Kultursekretär nach ″Goebbels-Rede″ entlassen | Aktuell Welt | DW | 17.01.2020
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Brasilien

Kultursekretär nach "Goebbels-Rede" entlassen

Da hatte selbst der rechtsgerichtete Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro, keine Wahl mehr: Nach dem Skandal um eine Rede im Stil von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels hat er seinen Kulturstaatssekretär rausgeworfen.

Brasilien Roberto Alvim (Getty Images/AFP/N. Almeida)

Bevor er sein politisches Amt übernahm, war Roberto Alvim Theaterdirektor in der brasilianischen Metropole São Paulo

Die Rede des Kulturstaatssekretärs Roberto Alvim hatte in Brasilien Bestürzung ausgelöst. Künstler wie der Schriftsteller Antonio Prata oder der Sänger Marcelo D2 äußerten sich entgeistert. In einem Video, das das Sekretariat für Kultur der Regierung des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro auf Twitter postete, sagte Alvim: "Die brasilianische Kunst des nächsten Jahrzehnts wird heroisch sein und sie wird national sein. (...) Oder sie wird nichts sein."

Brasilianische Medien wie das Nachrichtenportal "G1" oder die Tageszeitung "Folha de S. Paulo" verglichen die Passage mit Aussagen von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Sie verwiesen dabei auf eine Goebbels-Biografie des deutschen Historikers Peter Longerich. Demnach hatte Goebbels 1933 vor Theaterleitern gesagt: "Die deutsche Kunst des nächsten Jahrzehnts wird heroisch, sie wird stählern romantisch (...) sein, oder sie wird nichts sein." 

Hat Alvim nichts gewusst?

Auch die Ästhetik des Videos, der Ton des Vortrags und die Hintergrundmusik aus der Oper "Lohengrin" von Richard Wagner erinnerten brasilianische Beobachter an Nazi-Propaganda. Später erklärte Alvim auf Facebook, die Übereinstimmung sei Zufall gewesen und er habe nicht gewusst, woher der Satz stammte. Hätte er es gewusst, hätte er es nie gesagt. 

Angesichts des "bedauernswerten Zwischenfalls" habe er seinen Rücktritt eingereicht, um Bolsonaro "zu schützen", erklärte Alvim. Kurz darauf bestätigte Präsident Jair Bolsonaro Alvims Rücktritt und erklärte, dessen "unglückliche Äußerungen" hätten es unmöglich gemacht, ihn weiter im Amt zu halten. Der Staatschef betonte gleichzeitig seine Zurückweisung "totalitärer und völkermordender Ideologien wie dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus" und versicherte der jüdischen Gemeinde seine "uneingeschränkte Unterstützung".

Mit dem Video hatte ursprünglich der von der Regierung Bolsonaro neu geschaffene Kunstpreis bekannt gemacht werden sollen. Die deutsche Botschaft in Brasília verurteilte die Rede. Man stelle sich jedem Versuch entgegen, eine Zeit zu banalisieren oder sogar zu glorifizieren, die unendliches Leiden für die Menschheit gebracht habe, heißt es in einer Erklärung in den sozialen Medien

Alvims Posten entspricht dem eines Kulturministers.  Das Kulturministerium wurde unter Bolsonaro abgeschafft.

nob/uh (dpa, afp)