Konfliktherd Zentralafrika | Afrika | DW | 14.01.2014
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Afrika

Konfliktherd Zentralafrika

Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo: Die Gewalt in Zentralafrika läuft Gefahr, sich zu einem Flächenbrand auszuweiten.

Die schlechten Meldungen aus Zentralafrika reißen nicht ab: Nach Monaten der blutigen Gewalt zwischen den muslimischen Séléka-Rebellen und den christlichen Anti-Balaka-Milizen in der Zentralafrikanischen Republik ist der umstrittene Präsident Michel Djotodia zwar zurückgetreten und der neue Übergangspräsident, Ferdinand Nguendet, hat ein Ende der Anarchie versprochen. Aber noch immer werden Unruhen gemeldet, noch immer sterben Menschen.

Beunruhigende Nachrichten kommen auch aus der Demokratischen Republik Kongo, die unmittelbar an das Konfliktgebiet grenzt: "Wir haben Berichte aus der Zivilbevölkerung erhalten, dass sich in der Provinz Orientale, an der Grenze zur Zentralafrikanischen Republik, Séléka-Kämpfer aufhalten", sagt Abdallah Wafy, stellvertretender Sonderbeauftragter der UN-Mission MONUSCO im Kongo. "Zahlreiche Menschen sind deshalb von dort weiter in den Süden des Kongo geflohen." In der Provinz Equateur, die ebenfalls an die Zentralafrikanische Republik grenzt, hätten sich zudem Kräfte der ehemaligen zentralafrikanischen Armee von François Bozizé zurückgezogen, der im März 2013 von der Séléka gestürzt worden war.

Karte Zentralafrika (Grafik: DW)

Krisenregion Zentralafrika

Atempause im Nachbarland

Die instabile Lage im Kongo birgt die große Gefahr, den Konflikt noch anzuheizen: "Die Rebellen können sich zurückziehen, sich erholen und sich über regionale Kanäle neue Waffen besorgen. Sie können sich neu formieren, um für den Kampf stark zu sein", sagt Kongo-Expertin Nadine Ansorg vom GIGA-Institut in Hamburg. "Das ist ein unglaublicher Faktor der Instabilität für die gesamte Region."

Die Demokratische Republik Kongo ist so groß wie Westeuropa, große Gebiete entziehen sich der Kontrolle von Regierung und Militär. Die Infrastruktur ist schlecht, viele Straßen sind in der Regenzeit kaum zu passieren. Riesige Urwälder überziehen das Land. Seit Jahrzehnten haben unzählige Rebellengruppen dort das Sagen. Auch solche aus angrenzenden Staaten wie Ruanda, Burundi oder Uganda und nun auch aus der Zentralafrikanischen Republik.

Alexandre-Ferdinand Nguendet, Übergangspräsident der Zentralafrikanischen Republik (Foto: AFP)

Ferdinand Nguendet, Übergangspräsident der Zentralafrikanischen Republik

Parteiische Vermittler im Südsudan

Im Südsudan ist die Situation bislang etwas übersichtlicher: Bisher hat sich der Konflikt noch nicht auf angrenzende Staaten ausgedehnt. Die Rebellen haben auf dem Staatsgebiet selbst genug Rückzugsmöglichkeiten, die Grenzen zum Kongo und zur Zentralafrikanischen Republik sind nach wie vor unter der Kontrolle der südsudanesischen Regierung. In die Staaten, die an die Konfliktregion angrenzen - Sudan, Äthiopien und Kenia – setzen sich bislang vor allem Zivilisten ab, die vor der Gewalt in ihrer Heimat fliehen.

Aber auch der Konflikt im Südsudan hat das Potenzial zum Brandbeschleuniger eines zentralafrikanischen Flächenbrandes: Das Nachbarland Uganda ist mit seiner Armee in den Südsudan einmarschiert. Offiziell ist Uganda Vermittler in dem Konflikt, doch im Gegensatz zu anderen vermittelnden Staatsoberhäuptern hat Präsident Yoweri Museveni schon früh deutlich gemacht, auf wessen Seite er steht: auf der des amtierenden südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir. "Die ugandische Armee ist drauf und dran, in diesen Konflikt nicht nur als eine Art Friedenswächter in der Hauptstadt, sondern als sehr aktiver Teil einzugreifen", sagt Florian Dähne, Südsudan-Beauftragter der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung im Sudan. "Das ist der angedachten Rolle Ugandas als Vermittler in diesem Konflikt nicht unbedingt zuträglich."

Kooperation über Grenzen hinweg

In solchen länderübergreifenden Konfliktsituationen ist Diplomatie das oberste Gebot, glaubt auch Nadine Ansorg vom GIGA-Institut. Lokales Konfliktmanagement reiche nicht aus: Um die Gefahr eines Flächenbrands zu entschärfen, müssten sich die Konflikt-Akteure und Vermittler aus der gesamten Region an einen Tisch setzen. Das afrikanische Gipfeltreffen zum bewaffneten Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik, das vor wenigen Tagen im Tschad stattgefunden hat, sei ein gutes Beispiel hierfür gewesen.

"Die Zusammenarbeit zwischen den afrikanischen Staaten, die von Gewalt betroffen sind, muss noch stärker werden", appelliert Ansorg. "Ich habe die Hoffnung, dass sich vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen etwas getan hat und die Regierungen in der Region, die Afrikanische Union und die Vereinten Nationen erkannt haben, dass sie die unterschiedlichen Konflikte nicht in Isolation sehen dürfen."

Panzer der UN-Mission in Goma (Foto: AFP)

MONUSCO: größte und älteste UN-Mission in der Geschichte der Vereinten Nationen

Zu wenig Mittel für die Friedenssicherung

Spätestens seit sich bewaffnete Kräfte aus der Zentralafrikanischen Republik in den Kongo zurückgezogen haben, scheint sich in dieser Hinsicht etwas zu bewegen: "Momentan gibt es noch keine Kooperation zwischen der MONUSCO und der Mission der Afrikanischen Union in der Zentralafrikanischen Republik", sagt Abdallah Wafy, stellvertretender Sonderbeauftragter der UN-Mission MONUSCO im Kongo. "Aber gerade tauschen wir Informationen mit unseren Kollegen von den Vereinten Nationen in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui aus, damit wir bescheid wissen, was auf beiden Seiten der Grenze geschieht."

Die UN-Mission im Kongo und der Friedensmission der Afrikanischen Union, MISCA, in der Zentralafrikanischen Republik spielen eine Schlüsselrolle dabei, den zentralafrikanischen Flächenbrand zu stoppen und langfristig Frieden zu sichern - davon ist Nadine Ansorg überzeugt. Um die Aufgabe zu bewältigen, fehlten den internationalen Friedenstruppen jedoch die Mittel - nicht nur finanziell: "Die Soldaten sind zum Teil sehr schlecht ausgebildet und sie haben nicht genug Ausrüstung."

Wirklich optimistisch in Bezug auf einen dauerhaften Frieden in Zentralafrika ist Ansorg nicht: "Ich glaube nicht, dass die Gewalt in der Region, auch auf lokaler Ebene, in den nächsten Jahren oder vielleicht auch Jahrzehnten aufhören wird." Denn gerade im Kongo würde es allein schon wegen des dichten Urwalds immer genug Rückzugsmöglichkeiten für Rebellen geben.

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