Libyen: Wie Medien Stabilität in der Krise schaffen | Afrika | DW | 28.09.2018
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Afrika

Libyen: Wie Medien Stabilität in der Krise schaffen

Libyen befindet sich seit 2014 in einer Dauerkrise. Mit einem Dreijahresprojekt fördert die DW Akademie das Menschenrecht auf Zugang zu Informationen in dem Land.

Alan Bugeja, Botschafter der Delegation der Europäischen Union in Libyen, bei der Auftaktveranstaltung zu Media in Libya – Stability through reconciliaton. (Taha Kriwi)

Alan Bugeja, Botschafter der Delegation der Europäischen Union in Libyen, bei der Auftaktveranstaltung zu "Media in Libya – Stability through reconciliaton".

"Unabhängige Medien, denen die Menschen vertrauen können, sind essentiell für unsere Gesellschaft", sagte Alan Bugeja, Botschafter der Delegation der Europäischen Union in Libyen, im September in Tunis. 60 Vertreter der libyschen Regierung, der internationalen Gemeinschaft und libysche Teilnehmer waren der Einladung der DW Akademie und der EU-Delegation zu einem Kick-off gefolgt. Die Veranstaltung bildete den Startschuss für ein Medienentwicklungsprojekt, das Libyen in den kommenden drei Jahren prägen soll.

Freie und unabhängige Berichterstattung fördern

Das von der Europäischen Union finanzierte Projekt hat zum Ziel, das Recht auf Zugang zu Informationen der Menschen in Libyen zu fördern. "Der Öffentlichkeit objektiv Informationen zu vermitteln, unbeeinflusst von ideologischen oder politischen Differenzen, ist ein großer Dienst an den Menschen. Eine solche Berichterstattung verbreitet Logik und Ausgewogenheit – Elemente, die wir für politische Stabilität und Demokratie dringend benötigen", so Botschafter Bugeja.

Zum Engagement der EU für Meinungs- und Redefreiheit sagte er: "Die EU unterstützt die Bemühungen libyscher und ausländischer Journalisten und libyscher Institutionen zur Verbesserung der Regierungsführung und der Qualität in der Medienlandschaft in Libyen."

Der Titel des Projekts "Media in Libya - Stability through Reconciliation" ("Medien in Libyen - Stabilität durch Versöhnung") ist nicht zufällig gewählt: Die DW Akademie möchte dazu beitragen, dass die Medien in Libyen wieder eine verbindende, friedensstiftende Rolle einnehmen können – durch freie und unabhängige Berichterstattung. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung in Tunis wurde auch die neue Webseite des Dreijahresprojekts der DW Akademie in Libyen vorgestellt. Ein Element ist ein Media Mapping, das die Vielfalt der nationalen und internationalen Akteure in der Fernsehlandschaft Libyens auf einer Karte abbildet.

Natascha Schwanke, Leiterin der Medienentwicklungszusammenarbeit Afrika der DW Akademie (Taha Kriwi)

Natascha Schwanke, Leiterin der Medienentwicklungszusammenarbeit Afrika der DW Akademie

Fokus auf Minderheiten, Frauen und Jugendlichen

"Wir sind fest davon überzeugt, dass ein funktionierender Mediensektor, Qualitätsjournalismus und gut informierte Bürgerinnen und Bürger für eine nachhaltige politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung unerlässlich sind", sagte Natascha Schwanke, Leiterin der Medienentwicklungszusammenarbeit Afrika der DW Akademie. "Wir beziehen deshalb alle gesellschaftlichen Gruppen ein und legen besonderen Fokus auf ethnische Minderheiten, Frauen und Jugendliche."

Jalal Othman, Leiter der Abteilung für Medien im libyschen Präsidialrat. ( Taha Kriwi)

Jalal Othman, Leiter der Abteilung für Medien im libyschen Präsidialrat.

Wie wichtig eine ausgewogene Vertretung aller Bevölkerungsgruppen in den Medien ist, betonte auch Jalal Othman, Leiter der Abteilung für Medien im libyschen Präsidialrat: "Die Probleme in Libyen werden hauptsächlich von voreingenommenen Medien verursacht, die den Konflikt weiter schüren. Die eigentlichen Treiber hinter der Spaltung des Landes sind Extremisten, die die Medien durchsetzt haben."

Die Weitergabe von Wissen verstetigen

Es war der angespannten Sicherheitslage in Libyen geschuldet, dass die Auftaktveranstaltung des Projekts nicht in Libyen selbst, sondern in der Hauptstadt des Nachbarlands Tunesien stattfand.

"Wir planen in den nächsten Jahren, libysche Journalistinnen und Journalisten gezielt weiter zu bilden", so Jan-Philipp Scholz, Projektmanager der DW Akademie: "Nicht nur in Tunesien, sondern langfristig auch wieder in Libyen selbst." Ein wichtiger Schritt dahin sei es, libysche Journalisten zu Medientrainern auszubilden, damit sie lernen, ihr Wissen weiter zu vermitteln.

Besma Mhamdi, Projektleiterin und Ländermanagerin der DW Akademie, bei der Auftaktveranstaltung in Tunis. (Taha Kriwi)

Besma Mhamdi, Projektleiterin und Ländermanagerin der DW Akademie, bei der Auftaktveranstaltung in Tunis.

Außerdem ist praxisorientiertes Arbeit an konkreten journalistischen Formaten geplant: Mit Unterstützung der DW Akademie sollen libysche Journalisten beispielsweise eine politische Talkshow für ein junges Publikum entwickeln – mit Beteiligung von Medienschaffenden aus allen Landesteilen.

Erste Themen: Wahlberichterstattung und Fotografie

Teil der Auftaktveranstaltung war auch die Preisverleihung eines gemeinsamen Fotowettbewerbs von DW Akademie und der EU-Delegation in Libyen: Acht Gewinner wurden für ihren persönlichen Blick auf Libyen geehrt. Entstanden sind preisgekrönte Bilder, die die libysche Natur, Bräuche, Traditionen und Handwerkskunst in Szene setzen.

Zu dem Wettbewerb waren alle Libyerinnen und Libyer aufgerufen, die Alltagskultur ihres Landes für Außenstehende fotografisch festzuhalten. Teilgenommen haben mehr als 300 sowohl professionelle als auch Hobbyfotografen. Der Gewinn: Ein einwöchiger Fotografie-Workshop mit der DW Akademie.

Vor den Kommunalwahlen in Libyen im Jahr 2018 hat die DW Akademie außerdem Workshops zu politischer Kommunikation und Berichterstattung veranstaltet. Sie schulte Journalistinnen und Journalisten aus allen Landesteilen in Wahlberichterstattung, sowie Vertreter des Zentralkomitees für Kommunalratswahlen zum Umgang mit Pressevertretern.

 

Die DW Akademie ist seit September 2011 durchgehend in Libyen aktiv. Anlässlich der ersten Parlamentswahl 2012 führte sie ein Projekt zu Wahlberichterstattung und politischer Kommunikation in verschiedenen Gebieten des Landes durch. Von 2013 bis 2016 wurde das EU-Projekt "Media in Libya – Stability through Structure" durchgeführt. Das aktuelle von der EU finanzierte Dreijahresprojekt "Media in Libya – Stability through Reconciliation" baut darauf auf.

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