Lawrow befürwortet Militäreinsatz gegen Rebellen in Idlib | Aktuell Nahost | DW | 29.08.2018
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Syrien-Krieg

Lawrow befürwortet Militäreinsatz gegen Rebellen in Idlib

Der russische Außenminister Lawrow macht sich für eine militärische Offensive gegen die letzte Rebellenhochburg Idlib in Syrien stark. Diese "Eiterbeule" müsse liquidiert werden, forderte der Minister.

Russland Moskau - Russlands Außenminister Sergei Lavrov und Saudi Arabiens Außenminister Adel al-Jubeir (Getty Images/AFP/K. Kudryavtsev)

Russlands Außenminister Lawrow (rechts) und sein saudischer Kollege Adel al-Dschubair

In der Provinz Idlib im Norden Syriens hätten sich im Schutz einer Deeskalationszone Terroristen gesammelt, sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Moskau nach einem Treffen mit seinem saudischen Kollegen Adel al-Dschubair. Die Kämpfer hielten die Zivilbevölkerung als Geiseln. "Aus allen diesen Gründen muss diese Eiterbeule liquidiert werden", betonte Lawrow nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Tass. Der Minister rief den Westen auf, die überfällige "Anti-Terror-Operation" nicht zu behindern. Seine Regierung stehe mit der Regierung in Ankara in engem Kontakt über die Lage in Idlib. Die Türkei, die mehrere der Rebellengruppen im grenznahen Idlib unterstützt, will unbedingt einen Angriff verhindern, da sie einen neuen Flüchtlingsansturm befürchtet.

Gleichwohl gibt es seit Wochen Anzeichen, dass die syrische Armee mit russischer Hilfe bald gegen Idlib vorgehen will, das von radikalen Islamisten dominiert wird. Das Regime in Damaskus hat bereits Truppen für eine Offensive zusammengezogen und mit Luftangriffen begonnen.

Drei Millionen Zivilisten in Gefahr

Die syrische Armee hatte bei der Eroberung anderer Regionen Rebellen mit Familien und leichter Bewaffnung nach Idlib abziehen lassen. Zehntausende Bewaffnete sind dort nun eingeschlossen. Nach UN-Angaben leben rund drei Millionen Menschen in der Provinz Idlib und den von Rebellen kontrollierten Gebieten in den Nachbarprovinzen Hama, Aleppo und Latakia. Die Hälfte von ihnen seien Vertriebene aus anderen Teilen Syriens, schätzt das UN-Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA).

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Die Vereinten Nationen fürchten für den Fall einer Offensive der syrischen Streitkräfte auf die Provinz Idlib, dass bis zu 800.000 Menschen in die Flucht getrieben werden. Sollte Machthaber Baschar al-Assad ernst machen mit einem Angriff auf die letzte große Rebellenbastion in Syrien, sei in humanitärer Hinsicht eine "Katastrophe" zu befürchten, sagte die OCHA-Sprecherin Linda Tom. Die Zahl der Hilfsbedürftigen würde "dramatisch steigen".

Russland stockt Flotte in Nahost auf

Russland hat unterdessen seine Flottenpräsenz im östlichen Mittelmeer erheblich ausgeweitet. Einer Auswertung von Fotos der Nachrichtenagentur Reuters der vergangenen Wochen ergab, dass mindestens drei Fregatten sowie mit Raketen bewaffnete Korvetten und Landungsschiffe den Bosporus durchquerten. Einem Bericht der russischen Zeitung "Iswestija" zufolge hat Moskau die größte Militärpräsenz seit Beginn seiner Intervention zugunsten der Regierung von Präsident Assad in den Syrien-Krieg 2015 im Mittelmeer zusammengezogen. Dem Bericht zufolge umfasst die im Mittelmeer stationierte Flotte zehn Schiffe, die meisten davon mit Kalibr-Langstreckenraketen bewaffnet. Weitere Schiffe seien auf dem Weg. Bereits vor Ort seien zudem zwei U-Boote.

Syrien Idlib Provinz - Türkischer Convoy (Getty Images/AFP/O. H. Kadour)

Ein türkischer Militärkonvoi ist unterwegs in der Nähe von Saraqib in der syrischen Provinz Idlib

Derweil hat die türkische Armee hat laut Aktivisten weiteres militärisches Gerät und bewaffnete Fahrzeuge in den Nordwesten Syriens verlegt. Vor einer Offensive der syrischen Führung auf Idlib sei ein Teil der Lieferungen zu einem Posten im Osten der Region gebracht worden, ein anderer Teil in den Norden der Provinz Hama, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Fahrzeuge hätten auch Soldaten transportiert. Die Zahl der Soldaten an den Posten sei verstärkt worden. Außerdem hätten Lastwagen Zementblöcke und Betonwände gebracht. Die Zeitung "Sözcü" berichtet, dass Spezialkräfte an die Grenze verlegt worden seien, um neue Flüchtlingsbewegungen zu blockieren. Die Türkei beherbergt bereits rund 3,5 Millionen syrische Flüchtlinge.

Am 7. September soll es im Iran einen weiteren Dreiergipfel zwischen der Türkei, dem Iran und Russland geben. Russland gilt als Schutzmacht von Syrien.

kle/rb (dpa, afp, rtre)

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