Lateinamerikaner gefangen in Deutschland | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 30.03.2020
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Corona-Pandemie

Lateinamerikaner gefangen in Deutschland

Reisende aus Lateinamerika wurden von der Pandemie überrascht, und viele stecken immer noch in Deutschland fest. Einige sind von Hotels auf die Straße gesetzt worden und hoffen auf einen Rückflug.

Blogger Daniel Andres Rubio und Stefany Castillo Molano (Privat)

Die Blogger Daniel Rubio und Stefany Castillo vor dem Berliner Dom

Daniel Rubio und Stefany Castillo arbeiten, während sie reisen. Sie sind zwei junge Videoblogger, die auf YouTube und Instagram empfehlen, was man besuchen sollte und wo man in Paris, Malta oder Berlin gut essen kann. Seit einem Jahr reisen sie nun schon durch Europa. Das hat nun ein abruptes Ende genommen. "Vor 25 Tagen sind wir in Berlin angekommen. Wir sind hierhergekommen, um die Stadt zu sehen, um ihre Geschichte zu erleben", sagen sie der DW. Aber jetzt sind sie gefangen. "Wir haben ein Flugticket für den 30. März. Wir wollten nach New York und von dort aus die Ostküste hinunter nach Mexiko, durch Mittelamerika bis nach Kolumbien", erklären sie. Eine Reise, die jetzt durch die Coronavirus-Pandemie vereitelt wurde.

"Als Bürger Kolumbiens weiß ich, dass die Verantwortung bei unserer Regierung liegt. Ich möchte, dass Bogotá in einen diplomatischen Dialog mit der deutschen Regierung tritt, um Flüge zu koordinieren. Wir Kolumbianer könnten nach Hause fliegen und die Deutschen, die in Kolumbien feststecken, könnten dasselbe Flugzeug nehmen, um in ihre Heimat zu fliegen", schlägt Daniel Rubio vor - und weist darauf hin, dass es Kolumbien und der Schweiz in diesen Tagen gelungen ist, so einen Flug zu organisieren.

Durch die Streichung von Flügen und die Schließung der Grenzen in vielen Ländern sind immer mehr Lateinamerikaner in Europa gefangen. Niemand weiß, wie viele es sind, weil die Touristen sich nicht bei ihren Konsulaten melden. Ihre Situation verschlechtert sich stetig. "Das Hostel, in dem wir übernachtet haben, hat uns am Montag auf die Straße gesetzt, aber andere hätten uns schon vorher rausgeworfen", sagt Daniel. "Das Argument ist, dass sie auf Anweisung der Behörden keine Touristen mehr empfangen dürfen".

Blogger Daniel Andres Rubio und Stefany Castillo Molano (Privat)

Normalerweise gut gelaunt: Daniel Rubio und Stefany Castillo

Berliner mit Herz

"Glücklicherweise wurden Stefany, eine Umweltingenieurin aus Villavicencio im Osten Kolumbiens, und ich nach dem Verlassen des Hostels von einer Familie von Italienern und Kolumbianern aufgenommen", fügt Daniel hinzu. Er warnt, dass die Regierungen, wenn es ihnen nicht gelingt, einen Flug zu organisieren, sie 30 Tage lang isolieren würden und sie nicht in ihr Land einreisen können. "Eine andere Möglichkeit wäre zumindest eine Hilfe bei der Bezahlung der Unterkunft", sagt er.

Für Daniel ist klar, dass angesichts der globalen Notlage "die Staaten dem Gemeinwohl Vorrang vor dem Individuum geben müssen. Aber Lateinamerika hatte die Gelegenheit, viel früher als jede andere Region Maßnahmen ins Auge zu fassen", kritisiert er. Außerdem weist er darauf hin, dass Deutschland die Grenzen nicht für seine Bürger geschlossen, die kolumbianische Regierung aber die Schließung der Grenzen für alle angeordnet habe.

"Als Kolumbianer fühlen wir uns von unserem eigenen Land im Stich gelassen, denn weder die Konsulate noch die Botschaft haben uns eine echte Lösung präsentiert, sie schicken uns nur Formulare", sagt er. "Sie kümmern sich um gar nichts. Wir sind alle auf der Website der Migración Colombia registriert, aber die Wahrheit ist, dass wir uns sehr allein fühlen und von unseren Regierungen im Stich gelassen."

Working Holiday mit schlechtem Ausgang

Der Fall des Chilenen José Cantillana ist ein weiterer Traum, der geplatzt ist. Er kam mit einem "Working Holiday"-Visum nach Deutschland, einer Sondergenehmigung, mit der Lateinamerikaner aus einigen Ländern in Deutschland arbeiten und die Sprache lernen können. José kam vor drei Monaten an und dürfte eigentlich bis Februar 2021 bleiben. Er hatte bereits einen Job bei einem Handwerksbetrieb bekommen, war aber einer der ersten, der nach dem Ausbruch des Coronavirus in Berlin seinen Job verlor. Jetzt hat er kein Geld, er kann sich keine Unterkunft und Verpflegung mehr leisten. Nun will er so schnell wie möglich nach Chile zurückkehren, obwohl er weiß, dass die Situation in dem südamerikanischen Land schlechter sein könnte als in Deutschland. "Aber zumindest bin ich dann bei meiner Familie", sagt er der DW.

Wie in Kriegszeiten: Nächtliche Flucht aus Polen

Der Fall des Kolumbianers Oscar Izquierdo ist komplizierter. Er kam am 7. März nach Europa, einen Tag nach dem Ausbruch der Krise in Kolumbien, als dort der erste Fall einer Coronavirusinfektion festgestellt wurde.

Gestrandet in Deutschland (Oscar Izquierdo)

Würde gerne zurück in die Heimat: Oscar Izquierdo

Oscar, der in der Acción Cultural Popular, einer der anerkanntesten Bildungseinrichtungen Lateinamerikas, arbeitete, war von Deutschland nach Polen gewechselt. Hier sitzt er nun seit dem 16. März fest. In der polnischen Hauptstadt sind inzwischen alle staatlichen Stellen geschlossen worden. "Das Konsulat meines Landes in Polen konnte mir nur Informationen über die Grenzübergänge zwischen Polen und Deutschland, ihre Lage, Öffnungszeiten und Risiken geben", sagt er. Die Rückkehr nach Deutschland war seiner Meinung nach die beste Option, denn von Frankfurt könne er versuchen, zurück nach Lateinamerika zu kommen. Versucht haben dies zuvor schon andere. Aber nur wenige haben es geschafft.

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