Limburger Bischof will den Papst entscheiden lassen | Aktuell Deutschland | DW | 12.10.2013
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Aktuell Deutschland

Limburger Bischof will den Papst entscheiden lassen

Der umstrittene Limburger Bischof Tebartz-van Elst reist kommende Woche nach Rom, um über seinen Verbleib im Amt zu sprechen. Nach Medienberichten könnte seine Residenz nun noch teurer werden als schon bekannt.

Der öffentliche Druck auf den Limburger Oberhirten wird immer stärker. Angesichts des Vorwurfs der Verschwendung wegen der Kostenexplosion beim Neubau seines Amtssitzes und eines Strafbefehls will Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nach Rom reisen. Der Bischof habe deutlich gemacht, "dass die Entscheidung über seinen bischöflichen Dienst in den Händen des Heiligen Stuhls liegt", heißt es in einer Erklärung des Bistums.

Neutraler Bischof

Und weiter: Der Bischof sei betroffen von der Eskalation und sehe auch, "dass viele Gläubige im Bistum und darüber hinaus unter der gegenwärtigen Situation leiden". Ein Sprecher betonte aber, dass dies kein Angebot zum Rücktritt des Bischofs sei, sondern eine "neutrale Aussage". Für Bischöfe der römisch-katholischen Kirche gibt es die Möglichkeit eines Rücktritts nicht. Laut Kirchenrecht kann ein Bischof dem Papst aber seinen Amtsverzicht anbieten.

Wie es heißt, soll die Reise "im Laufe der Woche" stattfinden - wann genau wurde nicht mitgeteilt. Einen Medienbericht, nach dem Tebartz-van Elst sich bereits an diesem Samstag in den Vatikan begeben wollte, wies ein Bistumssprecher zurück.

Bis zu 40 Millionen Euro

Tebartz-van Elst steht seit langem in der Kritik, weil die Kosten für den Neubau des Limburger Bischofssitzes immer weiter gestiegen sind. Nach Informationen der "Welt am Sonntag" rechnet die Limburger Stadtverwaltung zusätzlich zu den bisher veranschlagten 31 Millionen Euro für den Bischofssitz mit Folgekosten in Millionenhöhe. Der Grund sind Schäden in der direkten Umgebung der Residenz, die durch die Baumaßnahmen entstanden sind und von der Kirche beglichen werden müssen. Die Gesamtkosten könnten dem Vernehmen nach damit auf bis zu 40 Millionen Euro steigen.

Bischofssitz in Limburg (Foto: picture-alliance/dpa)

Bischofssitz in Limburg

Konkret handelt es sich laut Zeitung um erhebliche Straßenschäden sowie Beschädigungen an Häuserfassaden auf der Zufahrt zum Domberg. Zudem prüft das Limburger Bauamt derzeit, wie sehr die unter den Zufahrten liegende Kanalisation, die Gasleitungen und Kabel in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Auch eine 25 Meter lange Mauer, die im Zuge der Bauarbeiten abgerissen wurde, muss neu aufgezogen werden. Bistumssprecher Martin Wind bestätigte der "Welt am Sonntag", dass solche Kosten auf den Bischöflichen Stuhl zukommen. "Diese Rechnungen werden dann selbstverständlich beglichen", sagte er.

Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft Vorwürfe der Untreue. Am Donnerstag beantragte zudem die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl wegen eidesstattlicher Falschaussage. Dabei geht es um Angaben des Bischofs im September 2012 zu einem Flug nach Indien.

Zollitsch reist zuerst zum Papst

Wegen der Affäre wird der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Montag im Vatikan erwartet. Er hatte sich öffentlich vom Verhalten des Limburger Bischofs distanziert. Auch scheint die bisherige Unterstützung des Kölner Kardinals Joachim Meisner für Tebartz-van Elst zu schwinden. Meisners Sprecher erklärte, der Erzbischof sehe, dass nach der Bekanntgabe exorbitant gestiegener Baukosten und durch den Strafbefehl "eine neue Lage" eingetreten sei. Nun seien die Ergebnisse der geplanten Rom-Reise abzuwarten.

Unter den Laien in der katholischen Kirche wachsen die Zweifel, dass Tebartz-van Elst im Amt zu halten ist. "Viele in der Kirche, auch viele seiner bischöflichen Amtsbrüder, erwarten einen Rückzug", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück. "Die katholische Kirche in Deutschland muss von der Last dieser schon so lange schwelenden Affäre möglichst rasch befreit werden", forderte er. "Es ist nicht mehr ein Problem eines Bischofs allein, sondern der katholische Kirche in ganz Deutschland."

uh/det/gri (dpa, afp, kna)

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