Kulturschaffende fordern Schutz für afghanische Kollegen | Kultur | DW | 08.09.2021
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Kulturszene

Kulturschaffende fordern Schutz für afghanische Kollegen

In einem offenen Brief rufen Prominente der deutschen Kulturszene die Bundesregierung zum Handeln auf. Nun reagiert Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Afghanistan - Graffiti

Afghanische Kulturschaffende vor ungewisser Zukunft

Mehr als 80 prominente Kulturschaffende aus Deutschland haben einen offenen Brief an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, unterschrieben. Sie fordern, die Politikerin solle sich persönlich für Künstler und Künstlerinnen in Afghanistan einsetzen – nicht nur mit Worten, sondern mit konkreten Taten.

"Tausende afghanische Aktivisten, Journalisten und Kulturschaffende, unter ihnen Filmemacher, Fotografen, Autoren, Künstler und Theaterleute, haben in den letzten 20 Jahren dazu beigetragen, die afghanische Zivilgesellschaft aufzubauen", erklären die Unterzeichner. "Wir dürfen sie nicht im Stich lassen!"

Mitunter seien die afghanischen Künstler von westlichen Institutionen ausgebildet oder gefördert worden, heißt es weiter im Brief. "Jetzt, nach dem Abzug der westlichen Truppen und der Machtübernahme der Taliban, sind diese Frauen und Männer in akuter Lebensgefahr und von islamistischen Repressionen und Terror bedroht." Die Forderungen, die am Dienstag als Anzeige in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) veröffentlicht wurden, adressieren Grütters direkt: "Machen Sie es zu Ihrer Sache, eine deutsche Schutzzusage auch für diesen Personenkreis auszusprechen."

Berühmte Unterstützer

Eine Vielzahl prominenter Kulturschaffender stehen als Unterzeichner des offenen Briefs, darunter der Dirigent Daniel Barenboim , die Berlinale-Direktoren Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek , die Filmemacher Volker Schlöndorff  und Wim Wenders , sowie der Fotograf Wolfgang Tillmans.

Am Dienstag hatten die Taliban erste Mitglieder ihrer Übergangsregierung vorgestellt und zudem das Frauenministerium aufgelöst - nur Tage nach der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten, die sich gegen die Einschränkungen der Frauenrechte unter den Taliban richteten.

Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, Direktoren der Berlinale, stehen nebeneinander.

Die Berlinale-Direktoren Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek sind zwei der prominenten Unterzeichner des Briefs

Staatsministerin will Mittel bereitstellen

Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, antwortete die Kulturstaatsministerin nun auf den offenen Brief und die jüngsten Entwicklungen. Die Situation in Afghanistan bliebe weiterhin dramatisch und die Notlage groß. "Nach ihrer Ankunft in Deutschland setze ich mich persönlich mit aller Kraft dafür ein, die geflohenen Menschen angemessen zu unterstützen", so Grütters. "Dazu stellen wir kurzfristig zusätzliche finanzielle Mittel bereit, um Hilfsangebote für Geflüchtete im Kultur- und Medienbereich, wie zum Beispiel 'Writers in Exile' bei uns im Inland noch stärker auszubauen."

Staatsministerin Grütters steht an einem Podium

Staatsministerin Grütters verspricht Hilfe für afghanische Geflüchtete

Writers-in-Exile ist eine Initiative der Bundesregierung, die exilierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in ihren Heimatländern verfolgt werden, mit finanziellen Zuschüssen und Wohnunterkünften unterstützt.

Der offene Brief der deutschen Kulturschaffenden ist keinesfalls der erste Aufruf zur Unterstützung afghanischer Künstler. Erst in dieser Woche noch hatten Regisseure aus Afghanistan die Gemeinschaft Filmemachender um Unterstützung gebeten.

Die afghanische Regisseurin Sahraa Karimi bei einem Interview

Konkreter Aufruf: Filmemacherin Sahraa Karimi fordert Fluchtmöglichkeiten für die afghanische Bevölkerung

Sahraa Karimi, die erste weibliche Präsidentin der staatlichen Filmgesellschaft Afghan Film, rief internationale Filmorganisationen, einschließlich der European Film Academy, auf, ihre jeweiligen Regierungen zu drängen, humanitäre Korridore einzurichten, die Künstlern und anderen Menschen die Flucht aus Afghanistan ermöglichen. Auch sollten die Regierungen diesen Menschen den Status als politische Geflüchtete anerkennen.

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