Kribi: Eine Stadt, ein Hafen, zwei Welten | Asien | DW | 03.01.2018
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Asien

Kribi: Eine Stadt, ein Hafen, zwei Welten

Kribi an der Westküste Afrikas war bis vor wenigen Jahren nur ein Fischerdorf von Kamerun. Dort soll in einigen Jahren der größte Hafen Zentralafrikas entstehen, mit Geld und Bauträger aus China.

Der Hafen Port Autonome de Kribi ist eines der größten Projekte der chinesischen Investitionsoffensive in Afrika. Wenn er fertiggestellt ist, wird Kribi der größte Tiefwasserhafen Zentralafrikas sein.

Finanziert wird das Hafenprojekt mit geplanten 1,1 Milliarden Euro zu 85 Prozent von der chinesischen Exim-Bank (The Export-Import Bank of China), während der Rest von der kamerunischen Regierung getragen wird. Die staatliche China Harbour Engineering Corporation (CHEC) führt den Bau durch. Auch die Verkehrsinfrastruktur in der Region soll neu gebaut werden.

Bodenschätze für China

Durch den Bau des Hafens erhofft sich Kamerun, dass er der Wirtschaft neuen Auftrieb verleihen wird. Außerdem soll er den Hafen der bevölkerungsreichsten Stadt Kameruns Duala entlasten und größeren Schiffen als Anlegeplatz dienen. Die nahegelegenen Eisenvorkommen, welche durch ein geplantes Schienen- und Straßennetz angeschlossen werden sollen, sind indes wichtig für das ressourcenhungrige China.

Für das Projekt musste das ganze Dorf Lolabe Platz machen. Der chinesische Bauträger CHEC errichtete Wohnsiedlungen für die 300 Dorfbewohner. Das Grundstücksrecht Kameruns ist nicht klar geregelt. Die Bewohner Lolabes aus dem Volk der Yasa gründeten das Dorf Anfang des 20. Jahrhunderts ohne Grundstücksaneignung oder Behördengang. Die wenigsten besitzen deswegen Dokumente, die beweisen, dass Ihnen das Grundstück gehört. Wäre es nicht der Hafen, würden die Bewohner Lolabes bis heute nicht wissen, was Grundbesitz bedeutet. Sie erhielten geringe Entschädigung und wurden gezwungen, ihre Heimat schlagartig zu verlassen.

China Philemon Yang und Xi Jinping (Getty Images/AFP/Wang Zhao)

Kameruns Premierminister Yang mit Chinas Präsident Xi im Jahr 2015 in Peking

Ausufernde Korruption

Doch damit nicht genug: Von umgerechnet 36 Millionen Euro, die Premierminister Philémon Yang 2010 als Entschädigungsgelder bewilligte, wurden 2013 nach offiziellem Abschluss lediglich 22 Millionen ausgezahlt. Vermutlich landete der Rest in den Händen von korrupten Beamten.

"Als sie hörten, dass der Bau am Hafen anfing, waren die Dorfbewohner sehr optimistisch. Wir hofften darauf, dass die Bauarbeiten Arbeit bringen und unsere Leben verbessern würden", berichtet Theodore Ivaha, Vize-Dorfvorsteher von Lolabe. "Aber seit einigen Jahren ärgern wir uns, dass wir davon gar nicht profitieren."

Zwar gibt es durch die Baustelle neue Arbeitsplätze, jedoch werden diese nicht von Einheimischen besetzt, sondern von Kamerunern aus anderen Teilen des Landes. Grund dafür sind die notwendigen Qualifikationen, die die meisten Menschen aus der Region Kribi, vor allem den Dörfern in direkter Umgebung des Hafens, nicht besitzen.

Die Dorfbewohner warteten vergeblich darauf, dass CHEC-Mitarbeiter persönlich ihr Dorf besuchen, um Arbeitskräfte anzuwerben. Für die französischen Unternehmen im Land ist diese Praxis üblich. Doch das geschah nicht. Die offenen Stellen wurden durch Aushänge angekündigt und rasch besetzt. Viele der zugezogenen Kameruner werden von den Ortsansässigen beschuldigt, die Arbeitsplätze zu "klauen".

Kamerun Kibri (picture alliance/Bildagentur-online/AGF)

Strände in Kribi

Chinesischer Baumeister, kamerunischer Bauarbeiter

Kamerunische Arbeiter beschweren sich über harte Arbeitsbedingungen, während chinesische Vorgesetzte schlechte Arbeitsmoral ankreiden. "Es ist, als würde man im Sand nach Gold suchen", sagt der Bauleiter Qiangqiang Li.

Diese Kulturunterschiede zu überbrücken, fällt nicht leicht. Chinesische Mitarbeiter leben in einem geschlossenen Camp am Hafen mit Wohnheim, Büros und Kantine mit chinesischem Koch. Nur selten verlassen die rund 300 Chinesen das Hafengelände. Austausch mit Einheimischen findet kaum statt. Lokale Produkte finden, anders als man zunächst hoffte, bei den Chinesen wenig Abnehmer.

Christophe Bobiokono, von Beruf investigativer Journalist, sagt: "Die Regierung sollte eigentlich zwischen ausländischen Unternehmen und den Anwohnern vermitteln und die Wünsche der Bewohner darlegen, um den ausländischen Organisationen und Unternehmen zu helfen, die Entwicklung vor Ort zu fördern. Aber in Afrika versagen viele Regierungen, weshalb ausländische Firmen sich nicht auf sie verlassen können."

So obliegt es CHEC und den Einheimischen, zusammen eine funktionierende Kommunikationsplattform zu errichten. Es gibt erste Annäherungen im Arbeitsumfeld. Durch die vielen zugezogenen Arbeiter aus anderen Teilen des Landes erhofft man sich mehr Tourismus durch Familienbesuche.