Kubas langer Weg zu McDonald′s | Wirtschaft | DW | 14.08.2015
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Wirtschaft

Kubas langer Weg zu McDonald's

Die Wiedereröffnung der US-Botschaft in Kuba markiert den nächsten Schritt zur Normalisierung der Beziehungen. Doch bevor US-Firmen in Kuba Geschäfte machen können, sind noch viele Probleme zu lösen.

"Coca Cola und McDonald's sind willkommen in Kuba." Es war nicht irgendwer, der im Januar diese Einladung zu Geschäften auf Kuba aussprach, sondern Álex Castro-Soto, Sohn von Revolutionsführer Fidel Castro.

Kurz zuvor hatte US-Präsident Barack Obama die Neuausrichtung seiner Kuba-Politik verkündet. Seitdem strömen US-amerikanische Reisende, Politiker und Unternehmer auf die lange "verbotene" Insel.

Am Freitag (14.08.2015) kommt nun John Kerry als erster US-Außenminister seit 70 Jahren nach Kuba, um die US-Botschaft in Havanna feierlich wiederzueröffnen. Nach mehr als einem halben Jahrhundert wird dann das Sternenbanner als sichtbares Zeichen diplomatischer Beziehungen wieder in der kubanischen Hauptstadt wehen.

Zugpferd Tourismus

Vor allem Kubas Wirtschaft profitiert von der Annäherung. Inbesondere der Tourismus hat spektakulär zugelegt, in den ersten vier Monaten dieses Jahres stiegen die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15 Prozent. Insgesamt wuchs die Wirtschaft im ersten Halbjahr um 4,7 Prozent, nach bescheidenen 1,3 Prozent im vergangenen Jahr.

Probleme bereitet weiterhin die Landwirtschaft. Daran hat auch die Zulassung unabhängiger Kleinbauern und Kooperativen bisher wenig geändert. Ein Großteil der Lebensmittel muss immer noch importiert werden.

Auch benötigt Kubas Wirtschaft dringend ausländisches Kapital. Das neue Gesetz zu Auslandsinvestitionen ist seit einem Jahr in Kraft. Der 8,7 Milliarden US-Dollar schwere Investitionskatalog der Regierung enthält 246 Projekte - von Hühnerzucht über Herstellung von Impfstoffen bis hin zur Errichtung von Windparks. In der Sonderwirtschaftszone Mariel, östlich von Havanna, werden gerade die ersten Unternehmen angesiedelt.

Ein weiteres Hindernis ist das doppelte Währungssystem. Die geplante Zusammenführung der beiden kubanischen Währungen verläuft nur langsam, die Angst vor einer unkontrollierten Inflation ist groß.

Wettlauf um Marktanteile

Im Moment profitieren vor allem Europäer und Chinesen von der Annäherung zwischen den USA und Kuba. Bestehende Verbindungen werden gestärkt und neue Projekte angestoßen. Spanische Touristikkonzerne wie Melía Globalia, Barceló und Iberostar - ohnehin stark in Kuba engagiert - haben angekündigt, ihr Geschäft auszubauen. Chinesische und britische Unternehmen haben den Zuschlag für den Bau von Golfkursen erhalten. Und als Frankreichs Präsident Francois Hollande im Mai Kuba besuchte, wurde er von einer starken Wirtschaftsdelegation begleitet. Deutschland hinkt dem Geschehen eher hinterher - trotz der Visite von Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Juli.

USA Wiedereröffnung der Kubanischen Botschaft in Washington

Bereits im Juli wurde die kubanische Botschaft in der US-Hauptstadt Washington eröffnet.

In der US-Wirtschaft dagegen wächst die Unruhe. Ausländische Unternehmen drängten auf den kubanischen Markt und "lassen US-Unternehmen kaum etwas übrig, wenn die Beschränkungen ganz aufgehoben werden", so der Chef der Hotelkette Marriott, Arne Sorensen, der kürzlich erstmals Kuba besuchte.

Die Stimmen für eine Aufhebung der Sanktionen werden auch in den USA lauter. Zuletzt hatten die Zeitungen New York Times und Boston Globe in Leitartikeln die Aufhebung der seit 1962 bestehenden US-Blockade gefordert. Auch die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ist für die Aufhebung, während potenzielle Kandidaten der Republikaner wie Marco Rubio, Jeb Bush oder Ted Cruz noch dagegen sind.

Zahlreiche republikanische Abgeordnete jedoch, gerade aus den Bundesstaaten des Mittleren Westens, die Kuba als Absatzmarkt für ihre Agrargüter sehen, haben Gesetzesinitiativen zur Aufhebung der Beschränkungen eingebracht. Beobachter halten es aber für unwahrscheinlich, dass solche Gesetze in absehbarer Zeit verabschiedet werden.

Vielmehr wird wohl Präsident Obama seine Vollmachten als Präsident nutzen, um bestehende Handels- und Reiserestriktionen zu lockern. Das hat er bereits in der Vergangenheit getan.

Hürdenlauf für US-Unternehmen

Seit einigen Monaten können US-Reisende über das Onlineportal Airbnb Privatunterkünfte auf Kuba mieten. "Ich glaube nicht, dass wir jemals einen Markt hatten, der so schnell wächst wie Kuba", sagte Airbnb-Chef Brian Chesky dazu im Mai.

In anderen Bereichen läuft es weniger reibungslos. So hat die Regierung in Washington US-Fährunternehmen Lizenzen für Verbindungen nach Kuba erteilt, die Genehmigungen von kubanischer Seite stehen allerdings noch aus. US-amerikanische Banken sollen künftig Konten in Kuba eröffnen können, aber die kubanische Regierung hat dazu noch keine Details bekanntgegeben. Kreditkarten aus den USA sind zwar erlaubt, aber niemand kann sie benutzen, da Kuba sie noch nicht autorisiert hat. Gleichzeitig darf Kuba wegen der US-Blockade keine Transaktionen in US-Dollar tätigen.

Es gibt also noch zahlreiche Hindernisse aus dem Weg zu räumen, bevor US-Unternehmen in Kuba ihren Geschäfte nachgehen können. Erst im Juni riet ein Bericht des Investmentunternehmens JLL (Jones Lang LaSalle) US-Investoren zur Vorsicht beim Engagement in Kuba.

"Wir haben festgestellt, dass noch viel Risiko im Spiel ist. Es gibt kein solides Bankensystem, die physische Infrastruktur des Landes ist eine Herausforderung, und mit dem aktuellen Embargo ist es US-Unternehmen nicht gestattet, einen Vertrag mit der [kubanischen] Regierung einzugehen", so Steve Medwin von JLL. Die kubanische Regierung wiederum habe kein Interesse an einer "Schocktherapie" und sei darauf bedacht, die wirtschaftliche Öffnung sozial abzufedern.

Zwar weht ab Freitag wieder die US-Flagge über der US-Botschaft in Havanna - auf die erste McDonald's-Filiale müssen die Kubaner aber noch etwas warten. Ohne Aufhebung der US-Blockade und Rückgabe der US-Militärbasis in Guantanamo wird es ohnehin keine vollständige Normalisierung der Beziehungen beider Länder geben, das hat die kubanische Regierung wiederholt klargemacht.