Mario Balotelli und die Affenlaute | Sport | DW | 04.11.2019
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Rassismus im Fußball

Mario Balotelli und die Affenlaute

Wieder rassistische Anfeindungen gegen Mario Balotelli: Fans von Hellas Verona begleiten Aktionen des italienischen Stürmers mit Affenlauten - der reagiert gereizt und erhält viele Solidaritätsbekundungen im Netz.

Italien Fußball Mario Balotelli (picture-alliance/AP Photo/ANSA/S. Venezia)

Erneut Opfer von rassistischen Beleidigungen: Mario Balotelli (r.) beim Spiel in Verona

Wie umgehen mit rassistischen Anfeindungen im Fußballstadion? Diese Frage stellt sich insbesondere im italienischen Fußball nicht erst seit heute, sie wird jedoch immer lauter. Strafen für die Vereine? Stadionverbote für Fans? Spielabbruch? Die Fußballwelt diskutiert über nötige Maßnahmen, scheut aber meist drastische Schritte. Immerhin kündigte der italienische Fußballverband FIGC an, mittels Videobeweis Zuschauer zu identifizieren, die Spieler rassistisch beleidigen. In der Bundesliga wird das Videomaterial aus den Stadien schon jetzt im Bedarfsfall ausgewertet. Aber reicht die Überführung einzelner, wenn eine ganze Kurve Spieler beleidigt?

So geschehen beim Spiel der Serie A zwischen Brescia Calcio bei Hellas Verona (1:2) am Sonntag. Fans von Hellas Verona gaben mehrfach Affenlaute von sich, wenn Balotelli am Ball war, und beleidigten ihn mit rassistischen Rufen. In der 54. Minute stoppte Balotelli während eines Angriffs den Ball, nahm ihn in die Hände und schoss ihn in Richtung eines Fanblocks der Gastgeber. Anschließend wollte der 29-Jährige den Platz verlassen. Dass er es nicht tat, lag an seinen Teamkollegen. Gemeinsam mit Spielern von Verona überredeten sie Balotelli, weiterzuspielen. Verona gewann am Ende 2:1, Balotelli erzielte in der 85. Minute noch den Anschlusstreffer. Der kollektive Hass, der Balotelli von der Tribüne entgegenschlug, war bemerkenswert. Immerhin machte Balotelli 36 Länderspiele für Italien - ein Land, in dem er immer wieder beleidigt und verhöhnt wird.

"Wir haben nichts gehört"

Nach dem Abpfiff folgte die nächste Demütigung für Balotelli: Der Trainer von Hellas Verona, Ivan Juric, versuchte, das Verhalten der Fans zu leugnen, beziehungsweise herunterzuspielen. "Heute ist nichts passiert. Keine rassistischen Gesänge, überhaupt nichts", sagte er bei Sky Sport Italia: "Rassistischer Missbrauch stößt mich ab, ich werde ständig als dreckiger Zigeuner bezeichnet. Aber heute gab es nichts, nicht einmal ein bisschen, nichts. Etwas anderes zu sagen, ist eine Lüge." Und Hellas-Präsident Maurizio Setti sagte der Zeitung "La Stampa": "Wir haben nichts gehört, keinerlei Beleidigung gegen die Hautfarbe". Alles also nur ein Missverständnis? Mitnichten. Die "Uh-uh-uh-uh"-Rufe sind in diesem ESPN-Video deutlich zu hören:

Unterstützung erhielt Balotelli von seinem Verein sowie im Netz: In einer Presseerklärung beklagte Brescia Calcio das "unwürdige Verhalten" einiger Tifosi des Rivalen Hellas: "Brescia Calcio gibt seiner Empörung Ausdruck, dass sich heute noch Vorfälle dieser Art ereignen. Fußball gehört allen, und alle Spieler verdienen denselben Respekt." Viele Fans unterstützten Balotelli mit Tweets und Posts in den sozialen Netzwerken und auch Jérôme Boateng schrieb: "Nein zum Rassismus! Wir werden immer dagegen kämpfen." Balotelli bedankte sich für diese Solidarität: "Ihr habt gezeigt, dass ihr wahre Menschen seid und nicht wie jemand, der das Offensichtliche leugnet", schrieb Balotelli am späten Sonntagabend auf Instragram.

Italiens Sportminister kritisiert Hellas Verona

Am Montag schaltete sich auch die Politik ein: Italiens Sportminister Vincenzo Spadafora forderte von Verona eine klare Distanzierung. Den Bürgermeister der norditalienischen Stadt, der die rassistischen Chöre geleugnet haben soll, forderte er auf, sich die Filmaufnahmen noch einmal anzuschauen und sich von den Chören zu distanzieren. 

Der Vorfall von Verona ist nur der jüngste einer langen Reihe von Rassismus-Skandalen im italienischen Fußball. Allein Balotelli erlebte inzwischen wohl etliche Situationen, in denen er von Fans oder Spielern aufgrund seiner Hautfarbe beleidigt wurde. Geschehen ist dennoch bisher wenig, Sanktionen gab es bisher kaum. Der italienische Verband hatte zuletzt "Null Toleranz" bei rassistischen Beleidigungen angekündigt. Diesen Worten waren aber bislang keine nennenswerten Maßnahmen gefolgt. Vielleicht wird sich Mario Balotelli daher beim nächsten Mal nicht mehr überreden lassen, auf dem Platz zu bleiben. 

jw/asz (mit sid, dpa)

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