Lage teils dramatisch: Corona in Europa | Europa | DW | 18.10.2020
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Deutschlands Nachbarländer

Lage teils dramatisch: Corona in Europa

Nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Ländern Europas sind die Infektionszahlen so hoch wie nie zuvor. Die Lage ist zum Teil ernst. Das zeigt ein Blick auf Deutschlands direkte Nachbarländer.

Wie gravierend die Corona-Lage ist, musste jedem spätestens klar geworden sein, als Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag in ihrem Videopodcast einen eindringlichen Appell an die Menschen in Deutschland richtete: "Ich bitte Sie: Verzichten Sie auf jede Reise, die nicht wirklich zwingend notwendig ist, auf jede Feier, die nicht wirklich zwingend notwendig ist. Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause, an Ihrem Wohnort." Einen Tag zuvor hatte das Robert-Koch-Institut mit 7830 neuen COVID-19-Fällen den bis dato höchsten Wert an Neuinfektionen innerhalb eines Tages in Deutschland bekanntgegeben. Bei den europäischen Nachbarn ist die Lage noch besorgniserregender.

Niederlande

Die Zahl der Neuinfektionen ist in den Niederlanden mit zuletzt knapp 8000 ähnlich hoch wie in Deutschland - allerdings haben die Niederlande nur 17 Millionen Einwohner - etwa so viele wie das angrenzende deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen. Daher ist die Lage dort erheblich bedrohlicher. Der Amsterdamer Virologe Hans Zaaijer sagte der niederländischen Zeitung "De Telegraaf": "Wir befinden uns im Vorlauf einer Katastrophe". Dazu trägt auch die geringe Zahl von Intensivbetten bei. Rund 1150 gibt es in den Niederlanden. Nordrhein-Westfalen hat mit 6000 rund fünf mal so viele. Die niederländische Regierung hat einen Teil-Lockdown angeordnet. Kneipen, Cafés und Restaurants mussten schließen, ab 20 Uhr darf kein Alkohol verkauft werden, bei sich zu Hause darf man pro Tag nicht mehr als drei Gäste empfangen. Bus und Bahn sollte man nur in dringen Fällen nutzen. Deutschland hat am Samstag die gesamten Niederlande als Risikogebiet ausgewiesen. Die Niederlande selbst erlauben Menschen aus Ländern die Einreise, in denen das Gesundheitsrisiko gleich oder niedriger eingestuft wird als in den Niederlanden. Dazu gehört auch Deutschland. Flugreisende müssen allerdings vor Reiseantritt ein Gesundheitsformular ausfüllen und bei sich tragen.  

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Belgien

Auch in Belgien liegt die Zahl der Neuinfektionen mit über 7000 innerhalb von 24 Stunden etwa auf dem Niveau von Deutschland und den Niederlanden. Allerdings hat Belgien mit rund elf Millionen Einwohnern noch einmal deutlich weniger als die Niederlande. Während Deutschland mit rund 40 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch recht gut dasteht, verzeichnen die Niederlande über 270 Infektionen pro 100.000 Einwohner - und Belgien sogar mehr als 370 Fällen. Wegen des extremen Anstiegs müssen in Belgien ab Montag alle Restaurants für vier Wochen schließen. Ab 20 Uhr darf kein Alkohol verkauft werden, von Mitternacht bis 5 Uhr gilt eine landesweite Ausgangssperre. Belgien gilt bereits seit dem 30. September als Risikogebiet. Belgien selbst hat die deutschen Städte Berlin und Bremen als "rote Zonen" eingestuft. Wer von dort nach Belgien einreist, muss in Quarantäne und kann frühestens am fünften Tag einen Corona-Test machen, der die Quarantäne bei negativem Ergebnis beendet. Vor Einreise muss man ein elektronisches Formular ausfüllen. 

