Malta lässt Flüchtlinge von ″Alan Kurdi″ an Land | Aktuell Europa | DW | 07.07.2019
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Seenotrettung

Malta lässt Flüchtlinge von "Alan Kurdi" an Land

Die erzwungene Irrfahrt für das deutsche Rettungsschiff ist zu Ende - und damit die Odyssee für 65 Migranten an Bord. Zuvor hatte Italien der "Alan Kurdi" die Rote Karte gezeigt.

Malta Hafen Valletta | Rettungsschiff Alan Kurdi | Flüchtlinge (Reuters/D. Zammit Lupi)

Migranten von der "Alan Kurdi"

Ein Boot der maltesischen Marine nahm die Migranten von der "Alan Kurdi" am Sonntagabend an Bord und brachte sie an Land. Die Menschen sollen nach Behördenangaben umgehend auf andere europäische Staaten verteilt werden. Hinter den Kulissen hatte es Gespräche mit der EU-Kommission und Deutschland gegeben. 

"Alan Kurdi" setzt Rettungseinsatz fort

Bundesinnenminister Horst Seehofer begrüßte die Entscheidung. Er sei "zufrieden, dass es gelungen ist, zügig eine Ausschiffung zu übernehmen", heißt es in einer Erklärung. Von den 65 Migranten der "Alan Kurdi" und 58 weiteren Flüchtlingen, die die maltesische Marine auf dem Mittelmeer geborgen hatte, sollten 94 Personen auf andere EU-Mitgliedstaaten verteilt werden. "Im Geiste der europäischen Solidarität habe ich angeboten, dass wir uns hieran mit bis zu 40 Personen beteiligen", so Seehofer.

Unterdessen setzte die "Alan Kurdi" ihren Rettungseinsatz im Mittelmeer fort. "Es geht weiter. Wir fahren die 'Alan Kurdi' direkt zurück ins Einsatzgebiet. Meine Crew will weiterretten", twittert Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler. Dank der schnellen Hilfe der Regierung von Malta sei man einsatzfähig. 

Kurswechsel nach Verbot

Ein maltesischer Armeesprecher hatte wenige Stunden zuvor noch erklärt, die "Alan Kurdi" erhalte keine Erlaubnis, in die eigenen Hoheitsgewässer einzudringen. Das Schiff der Organisation Sea-Eye hatte die Migranten am Freitag in internationalen Gewässern vor Libyen von einem Schlauchboot gerettet. Die "Alan Kurdi" hatte zunächst Kurs auf Lampedusa genommen, vor der italienischen Insel jedoch vergeblich auf eine Zufahrtgenehmigung gewartet. Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte ein entsprechendes Verbot bekräftigt.

Rettungsschiff Alan Kurdi (Reuters/sea-eye)

Die "Alan Kurdi" ist nach einem syrischen Flüchtlingskind benannt, das 2015 ertrank (Archivbild)

Daraufhin entschied die Besatzung des Rettungsschiffs, Malta anzusteuern. Kurz vor der Landegenehmigung der maltesischen Behörden hatte Sea-Eye noch getwittert, drei Personen an Bord benötigten dringend medizinische Hilfe.

Sarkastische Antwort aus Rom

Am Samstag hatte ein Schiff der italienischen Organisation Mediterranea gegen die Weisung der italienischen Behörden in Lampedusa angelegt. Die Crew der "Alex" hatte zuvor wegen schlechter Gesundheits- und Hygienebedingungen den Notstand an Bord erklärt. 41 Flüchtlinge, die die Besatzung aus dem Mittelmeer gerettet hatte, durften an Land gehen. Das Schiff wurde beschlagnahmt. Gegen den Kapitän wird wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt.

Italien Lampedusa | Rettungsschiff Alex Hafeneinfahrt ohne Erlaubnis (picture-alliance/AP Photo/Ansa/Elio Desiderio)

Trotz Verbots angelegt: das italienische Rettungsschiff "Alex" am Samstag in Lampedusa

Bundesinnenminister Seehofer hatte seinen italienischen Ressortkollegen aufgefordert, die Häfen für Flüchtlinge offiziell zu öffnen. "Wir können es nicht verantworten, dass Schiffe mit geretteten Menschen an Bord wochenlang im Mittelmeer treiben, weil sie keinen Hafen finden", schrieb Seehofer in einem Brief an Salvini. Dieser wies die Bitte brüsk zurück. Eher würde er die Migranten per Bus direkt in die deutsche Botschaft in Rom fahren lassen, sagte Salvini in einem im Internet verbreiteten Video.

Medienwirksame Aktionen gegen Seenotretter

Der Innenminister ist Chef der rechten Partei Lega, die in Italien zusammen mit der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung regiert. Salvini war mit dem Versprechen angetreten, die illegale Einwanderung nach Italien zu stoppen. Er konzentriert sich dabei vor allem auf medienwirksame Aktionen gegen private Rettungsschiffe - obwohl auf diesem Weg vergleichsweise wenige Migranten in das Land kommen.

jj/as/wa (dpa, afp)

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