Mario Götze: 62 Minuten bis zur Erlösung | Sport | DW | 19.09.2018
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Formkrise des Ex-Weltmeisters

Mario Götze: 62 Minuten bis zur Erlösung

Mario Götze steht in Brügge nach drei Wochen der Nichtberücksichtigung wieder in der BVB-Startelf, bleibt aber alles schuldig. Außer den Beleg dafür, warum er bislang nicht zur ersten Wahl von Lucien Favre gehörte.

Es war an diesem Abend lange Zeit für keinen BVB-Spieler leicht, zu glänzen: Zu stark spielte der Gastgeber aus Brügge auf, insbesondere im ersten Durchgang. Die Belgier setzten Dortmund immer wieder mit aggressiver Zweikampfführung und blitzschnellen Angriffen über die Außen unter Druck. Immerhin: Der BVB hielt dieser rund 60 Minuten andauernden Druckphase der Gastgeber erfolgreich stand, was vor allem Keeper Roman Bürki und dem jungen Innenverteidiger-Duo Akanji/Diallo angerechnet werden muss.

Götze in einem Wort: desolat

In den Mannschaftsteilen davor zeigte das Team von Lucien Favre lange Zeit größtenteils Stückwerk. Der für Mo Dahoud in die Startelf gerückte Julian Weigl beispielsweise machte im ersten Durchgang zunächst nur mit einem groben Foul, für das er zu recht die Gelbe Karte sah, auf sich aufmerksam. Auch Kapitän Marco Reus hatte nur wenige starke Aktionen, doch immerhin war das etwas.

Ganz enttäuschend war jedoch die Leistung desjenigen, auf dem in den vergangenen Tagen und Wochen besonderes Augenmerk gelegen hatte: Mario Götze. Der Ex-Nationalspieler, in Brügge nach dem Pokalspiel in Fürth erstmals wieder von Beginn an aufgeboten, präsentierte sich an diesem Abend in desolater Verfassung. Nicht nur, dass es Götze an Tempo und Spritzigkeit fehlte - der Weltmeister von 2014 wirkte größtenteils schlicht überfordert, mitunter gar irritiert. Ein Auftritt, der dem formschwachen Mittelfeld-Mann nichts außer Mitleid bescheren kann.

Als Erster ausgewechselt

In der 62. Minute beendete Favre Götzes Arbeitstag und wechselte seine Nummer zehn für Shinji Kagawa aus. Götze wirkte dabei weder überrascht, noch sauer oder enttäuscht, sondern schlichtweg resigniert. Das Spiel war am einstigen Top-Talent nahezu komplett vorbeigelaufen. Die einzigen notizwürdigen Aktionen des 26-Jährigen waren fast durchweg unglücklich. 

Champions League - Club Bruegge - BV Borussia Dortmund (Imago/DeFodi/A. Gottschalk)

Kein Schwung, kein Tempo, kein Durchkommen - Mario Götze blieb gegen Brügge blass

In der 21. Minute probierte es der WM-Final-Torschütze von 2014 zum ersten und einzigen Mal im Eins gegen Eins: Sein Antritt: pomadig. Sein Dribbling: uninspiriert bis nicht existent. In der 29. Minute dann ein Torschuss, der nicht mehr als eine statistische Bedeutung hatte. Götze selbst kratzte sich anschließend kurz an der Stirn - eine der wenigen Reaktionen an diesem Abend überhaupt. Eine Minute später suchte er im Strafraum Reus und fand ihn beinahe - Brügges Vanaken war aber mit dem Fuß und auch ein bisschen mit der Hand noch dazwischen. 

Gefühlt hatte Götze danach noch zwei Aktionen: In der 38. Minute probierte er einen Ball quer zu legen und fand damit erst das Nichts und dann den Gegner, eher in der 53. Minute die sportliche Offenbarung folgte, als er einen Ball über fünf Meter zu Reus schob und danach wie erstarrt stehen blieb. Es wirkte so, als bat Götze um Erlösung - ihm wollte einfach nichts gelingen. 

Keine individuelle Leistung

UEFA Champions League | Club Brügge vs. Borussia Dortmund | TOR Dortmund (picture-alliance/dpa/B. Thissen)

Christian Pulisic (l.) jubelt an seinem Geburtstag

Dass der eingewechselte Christian Pulisic an seinem 20. Geburtstag den späten Siegtreffer für den BVB erzielte, dürfte Lucien Favre gleich doppelt gefreut haben. Der Ex-Teenager ist einer der Konkurrenten, die es Götze in Zukunft schwer machen dürften, wieder öfter auf dem Platz zu stehen - zumindest, wenn seine Darbietungen auf dem Rasen nicht besser werden.

"Keine individuelle Leistung", sagte ein gereizt wirkender Favre nach dem Spiel auf die Frage nach Götzes Auftritt beim Sender "Sky". Der dem Deutschen nicht mutterspachlich mächtige Schweizer meinte damit, dass er an diesem Abend keine individuellen Leistungen seiner Spieler beurteilen wolle.

Tragischwerweise beschreiben diese drei Worte aber auch tatsächlich Götzes momentanes fußballerisches Vermögen. Das weiß auch Favre, und jeder konnte ahnen, warum der BVB-Coach an diesem Abend keine Einzelleistungen öffentlich kommentieren wollte.

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