Mein erster Karneval - eine Amerikanerin in Köln | DW Reise | DW | 01.03.2019
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Reise

Mein erster Karneval - eine Amerikanerin in Köln

DW-Reporterin Hallie Rawlinson ist neu in Deutschland und fest entschlossen, das Land kennenzulernen. Diesmal auf ihrer To-Do-Liste: Straßenkarneval in Köln.

Es gibt Menschen, die warten sehnsüchtig auf Weihnachten, Ostern oder ihren Geburtstag. Bei mir war es immer Halloween. Ich liebe es, mich zu kostümieren: je verrückter, desto besser. Und da war ich ganz enttäuscht, als ich feststellen musste, dass Halloween in Deutschland keine große Sache ist.

Aber dann hörte ich vom Straßenkarneval im Rheinland. Offensichtlich ein Ort in Deutschland, wo Menschen durchgeknallte Kostüme gut finden und sie mit Stolz und Spaß präsentieren. Für mich war klar, da musste ich hin...

Auf nach Köln

Verkleidete Jecken vor dem Kölner Dom

Der Kölner Dom - auch eine schöne Kulisse für einen Tag voller Fröhlichkeit

Ich wählte Köln, wo die größte Karnevalsparty Deutschlands steigt. Weiberfastnacht ist der Tag, an dem der Straßenkarneval eröffnet wird und Tausende kostümierte Menschen in den Straßen von Köln unterwegs sind. Da wollte ich dabei sein. Nur was zieht man zu einer Straßenparty im Winter an? So viel steht fest, meine Halloween-Fummel bleiben im Schrank, mein Auftritt als leicht bekleidete Miss Liberty muss ausfallen. Ich will nicht frieren! Also entscheide mich für was Warmes, Kuscheliges, auch wenn ich damit riskiere - sollte es regnen -, wie ein nasser Waschlappen auszusehen. Ich will als Elefant gehen.

Du bist nicht allein

Schnell wird klar: Mein Ganzkörperkostüm eignet sich für alle Lebenslagen. Besonders gut für die frühen Morgenstunden. Also die Zeit BEVOR die Sonne aufgeht und sanft wärmt. Denn um wie ein echter Kölner zu feiern - und das will ich -, muss ich um 7.30 Uhr morgens bereit sein. Kein Scherz! Das hat zur Folge, dass ich vor lauter Aufregung schon lange vor der Sonne aufwache. Um punkt 7.30 Uhr bin ich ein startklarer Elefant.

Reporterin Hallie Rawlinson beim Karneval in Köln

Reporterin Hallie Rawlinson, umzingelt von einer 80er-Jahre-Punker-Gang

Raus aus dem Hotelfahrstuhl, rein in die Lobby - aufgeregt und nervös. Würde ich der einzige Dumbo sein? Hat sich jemand mit mir einen Scherz erlaubt? Ich bin vorbereitet auf dieses unangenehme Gefühl, die einzige auf einem Ball zu sein, die die falschen Klamotten anhat. Meine Sorgen erweisen sich schnell als unbegründet. Auf meinem Weg zur Innenstadt, wo auf dem Alten Markt um 11.11 Uhr der Straßenkarneval mit einer riesigen Open-Air-Party eröffnet werden soll, treffe ich auf Piraten, eine ganze Air-Force-Brigade, sogar auf eine Horde Zahnfeen. Hier bin ich richtig! Das sind wahre Gleichgesinnte.

Drei Frauen haben sich als Gemälde verkleidet

Kreative Kostüme: einmal als Meisterwerk der Kunst durchgehen

Immer der Meute nach

Gut gelaunt folge ich den Piraten und Zahnfeen durch den Hauptbahnhof in Richtung Alter Markt. Am Bahnhofsvorplatz entdecke ich Kölner in Paradeuniformen mit Dreispitz. Sie scheinen sich vor dem Bahnhof zu versammeln. Ich bin schnell umzingelt von blauen, grünen, roten Uniformen und mache begeistert Fotos. Dann eine laute Trillerpfeife. Und schon bin ich mittendrin in einem Umzug.

Ich kann nicht anders, im Takt der Trommeln marschiere ich mit. Ein zotteliger Elefant neben all diesen schick gekleideten Herren. Schon ein bisschen schräg. Aber wunderbar. Von Motorrad-Polizisten eskortiert, ziehen wir an feiernden Jecken vorbei.  Ich bin einfach nur glücklich. Niemand regt sich über den Elefanten auf, der so gar nicht ins Bild passt. Im Gegenteil, die Leute scheinen sich zu amüsieren und mich anzufeuern.

Leute drängen sich beim Straßenkarneval auf dem Alten Markt

An verschiedenen Verkleidungen herrscht beim Straßenkarneval kein Mangel

Ein Elefant auf Abwegen

Und so marschiere ich mit, weiter und weiter. Ich weiß schon längst nicht mehr, wo wir sind. Da stoppt die Parade vor einem Hotel am Alter Markt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch willkommen bin, da wird mir ein Kölsch gereicht, das typische Kölner Bier, alle rufen laut "Kölle Alaaf!" - und ich stimme ein.

Traditionelle Parade in Uniform

Mittendrin in der Parade: schmucke Uniformen in Reih und Glied

Bevor ich nach Köln fuhr, hatte ich ein bisschen recherchiert. Ich weiß also, dass es ein Dreigestirn gibt. Drei Männer, die als Bauer, Jungfrau und Prinz während des ganzen Karnevals vom 11.11., 11.11 Uhr bis Aschermittwoch Hof halten. Sie führen Paraden an, stehen auf Bühnen vor schunkelnden Menschenmassen, werden mit reichlich Kölsch und Küsschen bedacht, die im Karneval Bützchen heißen. Diese drei eröffnen auf dem Alter Markt den Straßenkarneval. Pünktlich um 11.11 Uhr.

Mein neues Motto

Gerade als mir aufgeht, dass ich diesen Moment wohl verpassen würde, weil ich den netten Herren in Uniform hinterhergetrottet war, stelle ich fest, dass ich wider Erwarten mitten in der Eröffnungszeremonie gelandet bin. Vor mir das Dreigestirn auf der Bühne, feierlich begrüßen sie "ihr Volk". Und jedes Mal, wenn einer der drei das Wort ergreift, wird ein Karnevalslied angestimmt, das Volk singt und schunkelt.

Die Karnevalsprinzen eröffnen den Karneval mit Gesang

Gekrönte Häupter: Hofstaat im Karneval

Ich singe mit, so gut ich kann, und strahle den Mann neben mir an: Er trägt Frauenkleider mit zwei langen Ringelschwänzchen, die das Wort "So schön" formen. Das also ist der Kölner Karneval. Ich bin ein kleines bisschen stolz auf mich: Ich bin dabei! Und einen Tipp habe ich auch schon, sowohl für den Karneval als auch für das Leben: immer der Parade nach!

Diesem Motto folge ich den Rest des Tages durch die Straßen von Köln. Ich treffe so viele freundlich-liebenswerte Fremde in den phantasievollsten Kostümen, die mein Anfänger-Deutsch einfach weglachen und mit mir feiern. Ich fühle mich in Köln willkommen. Und getröstet. Ich muss Halloween nicht mehr nachtrauern. Ich habe hier in Deutschland Ersatz gefunden: Karneval. In diesem Sinne: Kölle Alaaf!

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