Libanon: Geflüchtete werden zu Bürgerjournalisten | Nahost/Nordafrika | DW | 04.02.2016
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Nahost/Nordafrika

Libanon: Geflüchtete werden zu Bürgerjournalisten

Im Flüchtlingslager Shatila im südlichen Beirut lernen geflüchtete Jugendliche das journalistische Handwerk kennen. Auf einer geplanten Online-Plattform möchten sie sich gegenseitig informieren und austauschen.

DW Akademie Projekt Shatila Voices

Heiterer Auftakt: Das Projekt Shatila Voices für Bürgerjournalisten in Shatila startete mit einem Festakt Ende Januar 2016

Eine regennasse Gasse und ein dunkles Treppenhaus führen zur Aula, hoch gelegen über dem Flüchtlingslager Shatila. Etwa 40 Gäste füllen die Reihen aus Plastikstühlen, viele von ihnen syrische und palästinensische Jugendliche mit einem Wunsch: Sie wollen Journalisten werden. Recherchieren, filmen, schreiben über ihr Leben als Flüchtlinge in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Mit einem Festakt Ende Januar ist ihr Projekt gestartet.

Es geht herzlich zu bei der syrischen Hilfsorganisation "Basmeh & Zeitooneh" (Ein Lächeln und eine Olive), mit der die DW Akademie in Shatila zusammenarbeitet. Die NGO ist wegen ihrer engagierten Sozialarbeit in der lokalen Gemeinschaft verwurzelt und gut vernetzt. Seit 2011 hat sich die Bevölkerung des Palästinenserlagers durch Zuzug von Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien auf etwa 40.000 verdoppelt. "Das Projekt ist ein ganz neuer, kreativer Ansatz, den jungen Leuten hier zu helfen“, sagt der Leiter des Shatila-Zentrums von "Basmeh & Zeitooneh", Abed Moubayed, beim Kick-Off.

Ein Jahr lang wird die DW Akademie in Shatila eine Gruppe Bürgerjournalisten ausbilden und sie fachlich betreuen, finanziert vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Ziel ist der Aufbau einer Community-Plattform im Netz. Diese soll praktische Informationen bieten, unterhaltsam aufbereitete Bildungsinhalte, Geschichten und Videoreportagen. Von Jugendlichen für Jugendliche in Shatila.

DW Akademie Projekt Shatila Voices

Brainstorming mit DW Akademie Trainer Attila Mong: Was sind die Bedürfnisse der Jugendlichen in Shatila? Über was kann berichtet werden?

Einer dieser Jugendlichen ist Omar Ahmed. Er ist 17 und floh vor drei Jahren aus dem umkämpften Palästinenserlager Yarmouk bei Damaskus in den Libanon. "Für mich ist das Projekt eine Chance, vielleicht eröffnet es mir sogar eine berufliche Perspektive", sagt er. "Außerdem ist es doch glaubwürdiger, wenn wir selbst über unseren Alltag berichten, als wenn Außenstehende das tun."

Dialog und Austausch

Diesem Ansatz folgt die DW Akademie. Der Ton der Libanesen gegenüber den Syrern ist gereizt , gerade in der öffentlichen Debatte. Rund eine Millionen syrische Flüchtlinge leben unter 4,2 Millionen Libanesen - für das Land eine Herausforderung, die meisten sagen: eine Belastung. "Dabei kommen die Flüchtlinge kaum selbst zu Wort. Sie trauen den Mainstream-Medien auch nicht mehr", so Jens-Uwe Rahe, Ländermanager Syrien der DW Akademie. "Das Projekt soll dazu beitragen, den Dialog zwischen Syrern, Libanesen und Palästinensern zu verbessern."

DW Akademie Projekt Shatila Voices

Jugendliche mit dem Wunsch, Geschichten aus dem Alltag zu erzählen

Ein Zeichen setzt bei der feierlichen Eröffnung des Projekts die libanesische Journalistin Roula Mikhael. Ihre Medien-NGO "Maharat Foundation" (Skills Foundation) hat sich entschlossen, das Projekt in Shatila mit Trainings zu unterstützen. Roula Mikhael wendet sich direkt an die jungen Frauen und Männer und motiviert sie. Ihre Artikel und Filme würden gebraucht. Sie könnten den libanesischen und internationalen Medien helfen, ausgewogen und vorurteilsfrei über Flüchtlinge, ihre Nöte und Hoffnungen, zu berichten.

Auch Vertreter der palästinensischen Lagerverwaltung sind gekommen und sagen ihre Unterstützung zu. Der Tag findet seinen Abschluss mit einem Brainstorming: Was wollen Jugendliche in Shatila, was brauchen sie? Bunte Zettel voller Ideen füllen die Wände der Aula - ein üppiger Vorgeschmack auf die Plattform, die Ende 2016 an den Start gehen soll.

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