Literaturnobelpreis: ″2019 ist nicht die Deadline″ | Bücher | DW | 25.05.2018
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Nobel-Stiftung

Literaturnobelpreis: "2019 ist nicht die Deadline"

Anfang Mai wurde die Vergabe des diesjährigen Literaturnobelpreises aufgrund des Sex- und Korruptionsskandals innerhalb der Schwedischen Akademie offiziell verschoben. Nun scheint auch die Vergabe 2019 unsicher.

Lars Heikenstein, der Direktor der Nobel-Stiftung, erklärte an diesem Freitag, dass die Vergabe des diesjährigen Literaturnobelpreises eventuell noch über 2019 hinaus verschoben werden könnte. Der Preis werde erst dann vergeben, "wenn die Schwedische Akademie wieder das Selbstvertrauen dazu gewonnen hat oder zumindest alles dafür Nötige auf den Weg gebracht hat", so Heikenstein. Dies bedeute, dass 2019 nicht die Deadline sei, sagte er gegenüber dem Schwedischen Radio.

Die Vergabe des Literaturnobelpreises wurde für 2018 ausgesetzt. Stattdessen sollte die Auszeichnung im nächsten Jahr zweimal vergeben werden. Hintergrund ist ein Streit in der Akademie. Sechs der 18 Mitglieder waren zurückgetreten. Sie warfen anderen Mitgliedern vor, einen Belästigungs- und Korruptionsskandal unter den Teppich kehren zu wollen. Heikensten fügte hinzu, die verbliebenen Akademiemitglieder sollten über einen Rücktritt nachdenken.

Innere Zerwürfnisse lähmen Akademie

Die Schwedische Akademie vergibt seit 1901 alljährlich den Literaturnobelpreis. Die prestigeträchtige Institution steht seit mehreren Monaten in der Kritik und ist auch in sich gespalten. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht das langjährige Akademie-Mitglied Katarina Frostenson mit ihrem Mann Jean-Claude Arnault. 18 Frauen warfen Arnault im Zuge der #MeToo-Bewegung im vergangenen Herbst sexuelle Belästigung vor. Außerdem soll Arnault die Namen von sieben Nobelpreisträgern vorzeitig ausgeplaudert haben, was dem Ansehen der Akademie schwer schadete. Darüberhinaus hatte Frostenson jahrelang mit über Subventionen der Akademie für den Kulturverein ihres Mannes entschieden, ohne dass die anderen Mitglieder das wussten. Frostenson ist mittlerweile zurückgetreten.

Infolge der schweren Zerwürfnisse sind derzeit nur noch zehn der einst 18 Mitglieder aktiv. Da die Jury-Plätze bislang immer auf Lebenszeit vergeben wurden, war die Akademie in ihrer Arbeit gelähmt. Erst mit einer Ergänzung der Statuten um ein Rücktrittsrecht machte der schwedische König Carl Gustav XVI. vor wenigen Wochen den Weg für eine Neubesetzung frei.

pj/bb (dpa)

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