Leiche der ermordeten deutschen Geisel auf Philippinen geborgen | Aktuell Asien | DW | 05.03.2017
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Philippinen

Leiche der ermordeten deutschen Geisel auf Philippinen geborgen

Die Ermordung des deutschen Seglers Jürgen Kantner durch philippinische islamistische Terroristen hat Bestürzung hervorgerufen. Erst jetzt wurde seine Leiche gefunden.

Philippinen Deutschland Segelboot Entführungsopfer Abu Sayyaf (picture alliance/AP Photo/Wesmincom)

Auf dieser Yacht wurde der Deutsche überfallen

Nach der Ermordung des deutschen Seglers Jürgen Kantner durch die philippinische Islamistengruppe Abu Sayyaf ist seine Leiche gefunden worden. Soldaten hätten die Überreste in einem Dorf nahe der Stadt Indanan auf der Insel Jolo gefunden, sagte Kommandeur Cirilito Sobejana am Sonntag. Der Tote sei in die Leichenhalle eines Militärkrankenhauses gebracht worden. Die Behörden bereiten nun die Überführung der Leiche nach Deutschland vor.

Die Bundesregierung hatte am Montag bestätigt, dass der entführte 70-jährige Deutsche von Abu-Sayyaf-Kämpfern "barbarisch ermordet" worden sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einer "abscheulichen Tat". Das US-Unternehmen Site, das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisiert ist, hatte zuvor mitgeteilt, ein Video von Abu Sayyaf zeige, wie einer der Geiselnehmer den Deutschen enthaupte.

Kantner war Anfang November zusammen mit seiner Lebensgefährtin überfallen worden, als das Paar in den Gewässern zwischen den Philippinen und Malaysia unterwegs war. Die 59 Jahre alte Sabine Merz wurde damals schon erschossen.

Ultimatum bis Mitte Februar

In einem Mitte Februar veröffentlichten Video drohte Abu Sayyaf mit Kantners Enthauptung. Darin sagte der 70-Jährige selbst, sollte seinen Entführern nicht binnen zwölf Tagen das geforderte Lösegeld in Höhe von umgerechnet knapp 570.000 Euro gezahlt werden, werde er getötet. Kantner bat die Bundesregierung in der Videobotschaft eindringlich um Hilfe.

Nach dem Bekanntwerden von Kantners Tod entschuldigte sich der philippinische Präsident Rodrigo Duterte dafür, die Hinrichtung nicht verhindert zu haben. Zugleich rechtfertigte er die Weigerung seiner Regierung, Lösegeld an Abu Sayyaf zu zahlen, weil dies die Islamistengruppe gestärkt hätte.

Kurz vor Kantners Ermordung hatte die philippinische Armee mutmaßliche Stellungen von Abu Sayyaf bombardiert. Nach der Hinrichtung gab es weitere Kämpfe zwischen den Islamisten und der Armee. Dabei wurden nach Armeeangaben 14 Islamisten getötet und 18 Soldaten verletzt.

Somalia 2009 - Jürgen Kantner & Sabine Merz, Seeleute (Getty Images/AFP/M. Abdi)

Thomas Kantner und Sabine Merz in Somalia 2009

Kantner schon einmal Geisel

Kantner und seine Partnerin Merz hatten sich im Jahr 2008 schon einmal 52 Tage in der Gewalt somalischer Piraten befunden, bevor sie freikamen. Angeblich flossen damals rund 445.000 Euro Lösegeld. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP aus dem Jahr 2009 sagte Kantner, obwohl er wisse, dass es gefährlich sei, in bestimmten Gewässern zu segeln, könne er davon nicht lassen.

Abu Sayyaf hat der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) die Treue geschworen. Die philippinische Gruppe verübt seit Jahrzehnten in den Dschungel-Gebieten im Süden des Landes Entführungen. Dabei wurden wiederholt Geiseln umgebracht, wenn die Forderungen der Entführer nicht erfüllt wurden.

 Zur Zeit sollen noch mindestens 19 Ausländer und sechs philippinische Geiseln in der Gewalt der Gruppe sein. Entführungen sind eine wichtige Einnahmequelle für Abu Sayyaf.

as/djo (afp, dpa)

 

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