Mehr als der Pudding an der Wand | Publikationen | DW | 16.08.2018
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Q | QUALITÄTSJOURNALISMUS (Weltzeit 2|2018)

Mehr als der Pudding an der Wand

Was heißt Qualitätsjournalismus heute? Diese Frage zog sich durch viele Diskussionen auf dem GMF. Welche Anforderungen bringt die Digitalisierung? Findet Qualität auch künftig die Aufmerksamkeit des Publikums?

Qualität im Journalismus definieren zu wollen gleicht nach einem Bonmot von Stephan Ruß-Mohl „dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln“. Zu unterschiedlich seien die Wünsche an Journalismus, als dass man von einheitlichen Qualitätsstandards reden könnte, bemängelte der Medienwissenschaftler bereits vor einem Vierteljahrhundert. Was damals galt, gilt heute umso mehr. Denn was haben ein hyper-boulevardeskes Portal wie Buzzfeed und die „alten Tanten“ FAZ oder BBC gemein? Und was eint Soziale Netze wie Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat, aus denen immer mehr Menschen ihre Informationen beziehen, mit den traditionellen Sendern und Verlagen? Die Digitalisierung hat unsere tradierten Vorstellungen von Qualität über den Haufen geworfen, denn die Menschen haben heute andere Ansprüche an die Medien als noch vor wenigen Jahren und verändern damit die Anforderungen an uns Journalisten.

Sind also alle journalistischen Feedbackrunden nutzlose Puddingnagelrunden? Nein, so einfach sollte man nicht aufgeben: Immerhin stolpert jede Volontärin und jeder Journalismus-Student über den Qualitätsbegriff. Die Lehrbuch-Kriterien dafür lauten: Wahrhaftigkeit, Sorgfalt bei der Recherche, Sachlichkeit bei der Berichterstattung, Unparteilichkeit im Konfliktfall, Argumentation statt Meinungsmache sowie Ausgewogenheit, Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit.

Im Redaktionsalltag wird das in einige goldene Regeln übersetzt, beispielsweise die Zwei-Quellen-Regel, das Vier-Augen-Prinzip, das „Audiatur et altera pars“-Prinzip („Höre auch auf die Gegenmeinung“) sowie die strikte Trennung von Fakten und Meinung. Journalismus ist somit ein Handwerk, bei dem die genannten Regeln die Leitplanken bilden und fachliche Expertise sowie Kreativität die Grundlagen.

Kommentarbild Muno Martin

Martin Muno, Nachrichten, Leitung Startseite Deutsch

Doch neben Handwerk, Expertise und Kreativität gibt es weitere Voraussetzungen für qualitativ hochwertigen Journalismus: Nach einer Definition des Medienwissenschaftlers Winfried Göpfert zeichnet sich ein publizistisches Produkt „durch eine besonders hohe Qualität aus, wenn es das vorgegebene Kommunikationsziel in möglichst kurzer Zeit bei möglichst vielen Rezipienten erreicht, wenn die Rezeption mit Spaß verbunden ist und wenn der im Sinne des Kommunikationsziels erwünschte Effekt möglichst langanhaltend ist“.

„Sich Gehör verschaffen im kakofonischen Informationslärm.“

Um das zu erreichen, muss sich jede Journalistin und jeder Journalist, ebenso jedes Medienunternehmen über das „vorgegebene Ziel“ und die Zielgruppe im Klaren sein. Für die DW ist dieses Ziel unter anderem im Leitbild festgelegt. Um die Wünsche der Zielgruppe zu erfahren, stehen zumindest im digitalen Journalismus zahlreiche Werkzeuge zur Verfügung, um Nutzung, Verweildauer, Scrollverhalten und Ähnliches zu analysieren. Das bedeutet nicht, sich einem Quotendruck auszuliefern, sondern heißt vielmehr, die Bedürfnisse der Nutzer im Blick zu behalten, sie ernst zu nehmen. 

Dieser Beitrag stammt aus dem DW-Magazin Weltzeit 2|2018 Ich beneide Sie um diese Welt der Vielfalt

Dieser Beitrag stammt aus dem DW-Magazin Weltzeit 2|2018 "Ich beneide Sie um diese Welt der Vielfalt"

„Anspruchsvoller Journalismus bedeutet heute nicht mehr allein: die exzellente Recherche, der starke Artikel, das ganz besondere Angebot“, beschrieb der damalige FAZ-Digitalchef Mathias Müller von Blumencron die Herausforderung, um fortzufahren: „Anspruchsvoller Journalismus muss sich vor allem auch Gehör verschaffen im kakofonischen Informationslärm der neuen Meinungswelt. Nur so wird es den klassischen Medien gelingen, neue Leser zu gewinnen und die alten zu halten.“

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