Kunsthalle München: Reise zwischen Realität und Illusion | Kunst | DW | 17.08.2018
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Ausstellung

Kunsthalle München: Reise zwischen Realität und Illusion

​​​​​​​Schein oder Sein? Um diese Frage kreist die Münchener Ausstellung "Lust der Täuschung. Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality". Die Besucher erwartet ein Spiel mit ihrer Wahrnehmung. Überraschung garantiert!

Ist das, was wir sehen, wirklich real? Wie schnell lässt sich unser Auge täuschen? Das lotet die neueste Schau in der Kunsthalle München aus. Ergebnis: Unsere Wahrnehmung liefert ein Wechselspiel zwischen Illusion und Realität, Fakt und Fiktion, Schein und Sein, Wahrheit und Fake. Zu unvollkommen ist das menschliche Auge, zu uneindeutig die von ihm wahrgenommenen Bilder, um die Wirklichkeit abzubilden.

Künstler aller Epochen haben sich das zunutze gemacht, wie die Schau mit einem Augenzwinkern vorführt. Da ist die Freskenmalerei in einer italienischen Villa aus der Zeit um Christi Geburt, die geschickt räumliche Tiefe vortäuscht. Oder der flämische Stilllebenmaler Cornelius Gijsbrechts (1630-1683), dessen Szene einer Falkenjagd so täuschend plastisch wirkt, als hätten sich die erlegten Tiere nur kurz für ein Schläfchen hingelegt. Irritierend auch die Keramik der britischen Künstlerin Livia Marin, die aussieht, als löste sich der Werkstoff einfach auf, um weg zu fließen. Manche Künstler trieben es besonders toll mit der Wahrnehmung ihrer Betrachter. Sogar Gerhard Richter findet sich unter den ausgestellten Zeichnern, Graphikern, Bildbauern und Foto- und Videokünstlern aus vier Jahrtausenden.

Doch was genau geschieht, wenn optische Phänomene und Täuschungen die Sinne des Betrachters auf den Holzweg führen?


Cornelis Gijsbrechts (Statens Museum for Kunst, Kopenhagen)

"Trompe L’œil mit Atelierwand und Vanitas-Stillleben" von Cornelis Gijsbrechts

Spiel mit den Sinnen

Die menschliche Wahrnehmung ist äußerst fehleranfällig, sie kann durch Strukturen, Farbverteilung und Räumlichkeit schnell verwirrt werden. Diese Täuschungen nimmt das Auge durchaus wahr. Es bemerkt den Unterschied zwischen Gesehenem und Erkanntem. Allerdings kann das Gehirn das Wahrgenommene nicht so schnell verarbeiten, wie das Auge bereits neue Reize aufnimmt. Denn es muss zunächst verarbeitet, gefiltert und sortiert werden, bevor ein Ergebnis entstehen kann.

Ein Blatt Papier ist hochgeblättert, darunter erscheint eine handschriftliche Notitz auf einem weiteren Papier (Museum Kurhaus Kleve)

"Blattecke" von Gerhard Richter

Täuschende Kunst ist ein altbekanntes Phänomen

In neuerer Zeit weichen Photoshop oder Instagram-Filter die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion immer weiter auf: Die digitale Bildbearbeitung ist inzwischen so perfekt, dass genaues Hinsehen nicht ausreicht, um die Wirklichkeit zu erkennen. Wie beispielsweise im Fall der Werke von Evan Pennys, der durch einen Mix von modellierten Tonfiguren, Fotografie und digitaler Animation, abfotografierte hyperrealistische Porträtbüsten schafft. Oder Daniel Crooks Videoarbeit "Phantom Ride", die den Betrachter auf eine imaginäre Reise durch Raum und Zeit mitnimmt.

So rückt die Münchener Ausstellung Werke und Objekte der verschiedenen Jahrhunderte ins Bild. Viele stellen die Wahrnehmung der Besucher auf eine harte Probe, ermuntern so aber zum genauen Hinsehen.  

Blaue Weintrauben hängen vor einer Holztür (Pierre Gilou)

"Trompe l’œil mit hängenden Trauben" von Pierre Gilou

Die Ausstellung"Lust der Täuschung. Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality" ist vom 17. August 2018 bis zum 13. Januar 2019 in der Kunsthalle München zu sehen.

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