Kremlgegner Nawalny in Straflager mit Krankenstation verlegt | Aktuell Europa | DW | 19.04.2021
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Russland

Kremlgegner Nawalny in Straflager mit Krankenstation verlegt

Seit fast drei Wochen protestiert Kremlgegner Nawalny mit einem Hungerstreik. Dem Oppositionellen geht es immer schlechter. Zwar brachte man ihn in eine Krankenstation, aber sein Team ist trotzdem in Sorge.

Alexej Nawalny während einer Anhörung vor dem Moskauer Bezirksgericht Babuskinsky

Alexej Nawalny während einer Anhörung vor dem Moskauer Bezirksgericht Babuskinsky

Der Kremlkritiker Alexej Nawalny, der sich in einem Straflager in einem Hungerstreik befindet, ist in ein Krankenhaus für Gefangene verlegt worden. Er sei in eine Einrichtung auf dem Gelände eines anderen Straflagers gekommen, teilte der Strafvollzug in Moskau mit. Der Gesundheitszustand des russischen Oppositionellen wurde demnach als "zufriedenstellend" bezeichnet. Er werde täglich von einem Arzt untersucht. Nawalnys Team sagte dagegen, der 44-Jährige sei lediglich in ein anderes Straflager gebracht worden - und nicht in eine Klinik.

Nach Angaben seiner Anhänger ist der Zustand des Gefangenen kritisch. Sie fürchten um das Leben des Oppositionellen, der sich nach ihren Angaben seit Ende März im Hungerstreik befindet.

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Sorge um Russlands bekanntesten Regierungskritiker

"Zwanzig Tage im Hungerstreik - das ist eine Menge"

"Wir wissen nicht, was mit ihm über das Wochenende passiert ist, weil die Anwälte ihn nicht besuchen dürfen", sagte die Nawalny-Mitstreiterin Ljubow Sobol einem Moskauer Radiosender. "Ich denke, es besteht keine Hoffnung, dass wir heute gute Nachrichten über seine Gesundheit erhalten. Ich denke, sein Zustand ist wirklich sehr kritisch, fast sehr ernst. Zwanzig Tage im Hungerstreik - das ist eine Menge." Nawalny wurde nach eigenen Angaben von den Behörden mit Zwangsernährung gedroht.

Bundesaußenminister Heiko Maas begrüßte die Verlegung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny in ein Krankenhaus. Es sei eine "gute Nachricht (...), dass Herr Nawalny nun endlich dringend benötigte medizinische Versorgung zu erhalten scheint", sagte Maas nach Beratungen mit seinen EU-Kollegen. "Unsere Sorge um die körperliche Verfassung von Herrn Nawalny wird dadurch aber nicht geringer." Denn diese sei Folge einer Haft, "in der er überhaupt nicht sein dürfte".

Der Außenbeauftragte der Europäischen Union, Josep Borrell, machte die russischen Behörden für Nawalnys gesundheitliche Lage verantwortlich. Die Situation sei sehr besorgniserregend, Russland müsse für eine Behandlung sorgen, forderte Borrell anlässlich einer Videokonferenz der 27 EU-Außenminister. Zuvor hatten bereits die USA Moskau mit "Konsequenzen" gedroht, sollte Nawalny in der Haft sterben.   

Sorge wegen Nierenversagen und Herzstillstand

Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker von Präsident Wladimir Putin. Er hatte 2020 einen Giftanschlag in Russland überlebt und war in Deutschland ärztlich behandelt worden. Bei der Rückkehr in seine Heimat im Januar wurde er festgenommen und wegen angeblicher Verstöße gegen Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ende März kündigte er einen Hungerstreik an, weil sich die Behörden nach seiner Darstellung weigerten, ihn wegen akuter Rücken- und Beinschmerzen angemessen zu behandeln. Nach Angaben von Gefängnismitarbeitern wurde Nawalny eine ordentliche Behandlung angeboten, die dieser aber abgelehnt habe. Er habe stattdessen darauf bestanden, von einem externen Arzt seiner Wahl behandelt zu werden. Der Opposition nahestehende Ärzte erklärten am Samstag, Nawalny drohe Nierenversagen und in der Folge ein Herzstillstand.

sti/se/kle (afp, dpa, rtr)

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