Mehr globale Krisen, mehr deutsche Hilfe | Politik | DW | 05.11.2018
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Humanitäre Hilfe

Mehr globale Krisen, mehr deutsche Hilfe

1,8 Milliarden Euro für humanitäre Hilfsprojekte allein im vergangenen Jahr - damit hat sich Deutschland zum weltweit zweitgrößten Geber entwickelt. Details nennt ein noch zu beschließender Regierungsbericht.

Entwicklungsminister Gerd Müller im Irak (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller unterhält sich im irakischen Erbil mit aus Deutschland zurückgekehrten Flüchtlingskindern

Humanitäre Hilfe wird immer notwendiger. Dieser Trend lässt sich aus einem Regierungsbericht über humanitäre Hilfe im Ausland 2014 bis 2017 ablesen, den das Kabinett am Mittwoch beschließen will. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) unterstützte Deutschland in den Jahren 2014 bis 2017 ausländische Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen und der Rotkreuz-Bewegung mit knapp vier Milliarden Euro. Allein 2017 stellte Berlin 1,8 Milliarden Euro für humanitäre Hilfsprojekte bereit.

Beim Dachverband der entwicklungspolitischen und humanitären Nichtregierungsorganisationen VENRO hält sich der Jubel trotzdem in Grenzen: "Natürlich knallen keine Sektkorken", sagt VENRO-Vorstandsvorsitzende Bernd Bornhorst MISEREOR im Gespräch mit der DW. Die gestiegenen Mittel seien zwar "Ausdruck des großen Engagements der Bundesregierung, aber leider auch Ausdruck davon, dass die Hilfe immer notwendiger wird in einer Welt, in der wir mit einer wachsenden Zahl von Katastrophen konfrontiert sind."

Syrienkrise und Afrika im Fokus

Weil der Bundestag angesichts des wachsenden Bedarfs "kontinuierlich mehr Mittel zur Verfügung stellte, konnte Deutschland seine humanitäre Hilfe gegenüber dem vorherigen Berichtszeitraum 2010 bis 2013 mehr als verdreifachen", zitiert die FAZ aus dem Regierungsbericht. Im Mittelpunkt standen die Syrienkrise und der Hunger in Afrika. Besonders stark seien die Ausgaben 2016 und 2017 gestiegen, also nach der massenhaften Flucht aus dem vom Bürgerkrieg zerstörten Syrien.

Südsudan Hunger Symbolbild (Getty Images/AFP/A. Gonzales Farran)

Die Hunger-Krisen in Afrika sind oft nicht allein mit Geld zu lösen

Stellte die Regierung 2014 noch 416 Millionen Euro zur Verfügung, war es 2017 mit 1,76 Milliarden Euro mehr als viermal so viel. Profitieren konnten auch internationale Organisationen. 

Viele kleine, vergessene Krisen

Angesichts dieser Entwicklung spricht sich VENRO-Vorsitzender Bornhorst für eine nachhaltigere Entwicklungspolitik aus. "Wir fordern von der Bundesregierung immer wieder, dass die Ausgaben und Zusagen verstetigt werden." Im Fall von aktuellen Krisen, über die in den Medien prominent berichtet werde, würde man sich zwar relativ schnell in Geberkonferenzen zusammensetzen und Mittel bereitstellen. Daneben gebe es aber "viele kleine, vergessene und trotzdem schlimme Katastrophen, für die dann Hilfsgelder fehlen." 

Syrien Damaskus - Rote Kreuz hilft bei der evakuierung von Zivilisten aus Ghouta (Imago/Xinhua/A. Safarjalani)

Die Bundesregierung unterstützt auch ds Rote Kreuz, beziehungsweise den Roten Halbmond im Nahen Osten

Eine Erkenntnis, die offenbar im politischen Berlin inzwischen geteilt wird. Nach der Beschlussvorlage haben zwei Trends die humanitäre Versorgung der vergangenen Jahre bestimmt. Einerseits hat sich die Lücke zwischen dem wachsenden Bedarf und der verfügbaren Hilfe geweitet. Zum anderen hätten sich Art und Ausmaß von Naturkatastrophen und bewaffneten Auseinandersetzungen verschlimmert: "Humanitäre Notlagen ziehen sich inzwischen über Jahre oder gar Jahrzehnte hin."

Hilfsgelder kein Allheilmittel

Angesichts schwerwiegender Krisen wie in Syrien und andauernden Notlagen in afrikanischen Staaten, warnen Experten allerdings davor, die bilaterale humanitäre Unterstützung als Allheilmittel zu betrachten. "In diesen Fällen sieht man die Grenzen der humanitären Hilfe", erklärt VENRO-Chef Bornhorst. Das eigentliche Problem seien mangelnde politische Lösungen. "Humanitäre Hilfe darf nicht zum Krückstock für fehlende politische Lösungsansätze werden. Notwendig sind politische Aktionen und das ist eine Frage der Außenpolitik," so Bornhorst.

Deutschland hilft nicht aus reinem Eigeninteresse. Vor dem Hintergrund von Terrorismus und Bürgerkriegen in vielen Ländern und den daraus resultierenden Flüchtlingsbewegungen sieht die Bundesregierung die humanitäre Hilfe auch als Methode an, um Sicherheit und Stabilität hierzulande zu gewährleisten. Für die Exportnation Deutschland ist außerdem eine stabile Weltwirtschaft äußerst wichtig. Es nützt also auch der Bundesrepublik, wenn in Afrika oder Asien Krisen verhindert werden.

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