Literaturnobelpreis: Sara Danius tritt zurück | Bücher | DW | 12.04.2018
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Krise um Literaturnobelpreis

Literaturnobelpreis: Sara Danius tritt zurück

Mit dem Rückzug der Ständigen Sekretärin und eines weiteren Mitglieds spitzt sich die Krise um die Schwedische Akademie weiter zu. Das Gremium ist nicht mehr beschlussfähig. König Carl XVI. Gustaf hat sich eingeschaltet.

Die Schwedische Akademie, die Jury für den Literaturnobelpreis, zerbricht nach ihrem Korruptions- und Belästigungsskandal mehr und mehr: Am Donnerstag trat die Ständige Sekretärin Sara Danius zurück. Sie gebe nicht nur den Vorsitz, sondern auch ihren Sitz in der Akademie auf, sagte Danius nach einer Sitzung des Gremiums schwedischen Journalisten. "Das war der Willen der Akademie, und nach diesem Willen richte ich mich." Die 56 Jahre alte Literaturwissenschaftlerin war 2015 zur Ständigen Sekretärin ernannt worden und damit die erste weibliche Vorsitzende des Gremiums, das den Literaturnobelpreisträger auswählt. Zuletzt war Danius wegen ihres Umgangs mit einem Belästigungs- und Korruptionsskandal in der Akademie stark kritisiert worden. Drei Mitglieder hatten ihre Arbeit niedergelegt, weil die Akademie keine ausreichenden, auch personellen Konsequenzen aus der Affäre habe ziehen wollen.

Auch Akademie-Mitglied Frostenson geht  

Ebenfalls am Donnerstag trat auch das umstrittene Mitglied Katarina Frostenson zurück, die mit ihrem Mann im Mittelpunkt des Skandals steht. Sie hatte jahrelang mit über Subventionen der Akademie für den Kulturverein ihres Mannes entschieden, ohne dass die anderen Mitglieder das wussten. Außerdem soll sie die Namen von sieben Nobelpreisträgern vorzeitig ausgeplaudert haben. Dem Mann warfen 18 Frauen im vergangenen Herbst sexuelle Belästigung vor. Sogar der schwedische König Carl XVI. Gustaf hatte sich in der Krise eingeschaltet und die Mitglieder der Akademie aufgefordert, ihrer Verantwortung für die ehrwürdige Kulturinstitution gerecht zu werden. Die Nobelpreisstiftung hatte gewarnt, der Skandal werde dem Ansehen aller Nobelpreise schaden.

Die Autorin Katarina Frostenson (Foto: picture-alliance/dpa/Scanpix Denmark/O.S. Gestsson)

Die Autorin Katarina Frostenson steht im Mittelpunkt der Turbulenzen bei der Schwedischen Akademie

Innere Zerwürfnisse werden Akademie zum Verhängnis

Die Schwedische Akademie vergibt seit 1901 alljährlich den Literaturnobelpreis. Die prestigeträchtige Institution steht bereits seit mehreren Monaten in der Kritik und ist auch in sich gespalten. Grund dafür waren vor allem die Vorwürfe gegen Frostensen. Nach dem Rückzug der drei Akademiemitglieder verfügt das Gremium nur noch über elf aktive Mitglieder. Zwei weitere hatten ihre Teilnahme an den Sitzungen bereits 1989 eingestellt, nachdem sich die Akademie weigerte, die Todesdrohungen gegenüber Salman Rushdie von Irans geistlichem Oberhaupt Ayatollah Khomeini zu verurteilen. 

Gemäß den Statuten können Akademie-Sitze derzeit nicht abgegeben oder nachbesetzt werden, da es sich um Mitglieder auf Lebenszeit handelt. Angesichts der Probleme, die daraus resultieren können, teilte der schwedische König kürzlich mit, die Statuten prüfen zu wollen, sodass Mitglieder ihren Sitz vorzeitig abgeben und vakante Plätze wieder besetzt werden können. 

sti/bb/kle (dpa, afp)

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