Literaturnobelpreis: Frühere Akademie-Vorsitzende Danius gestorben | Bücher | DW | 12.10.2019
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Schwedische Akademie

Literaturnobelpreis: Frühere Akademie-Vorsitzende Danius gestorben

Sara Danius war die erste Frau an der Spitze der Literaturnobelpreis-Jury. Nun ist die Literaturwissenschaftlerin im Alter von 57 Jahren verstorben.

"Alles, was sie tat, zeichnete sich durch eine seltene Stärke und Leuchtkraft aus", heißt es in einer Mitteilung der Schwedischen Akademie zum Tod Sara Danius'.

2015 wurde die Literaturwissenschaftlerin in der über 200-jährigen Geschichte des Gremiums zur ersten weiblichen Ständigen Sekretärin gewählt. Erst zwei Jahre zuvor war sie für den verstorbenen Literaturkritiker Knut Ahnlund als Jurorin in die Schwedische Akademie aufgerückt.

Rücktritt nach #MeToo-Skandal

Als Ständige Sekretärin war es unter anderem ihre Aufgabe, die Literaturnobelpreisträger zu verkünden. Zuletzt wurde ihr diese Ehre 2017 zuteil, als sich die 18-köpfige Akademie entschieden hatte, Kazuo Ishiguro auszuzeichnen. Im Jahr 2015 fiel die Wahl auf die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch, 2016 auf den US-amerikanischen Sänger und Songwriter Bob Dylan.

Sara Danius verkündet den Literaturnobelpreisträger. (Imago/E-Press)

Sara Danius verkündet 2017 Kazuo Ishiguro als Literaturnobelpreisgewinner

Im Zuge des #MeToo-Skandals, der die Schwedische Akademie vergangenes Jahr erschütterte und diese dazu bewog, die Literaturnobelpreisvergabe 2018 ausfallen zu lassen, trat Danius von ihrem Amt zurück. Mehrere Mitglieder kritisierten sie für ihren Umgang mit dem Belästigungs- und Korruptionsskandal und warfen ihr vor, keine ausreichenden Konsequenzen aus der Affäre ziehen zu wollen. Ihr Nachfolger Mats Malm hatte in den folgenden Wochen und Monaten die schwierige Aufgabe, die Wogen innerhalb der Akademie wieder zu glätten. 

In diesem Jahr wurde die höchste literarische Auszeichnung gleich zweimal vergeben: Der Preis für 2018 ging an die polnische Autorin Olga Tokarczuk. Den Literaturnobelpreis 2019 erhielt der Österreicher Peter Handke

Kritik an nachgeholter Preisverleihung

Sara Danius kritisierte die Entscheidung der Schwedischen Akademie, 2019 zwei Literaturnobelpreise zu vergeben. Aus Respekt vor den betroffenen Frauen hätte man sich entschließen sollen, für 2018 auch nachträglich keinen Preis zu verleihen. "So hätte man in Erinnerung behalten können, dass
tatsächlich etwas passiert ist", sagte sie im März dieses Jahres.

Zeichnung von Autorin Olga Tokarczuk und Peter Handke.

Frisch gebackene Literaturnobelpreisträger: Handke (links) und Tokarczuk (recht)

In den 1980er Jahren arbeitete Sara Danius als Kritikerin für die schwedische Tageszeitung "Dagens Nyheter", konzentrierte sich dann aber zunehmend auf ihre akademische Laufbahn - unter anderem mit Studienaufenthalten in Großbritannien, Frankreich und den USA. Sie forschte zu Werken von Marcel Proust, James Joyce und Gustave Flaubert und war Lehrstuhlinhaberin für Ästhetik an der Södertörn Universität bei Stockholm. 

2014 gab sie bekannt, dass sie Brustkrebs hat. Nun ist sie im Alter von 57 Jahren gestorben.

bb/kle (dpa, EFE, ape)

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