Lewandowski und die Bayern retten sich ins Ziel | Fußball | DW | 20.12.2017
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DFB-Pokal

Lewandowski und die Bayern retten sich ins Ziel

Der FC Bayern kann seine Überlegenheit gegen Borussia Dortmund nicht in einen hohen Vorsprung umwandeln. Auch weil Robert Lewandowski die Frische fehlt. Am Ende zittern sich die Bayern ins DFB-Viertelfinale.

Am Ende schlurfte Robert Lewandowski sichtlich ermattet über den Platz. Das letzte Spiel dieser Saison war gerade abgepfiffen und dem 29 Jahre alten Angreifer des FC Bayern waren die Anstrengungen dieser Partie - und auch die der ganzen Hinrunde  - förmlich ins Gesicht geschrieben. Die Müdigkeit schien die Freude zu überlagern.

Die Münchner hatten sich nach hartem Kampf und mit einem am Ende knappen 2:1 (2:0) gegen Borussia Dortmund für das Viertelfinale im DFB-Pokal qualifiziert, was eine ereignisreiche und spielerisch nicht immer souveräne Hinserie des Rekordmeisters überaus abrundete. "Am Ende steht der Sieg, das ist das was zählt. Jetzt gehen wir zufrieden in die Winterpause", sagte Bayern-Kapitän Thomas Müller mit einem Grinsen. Lewandowski lächelte dagegen etwas gequält.

Lewandowski fehlt das Momentum

DFB Pokal Bayern München vs Borussia Dortmund - Robert Lewandowski (picture alliance/dpa/A. Gebert)

Artistischer Versuch: Lewandowski probiert einen Heber gegen Bürki, bleibt dabei aber glücklos

Für den Polen, der zu den weltweit besten Stürmern zählt, der allerdings derzeit nicht gerade ein Formhoch durchlebt, dürfte diese Winter- und Verschnaufpause genau zum richtigen Zeitpunkt kommen. Es gibt wohl kaum einen Angreifer, der ähnlich engagiert und laufstark versucht, sich in Szene zu setzen und bei nahezu jedem Angriff der Bayern Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft zu nehmen. Doch derzeit fehlt Lewandowski das Momentum, dass ihn so erfolgreich gemacht hat. Und sicher auch ein paar PS Leistung.

Vor allem in der wilden Anfangsphase der Münchner, als sie sich gegen die Borussia Tormöglichkeiten im Minutentakt erspielten, gehörte Lewandowski zu denjenigen, die die Führung geradezu erzwingen wollten. Er war häufig anspielbar und hatte auch sein besonderes Gespür für gefährliche Situationen voll entfaltet. Nur im Abschluss hakte es überraschenderweise erneut - wie bereits in den vergangenen Wochen.   

Gegen Tabellenschlusslicht 1.FC Köln eine Woche zuvor hatte Lewandowski bereits sieben hochkarätige Tormöglichkeiten ausgelassen, eher er den lange überfälligen Siegtreffer zum 1:0 erzielte. Vier Tage später, beim VfB Stuttgart (1:0), war der Pole ebenfalls mehrfach ganz nah dran an einem Treffer, aber am Ende musste Thomas Müller für die Entscheidung im Schwabenland sorgen.

Boateng und Müller als Aushilfs-Torjäger

Und auch gegen den BVB hatten ihn sein Schussglück und seine fast schon sprichwörtliche Treffsicherheit ebenfalls verlassen. Zweimal tauchte Lewandowski alleine in Hälfte eins vor Roman Bürki auf, einmal konnte der BVB-Torhüter noch reaktionsschnell parieren. Ein anderes Mal versuchte es der Pole mit einem trickreichen Heber mit dem Rücken zum Tor über sich selbst und über Bürki, verfehlte aber knapp das Dortmunder Tor. "Wir können froh sein, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht schon höher für die Bayern stand. In der ersten hälfte hat uns der Mut gefehlt", sagte BVB-Trainer Peter Stöger.

Und so mussten Jérôme Boateng und erneut Thomas Müller für den Münchner Angreifer in die Bresche springen und als Aushilfs-Torjäger agieren. Dass Lewandowski Müllers Treffer mit einem sehenswerten Pass vorbereitet hatte, dürfte zumindest ein wenig Trost für den Angreifer gewesen sein. 26 Pflichtspiele hat Lewandowski in dieser Halbserie hinter sich gebracht, davon bis auf drei Ausnahmen alle über 90 Minuten. 21 Tore hat er dabei erzielt - ein sensationeller Wert. Er liegt damit auf dem gleichen hohen Niveau wie Weltfußballer Cristiano Ronaldo (Real Madrid), der bislang in 21 Partien 16 Treffer erzielte.

Lewandowski benötigt drittens einen Backup

DFB Pokal Bayern München vs Borussia Dortmund - Tor 2:0 (Reuters/M. Rehle)

Die Tore machen derzeit andere: Boateng trifft per Kopf zur Führung des FCB.

Angesichts solcher Werte sind leichte Verschleißerscheinungen verständlich. Die enorme körperliche Belastung hat Lewandowski die Frische und auch einen großen Teil seiner Torgefahr geraubt. Zumal der Angreifer es überhaupt nicht mag, auf der Ersatzbank zu sitzen und am liebsten jedes Spiel über die volle Distanz spielen würde. Und die Bayern noch immer keinen Ersatz für den Polen haben. 

Dass die Münchner den Transfer von Sandro Wagner derzeit forcieren und den Nationalstürmer bereits zur Winterpause aus Hoffenheim für rund 15 Millionen Euro verpflichten wollen, dürfte viel damit zu tun haben, dass die Münchner mittlerweile der Auffassung sind, dass auch ihr Stürmerstar hin und wieder eine Pause zur Regeneration benötigt. "Wir wollen ein Backup für Robert Lewandowski holen, und ich denke, das werden wir auch in den nächsten Tagen verkünden“, sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge kurz vor dem Anpfiff der ARD. Doch gegen Dortmund musste Lewandowski erneut über die gesamte Zeit auf dem Feld bleiben. 

Bayern retten und zittern sich ins Ziel

In der zweiten Hälfte drosselten die Münchner das Tempo deutlich und ließen den BVB immer besser ins Spiel kommen. Das Spiel lief in diesen 45 Minuten gänzlich an Lewandowski vor, er wirkte zunehmend kraft- und inspirationslos - so wie das gesamte Bayern-Team.

Die Dortmunder drehten auf und versuchten ihrerseits die letzte Energie in dieser für sie ebenfalls kräftezehrenden Hinrunde freizusetzen. Aber der Pole und seine Kollegen retteten und zitterten sich irgendwie über die Zeit  - und genossen danach die Weihnachtsfeier im Stadion mit den durchgefrorenen Fans. 

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