1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

Nachbarländer alarmiert wegen Krise in Mali

30. Mai 2021

Nach dem zweiten Putsch in Mali binnen eines Jahres steht das Land vor der Isolation - Frankreich droht mit dem Abzug seiner Anti-Terror-Truppen. Westafrikas Staatschefs überlegen, wie sie reagieren sollen.

https://p.dw.com/p/3uC8Y
Mali Oberst Assimi Goita, neuer Übergangspräsident
Oberst Assimi Goita ist der neue starke Mann in MaliBild: AP Photo/picture alliance

Die Staats- und Regierungschefs der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS sind zu einem Sondergipfel in Ghana zusammengekommen. Nach dem zweiten Putsch in Mali binnen eines Jahres beraten sie jetzt über eine gemeinsame Reaktion. 

Nach dem Putsch gegen den bisherigen malischen Übergangspräsidenten Bah Ndaw und dessen Regierungschef Moctar Ouane am vergangenen Montag hatte das Verfassungsgericht Goïta zum neuen Interimspräsidenten erklärt. Der Armee-Oberst und bisherige Stellvertreter von Ndaw solle nun den Übergangsprozess im Land bis zum Ende führen, erklärte das Gericht.

Zum Rücktritt gezwungen

Goïta war Anführer der Putschisten, die im August 2020 den gewählten Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta nach anhaltenden Protesten gestürzt hatten. Ndaw und Ouane sollten die Rückkehr zur Zivilherrschaft sicherstellen. Anfang der Woche nahm das Militär sie aber fest und zwang sie zum Rücktritt. Goïta warf ihnen vor, die Übergangsvereinbarungen verletzt zu haben, nachdem sie bei einer Kabinettsumbildung zwei Putschvertreter unabgesprochen auf den Schlüsselposten als Verteidigungs- und Sicherheitsminister ersetzt hatten.

Weltspiegel | Bamako, Mali | Militärputsch, Protest gegen Frankreich
Nach dem Militärputsch protestieren Demonstranten gegen den französischen Einfluss in MaliBild: Michele Cattani/AFP

Die internationale Gemeinschaft hatte die jüngsten Entwicklungen in Mali scharf verurteilt, Frankreichs Präsident Macron sprach von einem "Staatsstreich im Staatsstreich". In einem Interview mit der Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" drohte Macron nun, die französischen Soldaten aus dem westafrikanischen Staat abzuziehen, sollte sich dieser dem Islamismus zuwenden. 

Handelsaustausch mit Mali ist gestoppt

In Mali gebe es derzeit die "Versuchung", sich dem radikalen Islamismus anzunähern, sagte Macron. Er fügte hinzu: "Radikaler Islamismus mit unseren Soldaten dort? Niemals". Gegenüber den westafrikanischen Staats- und Regierungschefs habe er deutlich gemacht, dass diese keine Regierung unterstützen dürften, die "keine demokratische Legitimität mehr" habe, so der französische Staatschef in dem Interview weiter.

Belgien EU-Gipfel l Französischer Präsident Macron
Der französische Präsident droht mit dem Truppenabzug aus Mali (Archivbild)Bild: John Thys/AP/picture alliance

Der ECOWAS-Gipfel berät in Ghana über das weitere Vorgehen nach dem neuerlichen Putsch in Mali - Ergebnisse liegen noch nicht vor. Dabei lud er nach eigenen Angaben auch Goïta zu "Beratungen" ein. Der Oberst reiste laut Präsidialamt bereits am Samstag in die ghanaische Hauptstadt Accra. Nach dem ersten Umsturz im August hatte die westafrikanische Gemeinschaft die Grenzen zu Mali geschlossen und die finanziellen Transaktionen sowie den Handelsaustausch mit dem Land gestoppt.

Auch Bundeswehr in Mali aktiv

Die politische Situation in Mali ist seit 2012 von starker Instabilität geprägt. Die meist dschihadistisch motivierte Gewalt hat in den vergangenen Jahren auch die benachbarten Länder in der Sahel-Zone erreicht. Neben der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich ist auch Deutschland mit der Bundeswehr im Rahmen von Missionen der EU und der UN in Mali im Einsatz, um zur Stabilisierung des Landes beizutragen.

nob/haz (afp, rtr, dpa)