Mehr Fußgänger in der Stadt erwünscht | Aktuell Deutschland | DW | 11.10.2018
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Strategie für lebenswerte Städte

Mehr Fußgänger in der Stadt erwünscht

Die Deutschen sollen deutlich mehr zu Fuß gehen. Das will das Umweltbundesamt erreichen. Breitere Gehwege, kürzere Wartezeiten an Ampeln und flächendeckend Tempo 30 in Städten, sollen die Bundesbürger motivieren.

Die Realität sieht heutzutage oftmals anders aus. Vielfach würden Fußgänger in den Städten an den Rand gedrängt - zugunsten des Autoverkehrs, kritisiert das Umweltbundesamt (UBA) in seiner Fußverkehrsstrategie, die auf dem zweiten deutschen Fußverkehrskongress in Berlin offiziell vorgestellt wird. Schlechte und zugeparkte Gehwege mit hohen Bordsteinen, dunkle Unterführungen und Stolperfallen behinderten das Fortkommen  zu Fuß.

Fußgänger als "Restgröße" in der "autogerechten Stadt"

Mehr Fußgänger, weniger Autos, so will das Umweltbundesamt Deutschlands Städte lebenswerter machen und das Klima schonen. Die Zahl der Wege, die jeder Bürger zu Fuß zurücklegt, soll bis 2030 um die Hälfte steigen, wünscht sich das UBA.

"Wer zu Fuß geht, tut Gutes für seine Gesundheit, spart Geld und schont die Umwelt", heißt es in dem Papier mit dem Titel "Geht doch!". Nach der 55-seitigen Untersuchung liegt aus Fußgängersicht vieles im Argen: "Städtebauliche Leitbilder der vergangenen Jahrzehnte - wie insbesondere die autogerechte Stadt - haben den Fußverkehr im Straßenbild weitgehend als Restgröße an den Rand gedrängt." Fußgänger müssten vielfach Umwege, Wartezeiten, Lärm und Abgase in Kauf nehmen.

Jede zehnte Autofahrt kürzer als ein Kilometer

Zu Fuß zu gehen, sei in vielen Städten zeitraubend und umständlich. "Fußgängerinnen und Fußgänger sind die blinden Flecken der Verkehrspolitik", sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Fußwegeanteile gingen deshalb seit vielen Jahren stetig zurück.

Das Amt will den Trend drehen: Legten Städter heute 27 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurück, solle der Anteil bis 2030 auf 41 Prozent steigen. Auf dem Land streben die Autoren eine Steigerung von 23 auf 35 Prozent an. Nach Studien sei jede zehnte Autofahrt kürzer als ein Kilometer, und auf Strecken von einigen Hundert Metern sei man zu Fuß von Tür zu Tür häufig am schnellsten.

Neues Planungskriterium - "Fußläufige Erreichbarkeit"

Nach der Strategie des Umweltbundesamtes sollen 2,50 Meter breite Gehwege, mehr Zebrastreifen und höhere Bußgelder für Falschparker mehr Platz für Fußgänger bringen - zulasten des Autoverkehrs. In den Verwaltungen soll es feste Zuständigkeiten für den Fußverkehr geben. "Fußläufige Erreichbarkeit" soll als Entwurfs- oder Erschließungskriterium im Baugesetzbuch, in Planwerken und Richtlinien verankert werden.

Die Studie "Geht doch! Grundzüge einer bundesweiten Fußverkehrsstrategie", hat das Deutsche Institut für Urbanistik im Auftrag des UBA verfasst.

qu/AR (dpa)

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