Libyen will umstrittene Flüchtlingslager aufgeben | Aktuell Afrika | DW | 04.07.2019
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Nordafrika

Libyen will umstrittene Flüchtlingslager aufgeben

Nach dem Angriff auf das Flüchtlingslager Tadschura erwägt die libysche Regierung, alle Lager in dem Bürgerkriegsland zu schließen. Man sei nicht in der Lage, die Sicherheit der Insassen zu gewährleisten.

Libyen Tripolis nach dem Luftangriff auf das Tajoura Detention Center (Getty Images/AFP/M. Turkia)

Soldaten untersuchen die zerstörte Halle nach dem Luftangriff auf das Flüchtlingslager

Die Regierung prüfe derzeit, die Lager aus Sicherheitsgründen zu schließen und die Migranten freizulassen, teilte Innenminister Fathi Baschagha überraschend mit. Es liege außerhalb der Möglichkeiten der Regierung, die Camps gegen Angriffe von Kampfflugzeugen zu schützen.

Am vergangenen Dienstag trafen zwei Luftangriffe das Flüchtlingslager in Tadschura, im Osten der Hauptstadt Tripolis. Eine Rakete habe eine leerstehende Garage getroffen, eine weitere eine Halle, in der sich etwa 120 Flüchtlinge aufgehalten hätten, schreibt das UN-Nothilfebüro OCHA in einem Bericht.

Libyen Tripolis nach dem Luftangriff auf das Tajoura Detention Center (Reuters/I. Zitouny)

Eine Frau im bombardierten Flüchtlingslager Tadschura

Mindestens 53 Menschen seien nach jüngsten Erkenntnissen getötet, etwa 130 weitere verletzt worden. Das libysche Gesundheitsministerium sprach von 35 Toten und etwa 65 Verletzten.

Wärter sollen auf Menschen geschossen haben

In seinem Bericht nannte das UN-Nothilfebüro weitere Details des Zwischenfalls. Es gebe Berichte, dass Wärter auf Flüchtlinge geschossen hätten, die nach der ersten Explosion fliehen wollten. Nach OCHA-Angaben werden rund 3800 Migranten in Lagern in und um die Hauptstadt Tripolis gegen ihren Willen festgehalten. Sie seien aufgrund der aktuellen Kämpfe hohen Gefahren ausgesetzt.

Libyen Tripolis nach dem Luftangriff auf das Tajoura Detention Center (Getty Images/AFP/M. Turkia)

Decken und Matratzen liegen verstreut auf dem Gelände des bombardierten Lagers Tadschura

Seit Monaten gibt es rund um Tripolis schwere Gefechte zwischen Anhängern der von den Vereinten Nationen gestützten Regierung in Tripolis und den Truppen von General Chalifa Haftar, der vom Parlament im Osten des Landes unterstützt wird. Sowohl die Regierung in Tripolis als auch das Parlament in Tobruk in Ostlibyen beanspruchen die Macht für sich.

Die Regierung in Tripolis machte die Luftwaffe von General Haftar für den Angriff verantwortlich. Diese wies die Anschuldigungen zurück. Der Angriff wurde international scharf kritisiert. In einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates konnte sich das Gremium allerdings nicht auf eine gemeinsame Position einigen.

Italien 2018 | Chalifa Haftar, Warlord Libyen (Getty Images/AFP/F. Monteforte)

General Chalifa Haftar kämpft gegen Libyens Regierung

Im ölreichen Libyen herrscht acht Jahre nach dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi Chaos. Im blutigen Machtkampf zwischen der international anerkannten Regierung in Tripolis und General Haftar mischen sich zahlreiche Länder ein. Auch regionale Milizen, Banden und Extremisten wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben sich in dem nordafrikanischen Land festgesetzt.

cgn/uh (dpa, epd, rtr)

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