Luke Rowe: ″Egan Bernal ist ein geborener Leitwolf″ | Sport | DW | 15.07.2019
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Tour de France

Luke Rowe: "Egan Bernal ist ein geborener Leitwolf"

Luke Rowe ist einer der wertvollsten Helfer im Feld der Tour de France. Er ist oft im Bild, wird aber meist übersehen. Im DW-Interview spricht er über die Dominanz des Teams Ineos und die schnelle Reife von Egan Bernal.

Tour de France 2019 | Luke Rowe (picture-alliance/PRO SHOTS/G. Dewijzen)

Luke Rowe ist ein wichtiger Eckpfeiler des Teams Ineos

DW: Sie sind seit 2015 Teil der Mannschaft, die die Tour de France bestimmt. Nervt es sie manchmal, wenn sie hören, ihr Team sei zu dominant?

Luke Rowe: Von außen wirkt es manchmal, als sei unser Team dominant und dass wir das Rennen immer kontrollieren können. Aber Sie können sicher sein: Es gibt Momente, in denen sind wir nahe am Zusammenbruch. Und bei der Tour kannst Du in einer Sekunde alles verlieren. Ja, ich kann verstehen, dass manche Leute frustriert und genervt sind von unserer Fahrweise. Aber das ändert nichts an unserer Herangehensweise. Wir geben immer unser Bestes. Und wenn die Leute sagen, dass wir zu dominant sind, nehme ich das als Kompliment.

Jedes Jahr sehen wir Sie für viele Stunden an der Spitze des Feldes. Wie viel Arbeit steckt hinter dem Ansatz von Team Ineos, das Rennen zu kontrollieren?

Das Rennen zu kontrollieren, bedeutet viele Kilometer an der Spitze im Wind zu verbringen. Das heißt meist, man jagt den Ausreißern hinterher. Aber Du kannst das Rennen nur kontrollieren, wenn Du das Gelbe Trikot hast oder in einer Situation bist, es Dir bald zu holen. Und das ist nicht leicht. Wir sind zum Glück seit ein paar Jahren immer in dieser Situation - und das wissen wir sehr zu schätzen. Dafür lohnt es sich zu arbeiten.

"Jeder in unserem Team ist ersetzbar"

Was ist nötig, um Teil des Tour de France Teams von Team Ineos zu werden?

Das ist keine einfache Aufgabe. Du musst eine Menge arbeiten auf dem Rad, viele Kilometer fahren. Das Wichtigste ist, dass Du in Form kommen musst. Dafür gehen inzwischen immer mehr von uns ins Höhentrainingslager. Ich habe immer versucht, das zu vermeiden, denn zehn Tage in der Isolation der Berge sind nichts für mich. Aber irgendwie haben sie mich überzeugt, mitzufahren. Denn hinter mir wartet eine ganze Reihe starker Fahrer, auf die Chance, für Ineos zur Tour zu fahren. Jeder in unserem Team ist ersetzbar. Hier zu sein und zu unserem achtköpfigen Tour-Team zu gehören, ist eine Ehre.

Tour de France 2018 | Geraint Thomas und Luke Rowe (picture-alliance/Augenklick/Roth)

Zwei Waliser feierten 2018 den Toursieg: Kapitän und Sieger Geraint Thomas und sein Helfer Luke Rowe

Ihr junger Co-Kapitän Egan Bernal beeindruckt. Aber manche sagen, er sei noch zu jung und unerfahren für den Tour-Sieg. Was denken Sie?

Ja, er ist erst 22 Jahre alt. Aber das ist nur eine Zahl. Er ist reifer als sein Alter vermuten lässt. Und es geht doch eher darum, ob jemand bereit ist für seine Aufgabe. Er hat bereits drei WorldTour-Rundfahrten gewonnen: die Tour of California, Paris-Nizza und die Tour de Suisse. Paris-Nizza war der eindrucksvollste Sieg, denn dieses Rennen hatte alles: Ein Zeitfahren, Sprintetappen, Berge und auch Windkantensituationen - und Egan ist immer an der Spitze geblieben. Er ist ein geborener Leitwolf. Er hat die Aura, die Persönlichkeit und die Pit-Bull-Mentalität, die auch Chris Froome auszeichnet. Er ist der Typ, für den ich bis zur Ende der Welt fahre, für den ich alles gebe. Die Straße bis nach Paris wird zeigen, wozu Egan fähig ist.

Luke Rowe, geboren 1990 in Cardiff, wurde - wie so viele Fahrer der so erfolgreichen britischen Radsport-Generation - im Olympia-Entwicklungsprogramm des Vereinigten Königreichs ausgebildet. Nach Europameistertiteln auf der Bahn wurde er 2012 Teil der Sky-Mannschaft (heute Ineos). Sein größter Erfolg ist ein Etappensieg bei der Tour of Britain. Sehr viel beeindruckender ist aber der Fakt, dass er als Domestike mithalf, mit seinem Team die letzten vier Auflagen der Tour de France zu gewinnen. Als Helfer für seine Kapitäne Geraint Thomas und Egan Bernal ist es seine Aufgabe, das Rennen auf flachen und hügeligen Etappen zu kontrollieren.

Das Interview führte Joscha Weber.

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