Lehrkräfte unzufrieden mit Handschrift ihrer Schüler | Deutschlehrer-Info | DW | 18.04.2019
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Deutschlehrer-Info

Lehrkräfte unzufrieden mit Handschrift ihrer Schüler

Schüler haben laut einer aktuellen Studie Probleme, mit der Hand zu schreiben. Lehrkräfte kritisieren die fehlende Ausdauer und die schlechte Lesbarkeit. Schuld soll auch der Medienkonsum sein.

Oft unleserlich und zu langsam, so lautet zusammengefasst das Urteil von Lehrkräften über die Schreibkompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler. Lediglich vier Prozent der Lehrkräfte sind laut einer aktuellen Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) und des Schreibmotorik Instituts zufrieden mit den handschriftlichen Fertigkeiten der Kinder. An der repräsentativen Umfrage beteiligten sich rund 2000 Lehrerinnen und Lehrer bundesweit.

Den Angaben zufolge haben rund 37 Prozent der Grundschüler Probleme, flüssig und gut lesbar zu schreiben. Auf weiterführenden Schulen hätten sogar 43 Prozent der Jugendlichen Schwierigkeiten damit. Ihnen falle es zum Beispiel schwer, 30 Minuten und länger beschwerdefrei – ohne Verkrampfung, Ermüdung oder Unleserlichkeit – zu schreiben. Auffällig dabei sei, dass Jungen deutlich häufiger Schwierigkeiten haben als Mädchen.

Die Gründe für die Probleme sehen die Lehrerinnen und Lehrer in mangelnder Routine, schlechter Motorik und Koordination sowie Konzentrationsproblemen. Auch die fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation und den gestiegenen Medienkonsum sieht mehr als die Hälfte der Lehrkräfte kritisch. Und schließlich fehle es ihnen selbst an Zeit, das Handschreiben mit den Schülerinnen und Schülern zu üben.

Die Schriftforscherin Sibylle Hurschler Lichtsteiner von der Pädagogischen Hochschule Luzern gibt allerdings zu bedenken, dass das Phänomen sich beklagender Lehrkräfte nicht neu ist. „Schon in früheren Jahrhunderten haben sich Lehrer über die handschriftlichen Fähigkeiten ihrer Schüler beschwert“, sagt die Schweizer Wissenschaftlerin. Für eine objektive Einschätzung bräuchte man aus ihrer Sicht eine empirische Studie mit den Kindern und Jugendlichen. Auch die emeritierte Grundschuldidaktikerin Angelika Speck-Hamdan von der Ludwig-Maximilians-Universität München hält eine ergänzende Schüleruntersuchung für nötig. Die Lehrerstudie sei zwar wichtig, da sie den Finger in die Wunde lege, zeige aber vor allem Vermutungen von Lehrerinnen und Lehrern.

Warum das Handschreiben überhaupt so wichtig ist, erläutert Marianela Diaz Meyer, Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts: „Handschreiben unterstützt die Rechtschreibung, das Lesen, das Textverständnis, letztlich die schulischen Leistungen insgesamt.“ Und der VBE-Vorsitzenden Udo Beckmann betont: „Wer das Handschreiben fördert, fördert den allgemeinen Bildungserfolg der Kinder.“

Aus Sicht der befragten Lehrkräfte können beim Schreibenlernen neben verstärktem Üben zu Hause und in der Schule sowie speziellem Training auch Aktivitäten helfen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Schreiben zu tun haben: Malen, Basteln und Kochen. Denn dadurch könnten die Kinder ihre Feinmotorik trainieren.

 

ip/bw (dpa, KNA)

 

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