Laurel Hubbard als erste Transperson für Olympische Spiele nominiert | Sport | DW | 21.06.2021
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Inklusion

Laurel Hubbard als erste Transperson für Olympische Spiele nominiert

Bei den Olympischen Spielen in Tokio könnte Laurel Hubbard Sportgeschichte schreiben. Die Neuseeländerin stößt mit ihrer Teilnahme in Tokio eine längst überfällige Diskussion um das Thema Transgender an.

Gewichtheben gilt in vielen Ländern der Welt als Randsportart. Oft sind die Schlagzeilen selten sportlicher Natur, sondern es geht meistens um Doping oder einen korrupten Weltverband. Bei den Olympischen Spielen, die in einem Monat in Tokio starten, wird Gewichtheben wohl erneut im Fokus stehen: Denn das Nationale Olympische Komitee Neuseelands (NZOC) hat mit Laurel Hubbard die erste Transperson für Olympische Spiele nominiert. 

"Wir haben eine starke Kultur des Respekts und der Inklusion. Wir haben uns verpflichtet, alle teilnahmeberechtigten Athletinnen und Athleten zu unterstützen", heißt es in einem Statement des NZOC.

"Consensus Statement" 

"Ich bin dankbar und demütig ob der Güte und Unterstützung, die mir so viele im Land entgegengebracht haben", wird Laurel Hubbard zitiert.

2015 hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein sogenanntes "Consensus Statement" verabschiedet mit Empfehlungen, wie die einzelnen olympischen Sportverbände mit Transgender-Athleten, Intersexualität und Hyperandrogenität, also erhöhten Testosteronwerten im Sportlerblut, umgehen. Das Ergebnis: Frauen, die eine Geschlechtsidentität als Mann angenommen haben, dürfen ohne Restriktionen an Männer-Wettkämpfen teilnehmen. Im umgekehrten Fall gilt dies jedoch nicht.

Der Wechsel der Identität muss mindestens vier Jahre zurückliegen und amtlich beurkundet sein. Die Athletin muss zusätzlich nachweisen, dass ihr Testosteronspiegel im Blut vor ihrem ersten Wettkampf mindestens 12 Monate lang unter 10 Nanomol pro Liter gelegen hat. Diesen Grenzwert, der regelmäßig kontrolliert wird, muss sie während ihrer Leistungssportkarriere einhalten. Tut sie es nicht, kann sie 12 Monate lang nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Der internationale Leichtathletik-Verband World Athletics besteht sogar auf weniger als 5 Nanomol pro Liter, was aber immer noch deutlich über dem Mittelwert einer sogenannten Cisgender-Frau liegt.

Kritik von Konkurrentin Anna Vanbellinghen

Derzeit arbeitet das IOC an neuen Leitlinien. Denn es gibt viele Kritiker. Eines ihrer Argumente: Es könne Vorteile in der Knochen- und Muskelstruktur bringen, wenn jemand als männliche Person durch die Pubertät gegangen ist.

Die belgische Gewichtheberin Anna Vanbellinghen, die in derselben Gewichtsklasse antritt (über 87 kg), hatte eine mögliche Nominierung Hubbards, die bis 2013 in Männer-Wettbewerben angetreten ist, zuletzt als "schlechten Scherz" bezeichnet. Dabei wollte sie nach eigenen Angaben ausdrücklich nicht Hubbard selbst oder die Transgender-Gemeinschaft kritisieren, so die Belgierin. Aber diese Situation sei "unfair gegenüber dem Sport und den Athletinnen".

sw/ml (rtr/SID)

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