Machtdemonstration für Serbiens Staatschef Vucic | Aktuell Europa | DW | 19.04.2019
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Belgrad

Machtdemonstration für Serbiens Staatschef Vucic

Zehntausende haben in Serbiens Hauptstadt Belgrad für Aleksandar Vucic demonstriert. Der Präsident selbst hatte dazu aufgerufen. Er reagierte damit auf monatelang anhaltende Kundgebungen der Opposition.

"Ich danke Ihnen, dass Sie uns, die wir ein würdiges, modernes Serbien wollen, mehr schätzen als jene, die es nur gefährden und zerstören wollen", sagte Vucic in Richtung der Zehntausenden Demonstranten, die für den Präsidenten in der Hauptstadt auf die Straße gingen.

Demonstranten aus den Nachbarländern

Hunderte Autobusse, die die Teilnehmer aus dem ganzen Land nach Belgrad gebracht hatten, säumten in mehreren Reihen einen kilometerlangen Boulevard im Stadtzentrum. Auch Menschen aus Bosnien, dem Kosovo, Kroatien, Nord-Mazedonien und Montenegro sollen an der Kundgebung teilgenommen haben. Regierungsnahe Medien sprachen von über 100.000 Demonstranten. Schätzungen von unabhängigen Beobachtern wurden bislang nicht veröffentlicht.

Serbien Kampagne von Präsident Aleksandar Vucic in Belgrad (Reuters/M. Djurica)

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic: Machtdemonstration gegen die Opposition

Oppositionsmedien berichteten allerdings, dass Städte und Regionen genaue Vorgaben erhalten haben sollen, wie viele Menschen sie für die Kundgebung des Präsidenten zu mobilisieren hatten. Nahezu alle Gemeindeverwaltungen in Serbien werden von der Vucic-Partei SNS kontrolliert.

Vom Nationalisten zum Liberalen

Die Opposition rief zu Gegendemonstrationen auf. Seit Dezember hatten Regimekritiker und oppositionelle Parteien wöchentlich gegen Präsident Vucics Politik demonstriert. Sie kritisieren die Einschränkung der Medienfreiheit unter Vucic und das von ihm geschürte Klima des Hasses gegen Oppositionelle und Andersdenkende. Sie werfen Vucic vor, das Land zunehmend autokratisch zu regieren. Die Opposition verlangt den Rücktritt des Präsidenten und Neuwahlen, legte aber bislang kein eigenes Programm vor.

Serbien Kampagne von Präsident Aleksandar Vucic in Belgrad (Reuters/M. Djurica)

Zehntausende in Belgrads Straßen: Zuverlässige Teilnehmerzahlen gibt es nicht

Zum Beginn seiner politischen Karriere fiel Vucic zunächst durch ultranationalistische Positonen auf. Mit der Zeit veränderte sich seine Politik hin zu einem liberaleren Kurs - in der Hoffnung, Serbien könne Mitglied der Europäischen Union werden. Die EU-Kommission kritisierte Serbien zuletzt aber wegen Einschränkungen der Pressefreiheit. Es habe Drohungen, Einschüchterungsversuche und Gewalt gegen Journalisten gegeben.

pgr/wa (dpa, afp)

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