Kunst und Kultur: die Aufreger 2018 | Kultur | DW | 26.12.2018
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Jahresrückblick

Kunst und Kultur: die Aufreger 2018

In politisch aufgewühlten Zeiten geht es auch in der Kultur verstärkt darum, Stellung zu beziehen. Das Jahr 2018 hat verdeutlicht, wie notwendig die streitbare Auseinandersetzung und wie unklar manche rote Linie ist.

Kunst und Kultur verhandeln gesellschaftliche Entwicklungen. Sie verweisen in die Vergangenheit und reichen in die Zukunft. Sie können die Realität aufreißen, zerlegen und codiert neu zusammensetzen, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. 

Kunst und Kultur sind in der Geschichte von einem politisch aufgewühlten Klima nie unberührt geblieben. Das Jahr 2018 hat einmal mehr verdeutlicht, wie sehr die Kultur dort unter Druck gerät, wo freie Demokratien gefährdet sind - insbesondere in ihrer Funktion als Gegengewicht.

Filmfestival Cannes 2018 - Asia Argento (picture-alliance/AP/V. le Caer)

Opfer und Täterin: Asia Argento

Kultur unter staatlicher Kontrolle

In den USA verbot Präsident Donald Trump Journalisten das Wort; in Polen drängt die Regierung kritische Kulturschaffende aus ihren Positionen, um diese mit genehmeren Leuten zu besetzen; die ungarische Presse ist auf Regierungslinie getrimmt; in Russland kündigte Präsident Wladimir Putin zum Jahresende an, Rapmusik unter staatliche Kontrolle zu stellen.

Wer die bloße Machtfülle großer Internetkonzerne allein schon skeptisch beäugt, zuckt wohl erst recht beim Szenario zusammen, das die Zusammenarbeit dieser Unternehmen mit der Politik skizziert. Was ist, wenn Plattformen wie Facebook Regierungskritikern nicht mehr als Tor zur Welt dienen, sondern sich deren Zensur und Verfolgung anschließen? Dass die Grenzen zwischen Freiheit und Zensur bei dem sozialen Netzwerk fließend sind, zeigte 2018 die anhaltende Löschung von Bildern, auf denen Kunstwerke mit Nackten abgebildet waren.

Finnland Treffen Trump und Putin (picture-alliance/ZumaPress)

Freundschaftlich verbunden im Kampf gegen Kultur und Medien: die Präsidenten Trump und Putin

Schnelllebigkeit spitzt Diskurse zu

Hinzu kommt ein Medienbetrieb, dessen Schnelllebigkeit die gesellschaftlichen Diskurse eher zuspitzt als sie zu entschleunigen. So geschehen, als in der #MeToo-Debatte herauskam, dass Asia Argento, bis dato führende Protagonistin der Bewegung, vor Jahren selbst einen Jugendlichen sexuell bedrängt haben und später Schweigegeld gezahlt haben soll.

Prompt wurden die Aussagen Argentos, sie sei von Filmmogul Harvey Weinstein missbraucht worden, in Zweifel gezogen. Dabei zeigten sich lediglich zwei Seiten derselben Medaille: Nur, weil die eine richtig ist, muss die andere nicht falsch sein.

Zuspitzung und Vereinfachung - es sieht nicht danach aus, als würde 2019 ein ruhigeres Jahr werden. Die Kultur muss sich der Bedrohungen erwehren. Unsere Kulturaufreger des Jahres 2018 finden Sie in unserer Bildergalerie.

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