Krawalle, Repression und friedliche Demos zum Tag der Arbeit | Aktuell Europa | DW | 01.05.2019
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Arbeiterbewegung

Krawalle, Repression und friedliche Demos zum Tag der Arbeit

Festnahmen in Istanbul, Ausschreitungen in Paris, Streiks in Griechenland, Traditionelles in Moskau und Leipzig: In Europa sind Arbeitnehmer zum 1. Mai für bessere Lebensverhältnisse auf die Straße gegangen.

Mehr als 7000 Polizisten kamen allein in Paris zum Einsatz

Mehr als 7000 Polizisten kamen allein in Paris zum Einsatz

Bei Protesten zum Tag der Arbeit hat es in Istanbul zahlreiche Festnahmen gegeben. Im Bezirk Besiktas wurden am Vormittag mehr als 120 Demonstranten festgenommen, die trotz eines Verbots zum zentralen Taksim-Platz marschieren wollten, wie die Polizei mitteilte. Neun weitere Festnahmen gab es demnach im Bezirk Sisli. Alle Zugänge zum Taksim-Platz und zur angrenzenden Istiklal-Straße waren von der Polizei mit Barrikaden abgesperrt.

Polizisten gehen gegen Demonstranten am Taksim-Platz vor

Polizisten gehen gegen Demonstranten am Taksim-Platz vor

Die offizielle Kundgebung sollte am Nachmittag im Bezirk Bakirköy stattfinden. Auf dem Taksim-Platz waren bei einer Kundgebung zum 1. Mai 1977 zahlreiche Menschen getötet worden. Im Jahr 2010 gab es erstmals wieder eine Kundgebung auf dem symbolträchtigen Platz, doch ist er seit 2012 erneut für Proteste gesperrt. Linke Gruppen versuchen dennoch jedes Jahr, auf den Platz zu gelangen, was zu Zusammenstößen und Festnahmen führt.

Die Polizei hatte den Taksim-Platz vorsorglich gesperrt

Die Polizei hatte den Taksim-Platz vorsorglich gesperrt

In der französischen Hauptstadt Paris setzte die Polizei am Rande einer Gewerkschaftskundgebung Tränengas gegen gewalttätige Demonstranten ein. Die Auseinandersetzungen spielten sich in der Nähe des Bahnhofs Montparnasse im Süden der Hauptstadt ab. Ein Demonstrant erlitt eine Kopfverletzung. Die Polizei meldete bis zum Nachmittag 206 vorläufige Festnahmen. 

Mitglieder des Schwarzen Blocks im Pariser Tränengas-Nebel

Mitglieder des "Schwarzen Blocks" im Pariser Tränengas-Nebel

Die Auseinandersetzungen begannen, als mehrere hundert Aktivisten des antikapitalistischen "Schwarzen Blocks" am Boulevard Montparnasse zu einer Kundgebung drängten, die später zu einem Demonstrationszug durch die Stadt starten sollte. Mitglieder des "Schwarzen Blocks" und radikale Vertreter der Protestbewegung der "Gelbwesten" haben dazu aufgerufen, Paris in die "Hauptstadt des Aufstands" zu verwandeln. Bereits im vergangenen Jahr hatte es am 1. Mai in Paris schwere Ausschreitungen gegeben.

In Bordeaux im Südwesten Frankreichs mahnten die Demonstranten Maßnahmen gegen den Klimawandel an

In Bordeaux im Südwesten Frankreichs mahnten die Demonstranten Maßnahmen gegen den Klimawandel an

Innenminister Christophe Castaner hatte angekündigt, dass allein in Paris mehr als 7400 Sicherheitskräfte eingesetzt werden. Es wurde mit 1000 bis 2000 Randalierern gerechnet. Die "Gelbwesten" protestieren seit November gegen die Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron. Bei den Protesten von Anhängern der "Gelbwesten" war es in den vergangenen Monaten in der Hauptstadt immer wieder zu Ausschreitungen gekommen. Deswegen sind einige Bereiche wie die Prachtstraße Champs-Élysées für Demonstrationen gesperrt. 

