Laschet bittet Gladbeck-Opfer um Vergebung | Aktuell Deutschland | DW | 14.08.2018
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Geiselnahme

Laschet bittet Gladbeck-Opfer um Vergebung

Kurz vor dem 30. Jahrestag der Geiselnahme von Gladbeck wendet sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet an die Opfer und Angehörigen. Bei der Aufarbeitung des Dramas sieht der Regierungschef noch großen Nachholbedarf.

Dieter Degowski / Geiselnehmer / Gladbecker Geiseldrama (picture-alliance/dpa)

Dieter Degowski mit mehreren Geiseln in einem gekaperten Bus in Bremen

An diesem Donnerstag jährt sich zum 30. Mal das Geiseldrama von Gladbeck. Vor dem Jahrestag hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet  die Angehörigen der drei Todesopfer und die weiteren Opfer um Entschuldigung gebeten. "Es ist die oberste Pflicht des Staates, seine Bürger zu schützen. Dies ist ihm in Gladbeck und in den Stunden danach unter dramatischen Umständen nicht gelungen", sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Berlin CDU-Vorstand trifft sich (picture-alliance/dpa/P. Zinken)

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet spricht die Fehler des Staates an

Laschet kritisierte, dass es eine Entschuldigung des Staates bei den Gladbeck-Opfern nie gegeben habe. Eine solche Entschuldigung mache zwar nichts ungeschehen. Dennoch sehe er sich als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen heute in der Pflicht, "um Vergebung dafür zu bitten, dass der Staat vor 30 Jahren nicht alle rechtsstaatlichen Mittel genutzt hat, den Opfern dieses schrecklichen Verbrechens den Schutz zu bieten, den sie verdient gehabt hätten".

Drei Tote nach langem Drama

Nach einem Banküberfall am 16. August 1988 in Gladbeck waren die beiden vorbestraften Kriminellen Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski mit wechselnden Geiseln in mehreren Fluchtfahrzeugen 54 Stunden lang kreuz und quer durch Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und die Niederlande gefahren. Bei dem über weite Strecken von Fernsehkameras übertragenen Drama starben zwei Geiseln und ein Polizist. Der Polizei wurden anschließend schwerwiegende Fehler vorgeworfen. Die Berichterstattung über den Fall gilt als historischer Sündenfall der Medien. Reporter lieferten spektakuläre Bilder. Aussagen der Gangster wurden ungefiltert gesendet. Anfang des Jahres kam Geiselgangster Degowski aus der Haft frei.

Rösner Gladbecker Geiselnehmer (picture-alliance/AP Photo)

Während der Geiselnahme gab Hans-Jürgen Rösner Interviews

Laschet sagte der Zeitung, es sei "mehr als überfällig", dass sich Nordrhein-Westfalen zu seiner Verantwortung bekenne. Anders als in Bremen, das seinen Anteil an dem missratenen Einsatz rasch, umfassend und im parteiübergreifenden Konsens aufgearbeitet habe, sei Vergleichbares in NRW aus machttaktischen Gründen unterblieben.

Am Donnerstag wird Laschet gemeinsam mit dem Bremer Bürgermeister Carsten Sieling und Niedersachsens Europaministerin Birgit Honé (beide SPD) das Grab von Silke Bischoff in Heiligenrode bei Bremen besuchen. Bischoff war im Laufe des Zugriffs durch Spezialkommandos am 18. August 1988 von einer Kugel aus Rösners Revolver getötet worden.

wo/wa (dpa, afp, epd)

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