Mehr als 30 Tote bei Bombenanschlägen in Kabul und der Provinz Ghasni | Aktuell Asien | DW | 24.10.2020
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Afghanistan

Mehr als 30 Tote bei Bombenanschlägen in Kabul und der Provinz Ghasni

Ungeachtet aller Friedensgespräche versuchen afghanische Extremisten, mit blutiger Gewalt ihre Macht zu sichern. Ausbildungswillige junge Menschen und Busfahrgäste zählen diesmal zu den Opfern.

Ein bei dem Anschlag in Kabul verletzter junger Mann wird in ein Krankenhaus eingeliefert (Foto: Mohammad Ismail/Reuters)

Ein bei dem Anschlag in Kabul verletzter junger Mann wird in ein Krankenhaus eingeliefert

Bei einem Selbstmordanschlag sind in der afghanischen Hauptstadt Kabul viele Schülerinnen und Schüler getötet worden. Mindestens 24 Menschen seien gestorben und fast 60 verletzt worden, teilte das Innenministerium mit. Der Attentäter, der sich Zugang zu einem Ausbildungszentrum im westlichen Stadtteil Dascht-e Bartschi verschaffen wollte, sei von Sicherheitskräften entdeckt worden. Daraufhin habe sich der Mann in einer Gasse in die Luft gesprengt und dabei viele junge Menschen mit in den Tod gerissen. Die Terrormiliz IS übernahm inzwischen die Verantwortung für das Bombenattentat.

Khalilzad sieht Friedensprozess in Gefahr

Bei einem weiteren Bombenanschlag in der Provinz Ghasni starben neun Zivilisten. Ein Sprecher der regionalen Polizeibehörde machte ausdrücklich die Taliban für den Anschlag verantwortlich. Demnach explodierte eine Straßenbombe genau in dem Moment, als ein Omnibus vorbeifuhr.

Trotz der Friedensgespräche, die die Islamisten und die afghanische Regierung derzeit in Kabul führen, hat die Gewalt in Afghanistan zuletzt wieder erheblich zugenommen. Die Taliban nutzen Anschläge als Druckmittel in den Verhandlungen. Der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, warnte erst in dieser Woche vor einer Gefährdung des Friedensprozesses durch die Gewalt.

Experten begutachten nach dem Bombenanschlag die Schäden an dem Ausbildungszentrum in Kabul (Foto: Rahmatullah Alizadah/Xinhua/picture-alliance)

Experten begutachten nach dem Bombenanschlag die Schäden an dem Ausbildungszentrum in Kabul

Im Kabuler Stadtteil Dascht-e Bartschi, der mehrheitlich von Schiiten bewohnt wird, hat der "Islamische Staat" schon häufiger Anschläge verübt. Die sunnitischen Extremisten bekämpfen Schiiten als Abtrünnige. Im März verübte der IS zwei Anschläge im Westen der Hauptstadt mit zahlreichen Toten, Ziel waren neben Schiiten auch Anhänger der Sikh-Religion. Bei einem Anschlag auf eine Geburtsstation im Mai töteten Unbekannte viele Mütter mit ihren neugeborenen Kindern. Die USA machten auch dafür den IS verantwortlich.

Amnesty: "Täglich werden Zivilisten abgeschlachtet"

Am Freitag meldete Amnesty International, dass allein in der vergangenen Woche in Afghanistan mindestens 50 Menschen bei Angriffen getötet worden seien. Die Menschenrechtsorganisation beschuldigte die Konfliktparteien, die Zivilbevölkerung nicht ausreichend zu schützen. "Die Welt muss sich aufrichten und zur Kenntnis nehmen: Täglich werden afghanische Zivilisten abgeschlachtet", sagte Omar Waraich, der Südasien-Koordinator der Menschenrechtsorganisation. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, den Schutz der Zivilbevölkerung "zu einer Kernforderung für ihre Unterstützung des Friedensprozesses zu machen".

Verwandte tragen den Sarg eines der Opfer des Bombenanschlags in der afghanischen Provinz Ghasni (Foto: Str/AFP)

Verwandte tragen den Sarg eines der Opfer des Bombenanschlags in der afghanischen Provinz Ghasni

Kritik hatte es in dieser Woche auch an den afghanischen Behörden gegeben, nachdem am Mittwoch bei einem Luftangriff der Armee in der nordöstlichen Provinz Tachar elf Kinder getötet worden waren. Die Regierung in Kabul wies die Kritik zurück und erklärte, alle Getöteten seien Taliban-Kämpfer gewesen.

sti/uh (afp, dpa, rtr)

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