Nach Angaben des Innenministeriums demonstrierten in ganz Frankreich rund 151.000 Menschen, davon etwa 16.000 bei der zentralen Kundgebung der Gewerkschaften in Paris. Medien berichteten von 40.000 Demonstranten in der Hauptstadt.

In Athen trug auch der ehemalige Finanzminister Yanis Varoufakis (4. v. l.) das Leittransparent

In Athen trug auch der ehemalige Finanzminister Yanis Varoufakis (4. v. l.) das Leittransparent

In Griechenland legten die Gewerkschaften aus Protest für bessere Löhne und gegen Arbeitslosigkeit weite Teile des Verkehrs lahm. Alle Fähren von und zu den Inseln der Ägais blieben in den Häfen, weil die Seeleute ihre Arbeit niederlegten. Auch die Züge fuhren am Tag der Arbeit nicht. Die U-Bahnfahrer legten die Arbeit für mehrere Stunden nieder. Die Busse in Athen wurden für 24 Stunden bestreikt. 

Auch in Athen dürfen rote Nelken dürfen am 1. Mai nicht fehlen

Auch in Athen dürfen rote Nelken am 1. Mai nicht fehlen

Zudem gingen um die Mittagszeit Tausende Menschen in Athen und anderen Städten des Landes für Demonstrationen auf die Straße. "Wir fordern mehr Arbeitsplätze und höhere Löhne", skandierten sie. Die Kundgebungen verliefen weitgehend friedlich, hieß es aus Polizeikreisen. Nach Schätzungen der Gewerkschaften haben landesweit mehr als 20.000 Menschen an den 1. Mai-Kundgebungen teilgenommen.  Griechenland hat mit 18,5 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Mehr als 400 000 gut ausgebildete junge Menschen haben das Land wegen der schweren Finanzkrise, die seit 2010 andauert, verlassen. 

Luftballone und Feierstimmung auf dem Roten Platz vor der Basilius-Kathedrale in Moskau

Luftballone und Feierstimmung auf dem Roten Platz vor der Basilius-Kathedrale in Moskau

Bei einer traditionellen Parade der russischen Gewerkschaften zogen Zehntausende Menschen über den Roten Platz in Moskau. Angeführt wurde der Zug am Mittwoch von Bürgermeister Sergej Sobjanin. Redner forderten auskömmliche Löhne und genügend Arbeitsplätze für junge Menschen und Beschäftigte in höherem Alter. Polizei und Gewerkschaft sprachen nach Ende der Veranstaltung von mehr als 100.000 Teilnehmern. Landesweit gab es Aktionen zum Feiertag. Dabei seien bis zum Mittag mehr als 70 Menschen festgenommen worden, meldete der Radiosender Echo Moskwy. Festnahmen gab es demnach etwa in St. Petersburg. 

Statt roter Fahnen wurden auf dem roten Platz vor allem russische Flaggen geschwenkt

Statt roter Fahnen wurden auf dem roten Platz vor allem russische Flaggen geschwenkt

Organisierte Demonstrationen mit Tausenden Teilnehmern wurden auch aus der Ostukraine gemeldet. Russland unterstützt dort seit 2014 die Separatisten in Luhansk und Donezk. In der Hauptstadt Kiew folgten Medienberichten zufolge nur wenige Dutzend Menschen dem Aufruf der Gewerkschaften mit der Forderung nach höheren Löhnen.

Rund 1500 Menschen lauschten in Leipzig dem Gewerkschaftschef

Rund 1500 Menschen lauschten in Leipzig dem Gewerkschaftschef

Auf der zentralen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Leipzig rief DGB-Chef Reiner Hoffmann zur Schaffung gleicher Lebensverhältnisse in Ost und West auf. Bis heute sei das Politik und Unternehmen nicht gelungen - und es sei überfällig, sagte Hoffmann. Der Gewerkschaftschef forderte zudem einen Zukunftspakt für Ostdeutschland, der mehr öffentliche Investitionen ermöglichen soll. Auf dem Leipziger Markt hatten sich nach Schätzungen rund 1500 Menschen versammelt. Gewerkschaftskundgebungen gab es auch in zahlreichen weiteren Städten, laut DGB beteiligten sich insgesamt mehr als 380.000 Menschen.

stu/kle (dpa, afp)
 

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