Libysche Küstenwache: Abermals 100 Tote im Mittelmeer | Aktuell Afrika | DW | 29.06.2018
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Flüchtlingsdrama

Libysche Küstenwache: Abermals 100 Tote im Mittelmeer

Während die EU Schritte zur Begrenzung der Zuwanderung beschließt, kentert im Mittelmeer abermals ein Flüchtlingsboot. Die libysche Küstenwache befürchtet, dass mehr als 100 Menschen ertrunken sind.

Ein Beamter der libyschen Küstenwache teilte mit, mindestens 14 Überlebende seien aus dem gekenterten Boot gerettet worden. Über das Schicksal von mehr als 100 weiteren Insassen gebe es keine gesicherten Aussagen. Man befürchte aber, dass sie ertrunken seien. Drei Babys seien tot geborgen worden. Das Boot kenterte den Angaben zufolge östlich der Hauptstadt Tripolis, rund sechs Kilometer von der Küste entfernt. Wann es in See gestochen war, sei unklar, sagte der Sprecher.

Libyen ist einer der wichtigsten Ausgangspunkte für Migranten, die versuchen, auf dem Seeweg nach Europa zu gelangen. Oft benutzen sie dabei wenig hochseetaugliche Schlauchboote für die Überfahrt. Viele Boote werden inzwischen von der libyschen Küstenwache abgefangen und wieder zurück in das nordafrikanische Land gebracht.

In der vergangenen Woche ertranken nach Angaben der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" mindestens 220 Menschen im Mittelmeer - so viele wie noch nie innerhalb einer Woche in diesem Jahr.

Zuvor hatten sich die Teilnehmer des EU-Gipfels in Brüssel nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon auf eine Verschärfung des Kurses in der Flüchtlingspolitik geeinigt. Europas Staats- und Regierungschefs unterstützen danach erstmals die Errichtung von Aufnahmelagern außerhalb der EU. Zudem sollen EU-Länder auf freiwilliger Basis "kontrollierte Zentren" zur Flüchtlingsaufnahme auf eigenem Territorium aufbauen, um die bisherigen Hauptankunftsländer wie Italien zu entlasten.

"Lifeline"-Kapitän abermals von Polizei vernommen

In Malta ist der Kapitän des Rettungsschiffs "Lifeline" abermals von der Polizei befragt worden. Am Montag soll er für eine öffentliche Anhörung vor Gericht erscheinen. Nach Angaben der Zeitung "Malta Today" wird damit gerechnet, dass er gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben darf. Die anderen Besatzungsmitglieder des Schiffs traten bereits die Rückreise nach Deutschland an. 

Das Schiff hatte erst am Mittwoch nach tagelangem Tauziehen die Erlaubnis erhalten, mit mehr als 230 Flüchtlingen in den Hafen der maltesischen Hauptstadt Valletta einzulaufen. Die maltesische Regierung kündigte an, die Aktivitäten von Seenotrettungsorganisationen bis zum Abschluss der Ermittlungen gegen den "Lifeline"-Kapitän zu unterbinden. Dies würde bedeuten, dass auch die beiden anderen im Hafen ankernden Schiffe der Hilfsorganisation bis auf weiteres nicht auslaufen dürfen.

Bei den Ermittlungen geht es vor allem um die Registrierung der "Lifeline". Sie fährt unter niederländischer Flagge. Dort wird das Schiff jedoch nicht als kommerzielles Wasserfahrzeug geführt. Die Hilfsorganisation zeigte im Kurznachrichtendienst Twitter eine Registrierung - darin ist die "Lifeline" als Freizeitboot ausgewiesen. 

mm/jj (dpa, rtr, ap)

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