Mehrere Raketen schlagen in Kabul ein | Aktuell Nahost | DW | 21.08.2018
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Afghanistan

Mehrere Raketen schlagen in Kabul ein

Am Wochenende hatte Afghanistans Präsident Ghani den Taliban eine neue Waffenruhe angeboten. Einen Tag später entführten die Extremisten fast 200 Bus-Passagiere. Und jetzt gehen Raketen auf die Hauptstadt nieder.

Afghanistan Raketenangriff auf Kabul (Reuters/M. Ismail)

Rauch steigt nach den Raketeneinschlägen in Kabul auf

Die Raketen schlugen am Morgen unweit des Diplomatenviertels in Kabul ein. Einige Geschosse seien in der Nähe des Präsidentenpalastes und von Botschaftsgebäuden niedergegangen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Mindestens zwei Menschen wurden verletzt. Laut dem Sprecher hatten "Terroristen" ein Gebäude im Stadtviertel Reka Chana besetzt und von dort aus die Raketen abgefeuert.

Sicherheitskräfte sperrten afghanischen Medienberichten zufolge die Gegend ab und lieferten sich gut drei Stunden lang intensive Kämpfe mit den Aufständischen, die sich in der Nähe der Idgah-Moschee verschanzt hatten. Auch Kampfhubschrauber kamen zum Einsatz. Bislang hat keine Gruppe die Verantwortung für den Anschlag übernommen.

Afghanistan Raketenangriff auf Kabul (Reuters/M. Ismail)

Rauch steigt nach den Raketeneinschlägen in Kabul auf

Dieser ereignete sich, während Präsident Aschraf Ghani eine Rede zu Beginn des Opferfestes Eis al-Adha hielt. Der Raketeneinschlag war bei der Fernsehübertragung der Rede live zu hören. Ghani unterbrach seine Rede kurz und sagte: "Wenn sie denken, dass der Raketenangriff die Afghanen klein hält, dann liegen sie falsch."

Extremisten entführen drei Busse

Präsident Ghani hatte den radikalislamischen Taliban erst am Sonntag eine drei Monate lange Waffenruhe angeboten. Das Angebot gilt seit Montag. Die afghanischen Sicherheitskräfte würden diese jedoch nur einhalten, wenn auch die Taliban zustimmten, hieß es.

Am Montag hatten Taliban-Kämpfer verschiedenen Angaben zufolge jedoch bis zu 200 Bus-Passagiere in ihre Gewalt gebracht. Sie waren in drei Bussen von der Provinz Takhar auf der Fahrt in die Hauptstadt Kabul, als sie von den Extremisten überfallen wurden. Mehr als 150 Zivilisten wurden nach einem Tag Geiselhaft inzwischen freigelassen, teilten die örtlichen Behörden mit. Mindestens 20 Polizisten und Soldaten würden aber noch festgehalten. Sie sollen an einen unbekannten Ort verschleppt worden sein, hieß es.

Zwei Taliban-Kommandeure bestätigten die Freilassung. "Wir wollten der Regierung eine klare Botschaft schicken, dass wir viele Angriffe starten und sie auf jeder Ebene besiegen können", sagte einer der Kommandeure.

Taliban lehnen Waffenruhe ab

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, erklärten zwei Taliban-Kommandeutre zudem, ihr Anführer, Haibatullah Achundsada, habe das Angebot einer dreimonatigen Waffenruhe abgelehnt, weil es nur der von den USA geführten Mission helfe.

"Unsere Führung glaubt, dass sie ihren Aufenthalt in Afghanistan verlängern werden, wenn wir jetzt einen Waffenstillstand ankündigen", sagte ein hochrangiger Taliban-Kommandant, der es ablehnte, identifiziert zu werden.

Die Taliban kämpfen seit Jahren gegen die vom Westen unterstützte Regierung in Kabul. Die Extremisten kontrollieren laut Militärangaben knapp 14 Prozent des Landes, weitere 30 Prozent sind umkämpft. Die Aufständischen haben ihre Angriffe in den vergangenen Wochen noch einmal intensiviert. Vergangene Woche überfielen sie die östliche Provinzhauptstadt Gasni und nahmen für mehrere Tage Teile der Stadt ein.

rk/fab (rtre, ap, afp, dpa, epd)

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