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Frauen verdienen zu wenig

5. März 2010

Die EU-Kommission will die Einkommensunterschiede von etwa 18 Prozent verringern. Sie will die Kinderversorgung verbessern. Doch nicht alles ist so unfair, wie es scheint.

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Münzen auf einem Formular zur Verdienstabrechnung (Foto: picture alliance)
Frauen gehen meist in schlechter bezahlte BerufeBild: picture-alliance/Sven Simmon

In seiner Wirtschaftsstrategie 2020, die er vor wenigen Tagen vorstellte, hatte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso auch Ziele der Gleichbehandlung enthalten. Denn das Thema sei nicht nur eines der Gerechtigkeit, sondern auch ein ökonomisches, sagte Barroso jetzt bei einem gemeinsamen Auftritt mit Viviane Reding, der neuen Kommissarin für Justiz und Grundrechte. "Unser Wachstumspotential wird nicht erreicht, wenn es nicht alle einschließt. Frauen in Arbeit zu bringen, wird uns helfen, aus der Krise herauszukommen."

Bessere Qualifikation der Frauen nützt oft nichts

Eine Frau in einer Bibliothek bei der Buchauswahl (Foto: Christoph & friends)
Frauen haben oft die besseren Bildungsabschlüsse - und verdienen im Beruf doch weniger als MännerBild: Christoph & Friends

Das haben offenbar noch längst nicht alle erkannt. Jedenfalls hat die europäische Statistikbehörde Eurostat herausgefunden, dass im EU-Durchschnitt die Frauen immer noch 18 Prozent weniger verdienen als Männer. Und dieser Unterschied hat sich in den vergangenen 15 Jahren kaum verändert, obwohl die Frauen bei den Bildungsabschlüssen stark aufgeholt haben und heute meist besser abschneiden als Männer.

Woran also liegt das? Viviane Reding sagt, "es hat mit der Tatsache zu tun, dass Frauen nicht unbedingt die bestbezahlten Berufe wählen, und selbst wenn sie solche Berufe haben, dann darin nicht in die obersten Positionen kommen; dass Frauen aufhören zu arbeiten, wenn sie Kinder haben, und dass es keine Gleichheit zwischen Vätern und Müttern gibt, wenn es darum geht, sich um das Baby zu kümmern."

Ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit durch die Hintertür

Große Lohnabstände zwischen Männern und Frauen müssen nicht unbedingt große Ungerechtigkeit bedeuten. So sind die Unterschiede in Deutschland mit fast 24 Prozent auch deshalb groß, weil dort die Einkommen generell relativ hoch sind und die Teilzeitarbeit sehr verbreitet ist, für die sich besonders Frauen entscheiden. Reding betont, das müsse man strikt trennen von einer ungleichen Bezahlung für gleiche Arbeit. Die ist in der EU verboten, und dagegen kann man rechtlich vorgehen.

Doch die Kommissarin sieht Anhaltspunkte, dass manche Arbeitgeber für die gleiche Arbeit unterschiedliche Bezeichnungen wählen, um eine Rechtfertigung für unterschiedliche Bezahlung zu haben. Auch dagegen, wenn man es nachweisen kann, gibt es rechtliche Handhabe.

Schlüsselbereich Kinderbetreuung

Erzieherin mit Kindern (Foto: Bilderbox)
Auf die Betreuung kommt es anBild: Bilderbox

Reding glaubt, dass die Kommission und die Mitgliedsstaaten an sehr unterschiedlichen Stellen ansetzen müssen, um das Problem zu lösen. Einer der wichtigsten Bereiche sei die Kinderbetreuung, und zwar sowohl die zuhause als auch die professionelle. "In den nordischen Ländern, wo Väter sich mehr um ihre Kinder kümmern und wo die Kinderbetreuung sehr gut entwickelt ist, arbeiten die Frauen mehr. Das könnte ein Modell auch für andere Teile Europas sein."

Viviane Reding will in ihrer fünfjährigen Amtszeit die Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen deutlich verringert haben. Auf Zahlen wollte sie sich aber nicht festlegen.

Autor: Christoph Hasselbach
Redaktion: Fabian Schmidt