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Frankreich

Auch in Frankreich liegt die Zahl von Corona-Neuinfektionen auf einem Rekordhoch. Zuletzt gab es innerhalb von 24 Stunden mehr als 32.000. Darum gilt für Paris und weitere große Städte seit Samstag eine Ausgangssperre von 21 Uhr bis 6 Uhr. Insgesamt betrifft sie rund 20 Millionen der insgesamt 67 Millionen Einwohner Frankreichs. Ab 21 Uhr müssen damit auch alle Restaurants, Bars und Kneipen in den betroffenen Gebieten geschlossen sein. Die Metropolen werden damit abends zu Geisterstädten. Nur aus triftigen Gründen wie medizinischen Notfällen oder dem Weg zur Arbeit gibt es Ausnahmen. Rund 12.000 Polizistinnen und Polizisten kontrollieren die Einhaltung der Ausgangssperre. Private Feiern wie Hochzeiten sind in angemieteten Räumen und öffentlichen Orten landesweit verboten. Das gesamte französische Festland wurde von deutschen Behörden am Samstag als Risikogebiet eingestuft. Frankreich selbst fordert für Reisende aus Deutschland keine weiteren Tests oder Formulare.

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Polen

Polen hat mit rund 38 Millionen Einwohnern etwa halb so viele wie Deutschland. Die Zahl der Corona-Infektionen liegt aktuell mit knapp 10.000 binnen 24 Stunden aber höher als in Deutschland. Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki teilte am Sonntag per Facebook mit, dass seine eigene Corona-Quarantäne beendet sei - einer seiner Personenschützer war positiv getestet worden. Doch im Rest des Landes treten an diesem Wochenende erhebliche Einschränkungen in Kraft. Insgesamt 150 Regionen in Polen wurden am Samstag zu sogenannten roten Zonen erklärt - darunter auch die Hauptstadt Warschau und mehrere andere Großstädte. Hochzeitsfeiern sind dort verboten. Schwimmbäder und Fitnessclubs müssen schließen. Restaurants dürfen von 21 bis 6 Uhr keine Gäste bewirten, dafür aber Essen zum mitnehmen anbieten. Die Schulen bleiben geschlossen. Stattdessen gibt es Fernunterricht. Die deutschen Behörden haben am Samstag insgesamt fünf Gebiete als Risikogebiete deklariert, darunter auch die Großstädte Danzig und Krakau. Polen fordert für Reisende aus Deutschland keine weiteren Tests oder Formulare.

Tschechien

Tschechien ist aktuell eines der am härtesten von der Corona-Krise betroffenen Länder. Bei rund elf Millionen Einwohnern hat es innerhalb von 24 Stunden über 11.000 neue Corona-Fälle zu verzeichnen. Das Land verzeichnet rund 430 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner - Rekordwert in Europa. Seit Mittwoch sind deshalb Bars und Restaurants geschlossen, im öffentlichen Raum gilt Alkoholverbot, der Unterricht an Schulen und Hochschulen findet digital statt. Am Freitagabend rief Präsident Milos Zeeman die Bürger in einer Fernsehansprache zu mehr Disziplin beim Maskentragen auf. "Uns steht nur eine Waffe zur Verfügung, solange es keine Impfung gibt", mahnte er. "Und diese Waffe ist ein kleines Stück Stoff." Tschechien haben die deutschen Behörden bereits am 25. September zum Risikogebiet erklärt. Tschechien fordert von Reisenden aus Deutschland einen Corona-Test innerhalb von fünf Tagen. Bis dahin besteht Quarantänepflicht.

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Österreich, Schweiz, Luxemburg und Dänemark

Auch die übrigen vier Nachbarländer verzeichnen derzeit höhere Neuinfektionsraten als Deutschland. Die geringste Rate gibt es in Dänemark mit knapp 50 Neuinfektionen. In Österreich sind es über 90, in der Schweiz und Luxemburg rund 140. In Österreich ist erstmals seit Monaten mit der 7000-Einwohner-Gemeinde Kuchl am Samstag wieder ein kompletter Ort unter Quarantäne gestellt worden. Die Ein- und Ausreise ist dort bis zum 1. November nicht mehr erlaubt. Aus Sicht der deutschen Behörden gelten drei Bundesländer in Österreich, zehn Kantone in der Schweiz, eine Region in Dänemark sowie das komplette Land Luxemburg als Risikogebiete. Luxemburg, Dänemark und Österreich haben keine besonderen Regelungen für Reisende aus Deutschland. Die Schweiz hat allerdings Berlin und Hamburg als Risikoregionen eingestuft. Wer aus diesen Regionen kommt, muss zehn Tage in Quarantäne oder einen negativen Corona-Test vorweisen.

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