NS-Mörder. 1946 wurde er als Kriegsverbrecher in Polen gehängt.

Seine Enkelin, Jennifer Teege, kam als kleines Kind in eine Pflegefamilie. Sie wusste lange Zeit nicht viel von ihrer Familiengeschichte. Ihr leiblicher Vater kommt aus Nigeria. Ihre leibliche Mutter ist Deutsche. Anfangs besuchten ihre Mutter und ihre Großmutter sie noch, doch irgendwann hatten sie keinen Kontakt mehr. Erst mit 38 Jahren findet sie zufällig ein Buch mit einem Bild ihrer Mutter. Es handelt von dem KZ-Kommandanten Amon Göth und seiner Tochter Monika, ihrer Mutter.

Anschließend sammelte Jennifer Teege viele Informationen über ihre Familiengeschichte. Mit einer Journalistin schrieb sie ein Buch mit dem drastischen Titel: „Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen.“ Sie beschreibt darin die Geschichte von ihrer Suche nach Identität. Ihr ganzes Leben hatte sie Depressionen, heute fühlt sie sich sehr gut, erzählt sie: „Herkunft ist grundlegend für die eigene Identität. Und jeder Mensch braucht das Gefühl für die eigene Identität.“ Jetzt will Jennifer Teege auch nach Nigeria fahren, um die Heimat ihres Vaters kennenzulernen.


Glossar

Adoptivkind
, -er (n.) – ein Kind, das von einer anderen Familie als eigenes Kind angenommen wurde

Kommandant/in, -en/-innen (m./f.) – die Person, die die Befehle gibt und eine Gruppe leitet

Konzentrationslager, - (n.) – ein Lager, in dem die Nationalsozialisten sehr viele Menschen gefangen hielten und ermordeten (Abkürzung: KZ)

dunkelhäutig – so, dass jemand eine dunkle Hautfarbe hat

berüchtigt – in der Öffentlichkeitbekannt wegen schlechter Eigenschaften oder Taten

NS – Abkürzung für: Nationalsozialismus; hier: die Diktatur Hitlers (1933 – 1945)

Szene, -n (f.) – hier: der Abschnitt eines Films

jemanden erschießen – jemanden mit einer Pistole oder einem Gewehr töten

Häftling, - (m.) – die Person, die in einem Gefängnis oder Lager festgehalten wird

gelten als – als etwas angesehen werden

sadistisch – hier: besonders grausam; so dass man Freude oder Lust fühlt, wenn man anderen Schmerzen verursacht

Kriegsverbrecher, - (m.) – die Person, die im Krieg Verbrechen an vielen Menschen begeht

jemanden hängen – jemanden (meist als Strafe) töten, indem er am Hals aufgehängt wird

Pflegefamilie, -n (f.) – die Familie, die fremde Kinder aufnimmt

leibliche/r Mutter/Vater – die/der genetische Mutter/Vater

drastisch – sehr deutlich und direkt

Identität, -en (f.) – hier: das, was jemand ist

Depression, -en (f.) – eine Krankheit, bei der man längere Zeit mutlos und traurig ist

Herkunft (f., nur Singular) – der Bereich (Kultur, Familie, Land), aus dem jemand kommt

grundlegend für etwas – so dass etwas die Basis für etwas ist


Fragen zum Text

1. Warum kann man kaum glauben, dass Amon Göth der Großvater von Jennifer Teege ist?

a) Weil sie keinen Kontakt mehr zu ihrer leiblichen Großmutter hatte.
b) Weil NS-Verbrecher wie ihr Großvater dunkelhäutige Menschen verfolgt und ermordet haben.
c) Weil ihr sadistischer Großvater heute noch weltweit durch einen Film bekannt ist.

2. Als Kind lebte Jennifer Teege nicht bei ihrer leiblichen Mutter, sondern ...
a) bei ihrer Großmutter in Deutschland.
b) in Nigeria bei ihrem leiblichen Vater.
c) als Adoptivkind in einer Pflegefamilie.

3. Was hat Jennifer Teege dabei geholfen, dass es ihr heute oft besser geht?
a) Sie weiß mehr darüber, wo sie herkommt und wer sie ist.
b) Sie hat sehr viel mit ihrer leiblichen Mutter über ihre Familiengeschichte gesprochen.
c) Sie hat sich entschieden, nicht mehr über ihre Herkunft nachzudenken.

4. Welches Pronomen ist richtig? Jennifer Teege suchte nach vielen Informationen über … Großvater.
a) ihren
b) seine
c) ihrer

5. Welches Pronomen ist richtig? Sie schreibt in dem Buch auch über die Suche nach … Identität.
a) ihren
b) ihrem
c) ihrer


Arbeitsauftrag
Wie wichtig ist die Herkunft für die Identität eines Menschen? Wie wichtig ist sie für euch persönlich? Sprecht in der Lerngruppe darüber – vielleicht mit einem Beispiel aus der eigenen Familiengeschichte.

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