Mannheim stellt Deutschlands ersten Nachtbürgermeister ein | Deutschland | DW | 19.07.2018
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Nachtleben in Deutschland

Mannheim stellt Deutschlands ersten Nachtbürgermeister ein

Seit Donnerstagabend reiht sich Mannheim in die Liste europäischer Städte mit einem "night mayor" ein. Der Posten soll eine "Schnittstelle zwischen Nacht und Tag" sein. Und was heißt das genau?

Amsterdam, London, Mannheim. Was diese Metropolen gemeinsam haben? In allen drei Städten arbeitet ein sogenannter Nachtbürgermeister, oder "night mayor". Mannheim gehört seit Donnerstagabend zu dieser illustren Gruppe und hat mit Student Hendrik Meier (27 Jahre) den ersten "night mayor" Deutschlands.

Und warum braucht gerade die Universitätsstadt in Baden-Württemberg einen Nachtbürgermeister? "Wir sind eine Stadt, die schon sehr früh auf die Kultur- und Kreativwirtschaft gesetzt hat", erklärt Matthias Rauch, Leiter der Kulturellen Stadtentwicklung Mannheim, im DW-Gespräch. "Und in Mannheim ist die Nachtkultur ein wichtiger Aspekt der Stadtkultur. Wir machen das nicht, weil wir Probleme haben. Wir versuchen einfach, mögliche Konflikte schon im Vorfeld zu vermeiden."

Deutschland Erster Nachtbürgermeister in Mannheim - Hendrik Meier (picture-alliance/dpa/B. Spether)

Hendrik Meier hat die Wahl zu Mannheims Nachtbürgermeister gewonnen

Die wichtigste Aufgabe eines Nachtbürgermeisters: Die "Schnittstelle zwischen Nacht und Tag" sein, so Rauch. Das heißt im Klartext, der Stadt Impulse für neue Projekte im Nachtleben zu geben und dafür zu sorgen, dass sich alle wichtigen Akteure berücksichtigt fühlen. Anwohner, Sicherheits- und Ordnungskräfte wie Polizei, der öffentliche Nahverkehr sowie Stadt und Stadtverwaltung sollen durch den Nachtbürgermeister näher zusammengebracht werden.  

Die Stelle fällt in den Zuständigkeitsbereich der Stadt-Tochter "Start-up Mannheim", zu der auch Rauchs Kulturelle Stadtentwicklung gehört. Ein kleines Budget soll für den "night mayor" auch drin sein, wie viel Geld genau, steht aber noch nicht fest. Als Arbeitszeit sind zunächst 50 Stunden pro Monat veranschlagt.

Vorreiter Amsterdam

Mit dem Job von Mannheims "Tagbürgermeister", OB Peter Kurz von der SPD, ist der "night mayor" nicht zu vergleichen. Meier wird nicht Vollzeit in einem Büro im Rathaus sitzen und Gesetzesvorschläge ausarbeiten. Als Polizei-Ersatz soll er auch nicht fungieren: Außer Kontrolle geratene Feiernde zu bändigen, gehört immer noch zu den Aufgaben der Beamten.

Warum ein Nachtbürgermeister trotzdem wichtig ist, erklärte Mirik Milan, der seit 2012 Amsterdams "night mayor" ist, im Interview mit ze.tt, dem online Magazin des Zeit-Verlags: "Das Leben der Menschen verlagert sich immer stärker in die Nacht, denn hier kommt Kreativität zusammen und die Menschen sind weniger Zwängen ausgesetzt." 

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Auf Patrouille mit Amsterdams Nachtbürgermeister

Die Idee des Nachtbürgermeisters kommt aus Amsterdam. Pionier Milan hat es geschafft, die ursprünglich ehrenamtliche Stelle zu seinem richtigen Beruf zu machen. Für die Hälfte seines Gehalts kommt die Stadt auf, die andere Hälfte finanziert sich aus Spenden. Unter Milans Ägide wurde 2013 in zehn Bars und Clubs die in Amsterdam übliche Sperrstunde abgeschafft, sie dürfen jetzt rund um die Uhr geöffnet sein. Was erstmal nur nach einem Vorteil für die Betreiber und einem Nachteil für Anwohner klingt, stellt sich bei genauem Hinsehen als positive Änderung für beide Seiten heraus. "Es gibt weniger Lärm und Gewalt auf den Straßen, weil nicht alle gleichzeitig aus dem Club gehen", sagt Milan.

Mannheim - das New York Deutschlands?

Auch in Städten wie Toulouse, Zürich und Paris gibt es mittlerweile Nachtbürgermeister. Sogar New York City hat seit März 2018 einen "Senior Executive Director of the Office of Nightlife" - oder einfach "night mayor". Als oberste Chefin des New Yorker Nachtlebens ist die ehemalige Nachtclubbesitzerin Ariel Palitz für die Anwohner, Partygänger und Barbetreiber in der 8,6 Millionen-Einwohner-Metropole zuständig.

Ganz schön anstrengend. Mannheim hat zwar eine Innenstadt, durch die Straßen rechtwinklig wie in einem Gitter verlaufen, und könnte damit theoretisch Vorbild für die Stadtplanung Manhattans gewesen sein. Aber der Job des "night mayor" wird für Hendrik Meier hoffentlich etwas einfacher werden, als auf die Wünsche von ein paar Millionen New Yorkern einzugehen.

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