Kyiv Media Week: Wo geht es hin mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk? | Europa/Zentralasien | DW | 04.10.2018
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Europa/Zentralasien

Kyiv Media Week: Wo geht es hin mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

Eine Woche lang ging es bei der Kyiv Media Week um die Zukunftsthemen der Medienindustrie. Kyryl Savin, Ländermanager Ukraine der DW Akademie, moderierte eine Diskussion zum Thema öffentlich-rechtliche Medien.

Kyryl Savin, DW Akademie, Zurab Alasania, Intendant von UA:PBC, und Andreas Weise, Journalist und Senior Reporter für das ZDF-heute-journal diskutierten über Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei der Kyiv Media Week. (Kyiw Media Week)

Kyryl Savin, DW Akademie, Zurab Alasania, Intendant von UA:PBC, und Andreas Weise, Journalist und Senior Reporter für das ZDF-heute-journal diskutierten über "Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks" bei der Kyiv Media Week.

Mehr als tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 35 Nationen treffen sich jedes Jahr bei der Kyiv Media Week, um über Innovationen im Journalismus zu sprechen.

Die DW Akademie organisierte in diesem Jahr eine Podiumsdiskussion zur Rolle und Herausforderung für europäische Medienhäuser in der postfaktischen Zeit. Kyryl Savin, Ländermanager der DW Akademie für die Ukraine, führte durch das Gespräch mit Zurab Alasania, dem Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der Ukraine, UA:PBC, und Andreas Weise, Journalist und Senior Reporter für das ZDF-heute-journal. Ein zentrales Thema: Die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Vertrauen in öffentlich-rechtliche Angebote stärken

Kyryl Savin, Ländermanager Ukraine der DW Akademie (Kyiw Media Week)

Kyryl Savin, Ländermanager Ukraine bei der DW Akademie

"Viele öffentlich-rechtliche Sender stehen in der sogenannten postfaktischen Zeit vor dem Problem, dass die Zuschauer ihnen immer weniger vertrauen. Es gibt zunehmend skeptische Stimmen, die sagen, dass Informationen manipuliert oder von Regierungsseite beeinflusst sind", sagt Savin.

In der Ukraine sei das Problem noch größer als in Deutschland, wo die Öffentlich-Rechtlichen schon viel länger etabliert seien. In der Ukraine dagegen sei das Modell noch sehr neu und werde daher nicht komplett verstanden. "Man hat Erfahrung mit dem staatlichen Rundfunk und es gibt eine Menge privater Sender. Doch was jetzt entsteht, wirkt für die Menschen in der Ukraine so, als sei es weder Fisch noch Fleisch. Das verstehen viele nicht, und wenn Leute etwas nicht verstehen, kommt automatisch Misstrauen auf", so Savin.

Eine wichtige Aufgabe sei es daher, das Vertrauen in die öffentlich-rechtlichen Angebote zu stärken. Dabei gehe es nicht um den Wettkampf um Einschaltquoten, stattdessen müsse man sich als verlässliche Informationsquelle etablieren: "Natürlich gibt es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk weniger Unterhaltungsformate, Hollywoodfilme oder verrückte Shows. Aber in Deutschland weiß man die Qualität der Öffentlich-Rechtlichen zu schätzen. Es gibt andere hochwertige Formate, Nachrichten, politische Analysen, auch Sport. In der Ukraine braucht man Zeit, damit sich dieses Wissen verbreitet."

Diskussionsrunde der DW Akademie zum Thema Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei der Kyiv Media Week (Kyiw Media Week)

Zurab Alasania, Intendant von UA:PBC, (links) und Andreas Weise, Journalist und Senior Reporter für das ZDF-heute-journal

Gemeinsame Herausforderung: die junge Zielgruppe

Mit Blick in die Zukunft fragten sich außerdem viele europäische Medienhäuser, wie sie gerade die junge Zielgruppe (wieder) gewinnen könnten. Das ZDF teste schon länger neue Formate, so Savin. Und auch in der Ukraine zeige man sich experimentierfreudig: "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk probiert die ganze Zeit neue Formate aus, weil sie unzufrieden sind mit ihrem Marktanteil. Sie wollen wachsen, sie wollen zeigen, dass sie attraktiv sind und etwas Ungewöhnliches machen." Zurab Alasania, der Intendant von UA:PBC, wolle dort hingehen, wo die jungen Menschen sind. Außer der Präsenz in sozialen Netzwerken könne er sich auch Möglichkeiten im Bereich Gamification vorstellen.

Langfristige Qualitätssicherung

Die DW Akademie unterstützt den Sender UA:PBC vor allem durch Beratung für die Unterstützung des organisatorischen Reformprozesses und die weitere Entwicklung einer Public Media Academy, in der Journalisten ausgebildet werden. "Natürlich kann man deutsche Erfahrungen nicht in der Ukraine übernehmen, man muss ja auch auf die lokalen Besonderheiten schauen", so Savin.

Aktuell werde ein neues, großes crossmediales Nachrichtenhaus aufgebaut. Savin: "Da werden komplett andere Möglichkeiten für die Nachrichtenproduktion entstehen, erst einmal rein technisch, aber dann auch mit Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und damit wird es hoffentlich noch höhere Qualität geben, und zwar nicht nur im Bereich Fernsehen, sondern auch für Radio und Soziale Netzwerke. Es wird sich viel verändern, wenn das Nachrichtenhaus entsteht."

Die Podiumsdiskussion wurde organisiert im Rahmen des Projekts "Unterstützung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Ukraine", finanziert von der Europäischen Union und dem Auswärtigen Amt. Gemeinsam unterstützen die DW Akademie, BBC Media Action und NIRAS den Reformprozess des staatlichen Rundfunks in der Ukraine, UA:PBC, in eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt. Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird auch ein crossmediales Nachrichtenzentrum errichtet.

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